Nur Sandkastenspiele? Weil auf den Bildern der Apollo-Missionen kein Sternenhimmel zu sehen ist, kamen Zweifel an den Mondlandungen auf. | Foto: Nasa

Populäre Verschwörungstheorie

Gefälschte Mondlandung? „Moskau hat das nie in Zweifel gezogen“

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Die Idee, dass es nie eine Mondlandung gegeben habe, hält sich hartnäckig. Eine kurze Internetrecherche nährt den Verdacht – auf den ersten Blick finden sich zahlreiche Indizien dafür, dass die Apollo-Missionen lediglich ein Schauspiel waren. Es gibt aber einen banalen Fakt, der Verschwörungstheoretiker ins Schwimmen bringt.

Der Mann, der die Mondlandung als vermeintliche Inszenierung entlarvte, musste es ja wissen: Bill Kaysing, so sein Name, hatte einige Jahre die technische Dokumentation eines Zulieferbetriebs der Nasa geleitet. Als im Juli 1969 die Apollo 11 auf dem Mond landete, hatte er den Job längst zugunsten einer mäßig erfolgreichen Karriere als Ratgeberautor an den Nagel gehängt. Allerdings beharrte er darauf, ausreichend Einblick ins Apollo-Programm gehabt zu haben, um zu wissen: eine Landung auf dem Mond war unmöglich.

Zweifel fielen auf fruchtbaren Boden

Im Jahr 1976 fasste Kaysing seine Zweifel in dem Werk „We never went to the Moon“ zusammen. Und wurde so Begründer einer der populärsten Verschwörungstheorien überhaupt. „Kaysings Werk fiel in eine Zeit, während der das Vertrauen in staatliche Institutionen und Repräsentanten in den USA auf dem Tiefpunkt war“, erklärt Michael Butter, Anglist an der Uni Tübingen. Butter hat die Narrative populärer US-Verschwörungstheorien erforscht.

Die Zweifel an der Mondlandung seien Mitte der 70er-Jahre in den USA auf fruchtbaren Boden gestoßen, schildert er:  Die Öffentlichkeit hatte noch mit den Nachwirkungen von Kennedy-Ermordung, Vietnam-Krieg und Watergate-Affäre zu kämpfen. „Es gab eine generelle Atmosphäre des Misstrauens und somit eine hohe Bereitschaft, alternativen Darstellungen Glauben zu schenken – auch in Sachen Mondlandung.“

Warum ist da kein Sternenhimmel zu sehen?

Kaysing recherchierte für sein Werk mit einiger Akribie. Er untersuchte zahlreiche Fotos der Mondmissionen, die die Nasa veröffentlicht hatte und erkannte vermeintliche Ungereimtheiten. Auf manchen Bildern etwa wirken die Schattenwürfe nicht parallel. Und immer wieder moniert Kaysing in seinem Buch, dass auf den Aufnahmen vom Mond kein Sternenhimmel sichtbar sei.

Schnappschuss von der Apollo 15-Mission: Die Astronauten waren wohl doch auf dem Mond – auch, wenn keine Sterne sichtbar sind. Foto: Nasa | Foto: Nasa

Die Kritikpunkte sind im Einzelnen leicht zu entkräften. So fehlen etwa die Sterne, weil der Kontrastumfang des Filmmaterials begrenzt war – und die das Sonnenlicht reflektierende Mondoberfläche das Sternenlicht auf den Bildern schlicht verschluckte.

Popularität der Theorie ungebrochen

Kaysing allerdings gelangte zur Überzeugung, die Mondlandungen müssten irgendwo auf der Erde inszeniert und gefilmt worden sein. Eine beträchtliche Zahl seiner Leser folgte ihm darin. Teils auch deswegen, weil die Nasa versäumt habe, frühzeitig Details zu Missionen und Technologien öffentlich zu erläutern, sagt Butter.

Indes ist auch nach der Entkräftung von Kaysings Kritikpunkten die Popularität seiner Ideen ungebrochen. „Die Verschwörungstheorie stützt sich wesentlich auf visuelle Elemente und erst das Internet hat einen Rahmen geschaffen, in dem diese massenwirksam und überzeugend dargestellt werden konnten“, erläutert der Wissenschaftler.

Keine Zweifel aus Moskau

Und verweist auf einen ziemlich banalen Fakt, der Mondverschwörer in Erklärungsnöte bringt: „Die Sowjetunion hatte ja die Möglichkeit, festzustellen, was da im All gespielt wurde. Und Moskau hat die Mondlandung nie in Zweifel gezogen.“

Natürlich, Hardliner unter den Erben des 2005 gestorbenen Kaysing zeigen sich auch von derlei Argumentation unbeeindruckt – und entgegnen, insgeheim hätten beide Seiten im Kalten Krieg ja ohnehin gemeinsame Sache gemacht. „Da greift, was charakteristisch für Verschwörungstheorien ist“, beschreibt Butter: „Ihre Verfechter finden stets irgendeinen Grund, warum Fakten und die Argumentation der Gegenseite nicht stimmen können.“

Buzz Aldrin schlug einfach zu

Sie mit reiner Vernunft zu widerlegen, sei daher ein schwieriges Unterfangen. Buzz Aldrin, dem zweiten Mann auf dem Mond, platzte darüber gar mal der Kragen. Der Ex-Astronaut sah sich von den Nachstellungen eines Verschwörungstheoretikers derart belästigt, dass er, bereits 72-jährig, mit einem kräftigen Faustschlag die Diskussion beendete.

Dossier zum Mondlandungs-Jubiläum
Die BNN würdigen den 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung mit einem Countdown und vielen Artikeln in der gedruckten Zeitung und auf bnn.de. Alle Inhalte gibt es hier im Online-Dossier.