Ein Mondfahrer erinnert sich: ehemaliger US-Astronaut Charlie Duke im Technik-Museum Speyer. Foto: Makartsev

BNN-Interview

Mondfahrer Charlie Duke über seine Reise ins All: „Es war ein Höllenritt!“

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Der Mond ist noch ein ziemlich exklusives Reiseziel. Unzählige Menschen träumten davon, diese fremde Welt zu besuchen. 32 Raumfahrer zählte einst das US-Programm Apollo. Lediglich zwölf von ihnen erlebten jedoch das Abenteuer, selbst die Oberfläche eines Himmelskörpers betreten zu können, die Buzz Aldrin als eine „herrliche Einöde“ beschrieb. Nur noch vier dieser legendären „Moonwalker“ sind heute am Leben.

Die BNN trafen einen von ihnen beim Symposium zum 50. Jahrestag der Mondlandung, der von der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt im Technik-Museum Speyer ausgerichtet wurde.

Duke fuhr mit dem Mondauto auf dem Erdtrabanten

Charlie Duke (83) war als CapCom der Verbindungsmann des Kontrollzentrums in Houston mit Apollo 11 während der historischen Mondmission im Juli 1969. Drei Jahre später landete Duke als Pilot der Mondfähre von Apollo 16 gemeinsam mit John Young im lunaren Descartes-Hochland. Beide Astronauten machten dort während ihres 72-stündigen Aufenthalts drei „Ausflüge“ und fuhren insgesamt 27 Kilometer weit mit ihrem „Mondauto“. Im Interview mit BNN-Redakteur Alexei Makartsev erinnert sich der Mondfahrer Charlie Duke an seine Apollo-Missionen.

Wie haben Sie die erste Mondlandung als Verbindungsmann in Houston empfunden?

Duke: Wir hatten während des Abstiegs einige Probleme, so dass die Anspannung im Kontrollzentrum immer weiter anstieg. Es schien, als würde ein Problem zum anderen führen, und wir waren überfordert mit den Entscheidungen, ob die Mission nun abgebrochen werden sollte oder nicht. Jeder hat daran gedacht. Ich habe nie solch eine Anspannung gespürt wie damals im Mission Control beim Landeanflug. Es herrschte Totenstille, die Mitarbeiter starrten auf die Bildschirme. Aber das Team war ruhig. Auch ich habe versucht, so ruhig wie möglich zu sein, aber in Wirklichkeit war ich aufgeregt. Die Aufregung stieg, bis ich die Worte hörte: „Kontakt, Triebwerk aus“.
Wenn Sie sich einen großen Ballon vorstellen, dann sticht jemand mit einem Bleistift hinein: Pschh! Die ganze Luft strömt heraus. So bin ich dann auch zusammengesackt, als die ganze Anspannung wich. Wir waren natürlich begeistert, aber Neil hörte sich sehr ruhig an: „Houston, hier Tranquility Base. Der Eagle ist gelandet“. Er sagte dies so, als würde er sich im Nachbarzimmer befinden. Meine Antwort entsprach der tatsächlichen Situation im Kontrollzentrum, wo jeder den Atem angehalten hatte.
Die Apollo-11-Besatzung konnte aus zehn Meter Höhe ihren Landeplatz sehen, wir aber nicht. Wir hatten nur Daten vor den Augen. Ich werde manchmal gefragt: „Waren Sie mehr angespannt bei der ersten Mondlandung oder bei Ihrer eigenen Landung?“ Im Kontrollzentrum war ich mehr aufgedreht, würde ich sagen. Als John und ich landeten, lief alles nach Plan, und wir hatten eine Menge Treibstoff übrig. Wir waren sicher, dass wir es schaffen würden. Bei Apollo 10 und 11 standen wir mehr unter Strom.

Die historische Aufnahme im Technik-Museum Speyer zeigt Charlie Duke (Mitte) als CapCom bei der Mission Apollo 11 im Juli 1969. Foto: Makartsev | Foto: Makartsev

Fühlten Sie sich bei der Apollo-11-Landung stolz, die Sowjetunion endlich überholt zu haben?

Nein, niemand hat davon gesprochen, dass wir das Mondrennen gewonnen haben. Aber wir waren natürlich sehr stolz darauf, es gleich im ersten Versucht geschafft zu haben. Und alle im Kontrollraum fühlten sich erleichtert, dass das vom Präsidenten Kennedy gesetzte Ziel endlich erreicht war. Es war für mich überwältigend, ein Teil davon gewesen zu sein.

Das war die leerste Wüste, die ich je gesehen habe. Unberührt, unversehrt.

Können Sie sich an ihre Gedanken erinnern, als Sie selbst ihren ersten Schritt auf dem Mond gesetzt hatten?

Es war ein Gefühlsmix von Aufregung, Jubel und Staunen. Buzz Aldrins Beschreibung des Mondes als „herrliche Einöde“ war perfekt! Das war die leerste Wüste, die ich je gesehen habe. Unberührt, unversehrt. Ich dachte: „Ich bin auf dem Mond!“ Aber es fühlte sich auch an, wie zuhause zu sein. Du hast die bekannten Orientierungspunkte gesehen und gedacht: „Oh, da ist der Stone Mountain“ Wir wussten also, wo wir hinwollten, und es war so, als ob man da hingehörte. Und das Auto funktionierte gut. So verbrachten wir auf der Mondoberfläche 72 aufregende Stunden.
Als wir uns dann auf den Aufstieg vorbereiteten, gingen wir nochmal die Notfallmaßnahmen durch. Wenn die Triebwerke nicht automatisch gestartet hätten, hätten wir 30 Sekunden Zeit gehabt, um eine Reihe von Backup-Prozeduren zu initiieren. Wenn dies nicht funktioniert hätte, hätten wir eine Pause gemacht und auf die nächste Umkreisung gewartet, um alles von vorne zu beginnen. Während dieser 1 Stunde und 45 Minuten würde das Kontrollzentrum uns verschiedene Lösungen vorschlagen.
Die Hoffnung war, dass man alle Systeme herunterfährt und jemand mit einer guten Idee kommt. Aber unser Triebwerk zündete – Wumm! – genau in der Sekunde, als der Computer auf Null heruntergezählt hatte, und es ging los. Das war ein Höllenritt, wie der Flug in einem Kampfjet. Es hat Spaß gemacht!

Früherer US-Astronaut Charlie Duke hält einen Vortrag beim Mond-Symposium im Technik-Museum Speyer. Foto: Makartsev

Haben Sie bei Ihren Mondspaziergängen je daran gedacht, dass Sie womöglich nicht wieder zur Erde zurückkehren würden?

Nein, der Gedanke kam mir nie. Wir hatten einfach beschlossen, uns darüber keine Sorgen zu machen. Wenn es nicht funktioniert, dann funktioniert es eben nicht! Du kannst nichts machen, außer die Notfallprozeduren durchzugehen, also haben wir über solche Sachen nicht nachgedacht.

Dossier zum Mondlandungs-Jubiläum
Die BNN würdigen den 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung mit einem Countdown und vielen Artikeln in der gedruckten Zeitung und auf bnn.de. Alle Inhalte gibt es hier im Online-Dossier.