Otto Waalkes
Altmeister des Humors trifft alte Meister: Otto Waalkes vor seiner Kunst. | Foto: Patrick Seeger

Jetzt malt er auch noch: Otto

Mit Geduld und Ostfriesenteee

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Ein Interview mit Otto Waalkes ist eine sportliche Angelegenheit. Keine Sekunde hält der Mann still. Während der Ostfriese wenige Minuten vor der offiziellen Öffnung seiner ersten umfassenden Werkschau noch durch die Ausstellungsräume spurtet, fällt es schwer, Aufnahmegerät, Block und Bleistift zu koordinieren. Unser Redaktionsmitglied Sibylle Kranich hat versucht, mit Otto Waalkes Schritt zu halten.

Sie können ja viel mehr als Ottifanten malen. Haben Sie das gelernt?

Waalkes: Ich hab’ das sogar mal studiert. Aber eigentlich male ich schon mein ganzes Leben lang.

Ist viel zusammen gekommen…

Waalkes: Allerdings. So viele Bilder. Über 100 sind hier zu sehen. Ich bin selbst überrascht, wie fleißig ich die letzten Jahre gearbeitet habe. Aber ich male ja auch schon lange. Hier sind auch Zeichnungen zu sehen, die ich schon für die Schülerzeitung gemacht habe.

Wären Sie manchmal lieber Maler als Komiker geworden?

Waalkes: Ich finde beides gut. Darstellende und bildende Kunst sind für mich eins. Ich mache beides, damit es jemandem gefällt. Die Leute kommen, schauen sich das an und freuen sich hoffentlich. Das ist der gewünschte Effekt.

Mit dem Unterschied, dass das Malen im stillen Kämmerlein aber deutlich stressfreier ist, als jeden Abend auf einer Bühne zu stehen?

Waalkes: Das ist nicht so tragisch. Tourneen und Auftritte nehmen ja immer nur einen begrenzten Zeitraum in Anspruch. Und ich brauche diese direkten Reaktionen aus dem Publikum – in Galerien fehlt mir der Applaus. Vor Bildern klatscht keiner.

Das wollen Sie auch mit fast 70 nicht missen?

Waalkes: Nein. Es macht mir immer noch sehr viel Spaß neue Programme zu entwickeln. Mit neuen Liedern und neuen Parodien. So lange das Publikum auch seinen Spaß hat, soll’s an mir nicht liegen.

Es scheinen auch immer wieder neue Otto-Fans nachzuwachsen?

Waalkes: Ja. Unglaublich, wie viele Kinder da jetzt kommen. Das liegt vielleicht an dem familienfreundlichen Programm. Also… stellenweise. Väter aus der Langspielplatten-Generation bringen ihre Kinder mit und durch die Zwergenfilme und „Ice Age“ kommen auch neue.

Sind die heute anspruchsvoller?

Waalkes: Publikum ist immer anspruchsvoll. Heute mehr denn je. Das Angebot ist breiter geworden. Zum Glück! Da ist es schwieriger, an der Spitze zu bleiben.

Otto Waalkes
Otto Waalkes braucht zum Malen Ostfriesentee. | Foto: Patrick Seeger

Macht Ihnen das Angst?

Waalkes: Nee. Im Gegenteil: Schließlich habe ich doch mit dem Unsinn angefangen – da darf ich mich jetzt nicht über die Folgen beklagen.

Das Publikum ist auch sensibler geworden. Muss man heute nicht höllisch aufpassen, dass man beim Blödeln keinen Shitstorm entfacht?

Waalkes: So was kenne ich eher aus dem privaten Bereich. Ansonsten weiß ich nicht mal, wie man das macht. Vermutlich bin ich einfach zu harmlos, und das spürt dies sensible Publikum. Wir mögen uns.

Tritt da kein Gewöhnungseffekt ein?

Waalkes: Mit Erfolg zu rechnen, ist der erste Schritt zum Misserfolg. Andererseits: Freuen darf man sich schon: Über die Ausstellung freue ich mich sehr.

Warum malen sie eigentlich?

Waalkes: Das ist für mich Meditation. Da stört mich niemand. Da bin ich ganz alleine und male. Ich bin voll abgelenkt und voll konzentriert. Die Geduld, die man dabei lernt, kann man brauchen, wenn man an neuen Programmen arbeitet.

Nur echt mit Ottifanten: Ottos Bilder haben fast alle einen.

Fast auf jedem Bild sind Ottifanten. Geht’s nicht ohne?

Waalkes: Nicht auf jedem. Aber fast. Es macht mir Spaß, mit altmeisterlicher Technik neuzeitliche Elemente in meine Bilder hineinzubringen. Außerdem sieht man daran sofort: Ah! Ein echter Otto!

Haben Sie Lieblingsmaler?

Klar. Pablo Inkasso, Salvator Zali, Paul Rubel. Leonardo Da Windschief…