Hotspot Gochsheim: An der steilen Rampe feuern die Zuschauer die Triathleten beim "Ironman Kraichgau" an. | Foto: Archiv: Alabiso

Ironman Kraichgau

Das Alpe d’Huez im Kraichgau

Jürgen Dulkies kennt die Radstrecke für den „Sparkasse Ironman 70.3 Kraichgau“ genau. Obwohl er eigentlich wenig Zeit hat, sich um die Umgebung zu kümmern. Vergangenes Jahr legte er die 90 Kilometer in 2:36 Stunden zurück. Das ist ein Schnitt von knapp unter 35 Kilometern je Stunde. In dieser Größenordnung wird er wohl auch am 3. Juni unterwegs sein, wenn es wieder ernst wird im „Land der 1 000 Hügel“, das dann über 2 000 Triathleten erobern werden. Fürs Umschauen in den Orten entlang der Strecke oder einen Blick in die Landschaft bleibt bei diesem Tempo wenig Zeit.

Mit den BNN unternahm Dulkies deshalb jetzt eine etwas ruhigere Tour über die Wettkampfstrecke, die für die Sportler nach 1,9 Kilometern Schwimmen im Hardtsee eben dort beginnt.

Flach bis Östringen

„Zum Einrollen“ sind dann die ersten Kilometer, die es auf der Kreisstraße 3575 Richtung Norden bis Kronau geht. Dort wird rechts abgebogen auf die L 555/B 292, von wo aus bis Östringen weitere flache Kilometer vor dem Athleten liegen.

Die erste Steigung

Am Ortseingang Östringen wird es dann – nach rund einem Dutzend Kilometern – schnell ernst. Der Stich die Richard-Wagner-Straße hinaus hat es in sich. Und zum Luft holen bleibt wenig Zeit. Schon kurz darauf wartet der erste Anstieg zum Schindelberg. „Das drück’ ich noch auf dem großen Blatt“, macht Dulkies klar, warum es ihm bei so rasch vorwärtsgeht. Ein größerer Teil Sportler dürfte vorne auf das kleine Ritzel schalten – sie wollen Kräfte schonen. Das macht Sinn, denn „wir sind erst noch nicht mal bei 20 Kilometern“.

Hotspot Gochsheim

Hinunter geht es dann zügig und am Stifterhof rechts ab nach Odenheim. Dort hindurch – „da ist die erste Verpflegungsstelle“, sagt Dulkies beim Rattern über einen kurzen Abschnitt Kopfsteinpflaster – geht es nach Menzingen. Von Menzingen geht es weiter hinauf zum „Kreisel Luisenhof“ und dann in rasanter Fahrt durch einen Hohlweg Richtung Gochsheim – am Wettkampftag der spektakulärste Ort. Dicht gedrängt säumen Zuschauer die steile Straße bei Kilometer 37 zum Graf-Eberstein-Schloss hinauf („Gassbuckel“) und sorgen bei den Aktiven für Gänsehautfeeling – „das ist das Alpe d’Huez im Kraichgau“, sagt Jürgen Dulkies und vergleicht Gochsheim mit der berühmten Zielankunft bei einer Alpenetappe der Tour de France. Und: „Das bleibt steil bis oben“, warnt er, „da muss man richtig drücken.“

Durch Gochsheim geht es am Sportplatz vorbei über eine kurze, dafür steile Rampe zum Kreisel Oberacker. Links fährt man weiter Richtung Büchig. Man fährt in den Ort hinein und dreht eine kleine Schleife über einen weiteren Kraichgauhügel und wendet sich weiter nach Bauerbach. „Hier ist die Hälfte erreicht, 45 Kilometer“, sagt Dulkies und gibt etwas Gas. Es folgt ein flacher Abschnitt. Der nächste Ort ist Flehingen. Mit Rückenwind kann man hier locker über 35 Kilometer schnell unterwegs sein.

Nochmals auf den Schindelberg

Zaisenhausen, Kreisel Luisenhof, Odenheim heißen die nächsten Stationen. „Jetzt wird es nochmal schwierig“, warnt Dulkies alle, die dachten, sie hätten bei knapp 70 Kilometern das Gröbste hinter sich. Der steile Anstieg nach Tiefenbach zieht Körner, nicht minder der nach Eichelberg. Zurück am Stifterhof lassen es die Schnellen nochmals richtig krachen. „Hier startet die Bergwertung den Schindelberg hinauf“, sagt Dulkies, stellt die Uhr auf Null und jagt die 2,7 Kilometer in etwa sechseinhalb Minuten hinauf. Der Tacho zeigt 80 zurückgelegte Kilometer an.

Ab nach Mingolsheim

Mit der Abfahrt Richtung Östringen beginnt die gedankliche Vorbereitung den in Bad Schönborn bevorstehenden Halbmarathon. Noch ein paar schnelle Kilometer auf dem Rad, oft mit Rückenwind. Dann ist die Radstrecke in Mingolsheim zu Ende. 90 Kilometer mit gut 1 000 Höhenmetern liegen hinter den Triathleten. Vorjahressieger Sebastian Kienle benötigte für die anspruchsvolle Strecke 2:10 Stunden. Mit etwas über zweieinhalb Stunden kann sich Jürgen Dulkies da allemal sehen lassen.