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Trauer um die Anschlagsopfer vor dem Restaurant Kiepenkerl in Münster. | Foto: Marcel Kusch

Kommentar

Mitgefühl statt Hetze

Innehalten, nachdenken und Rücksicht nehmen: Das sollten die Grundregeln für alle sein, die aufgewühlt durch Katastrophen, Terroranschläge oder Tragödien wie jetzt in Münster ihre Gedanken und Gefühle in den sozialen Medien verbreiten, noch während die schlimme Nachricht ihren Lauf nimmt. Für Politiker kommt eine weitere Regel hinzu: besonnen sein und besonders große Verantwortung zeigen. Die Resonanz im Netz auf die Amokfahrt mit drei Toten war schnell, laut, emotional – aber auch teils hysterisch und entsetzlich geschmacklos. Sie erschwerte die Arbeit der Polizei. Sie traf aber auch Menschen, die gerade um das Schicksal ihrer Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder im Herzen der getroffenen Uni-Stadt bangten.

Von Terroristen und mehreren Attentätern war etwa die Rede, während die Polizei immer wieder an die Nutzer appellierte, doch auf wilde Spekulationen und Schuldzuweisungen zu verzichten. Wie so oft bei solchen Ereignissen gab es leider auch wieder fremdenfeindliche Hetze, wurden prompt krude rassistische Theorien ausgepackt und angebliche Verbindungen mit der Asylpolitik der Bundesregierung hergestellt. Die Empörung über die Instrumentalisierung der Auto-Attacke für politische Zwecke traf zu Recht die AfD-Vizechefin Beatrix von Storch, die per Twitter pauschal Flüchtlinge, Merkel und den „gefährlichen“ Islam angegriffen hat. Doch sie stand mit derlei Entgleisungen im Internet natürlich nicht alleine da – und daraus ergibt sich die Pflicht der breiten Öffentlichkeit, nicht zu schweigen und den Hetzern entschieden Paroli zu bieten.

Die Motive für die Tragödie von Münster liegen bislang im Dunkeln. Was wir aber begreifen müssen, ist, dass solche Taten von offenbar psychisch auffälligen Menschen auch früher passiert sind. Und sie werden wahrscheinlich auch in Zukunft irgendwo wieder für Entsetzen und Fassungslosigkeit sorgen. Egal, wie gut ausgerüstet und trainiert die Polizei ist, sie wird den Bürgern weiterhin keinen vollkommenen Schutz vor Amoktätern bieten können. Mit dieser Gefahr müssen wir leben. Doch heute gilt es, gemeinsam mit den Hinterbliebenen zu trauern und ihnen viel Kraft zu wünschen.