Ob er wohl noch fährt? Astronaut Eugene Cerne posiert mit dem Mond Rover Vehicle, das die Apollo 17-Mission 1972 auf dem Mond zurückließ. | Foto: Nasa

Raumfahrt-Relikte

Wie kamen Golfbälle und Geldscheine auf den Mond?

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Wo mal Menschen waren, findet sich in der ein oder anderen Form immer auch Müll. Der Mond ist da keine Ausnahme. Die Liste der Dinge, die von der Erde hochgeschossen und dann dort gelassen wurden, ist lang. Sie umfasst Golfbälle, Geldnoten, Windeln und Raketenstufen. Einen vergoldeten Olivenzweig und natürlich je Apollo-Mission eine US-Flagge – also fünf an der Zahl.

Die Entweihung des Mondes durch den Menschen datiert auf den 13. September 1959, als die sowjetische Sonde Lunik 2 auf seine Oberfläche krachte. Seitdem ist einiges dazugekommen: Eine von der Nasa im Jahr 2012 angefertigte Liste kommt auf 748 Objekte, die der Mensch zum Mond gebracht hat.

Ein weiter Weg bis zur Müllkippe

Mittlerweile sind es noch ein paar mehr geworden, zum Beispiel die israelische Raumsonde Beresheet, die im April 2019 auf dem Mond zerschellte und das chinesische Mondfahrzeug Yunu (Jadehase) sowie eine Sonde, die Peking in diesem Jahr auf der Rückseite des Mondes landen ließ. Eine Entsorgung ist bis auf weiteres nicht geplant. „Man kann ja letztlich auch nicht sagen, dass der Mond bisher zu einer extraterrestrischen Müllkippe geworden ist“, sagt Christian Gritzner vom Deutschen Luft- und Raumfahrtsinstitut. „Gemessen an seinen Dimensionen ist da oben ja fast nix.“

Im Falle der bemannten Missionen habe es praktische Gründe gegeben, alles zurückzulassen, was irgendwie verzichtbar war, erklärt Gritzner: „Es ging schlicht darum, jedes bisschen überflüssiges Gewicht vor dem Rückflug loszuwerden.“

Schlag mit dem 6er-Eisen

Neben zahlreichen technischen Geräten– zerschellten Raketenstufen und Raumfahrzeugen amerikanischer wie sowjetischer Herkunft etwa – sind auch einige eher kuriose Dinge auf dem Erdtrabanten verblieben. Beispielsweise zwei Golfbälle, die der Astronaut Alan Shephard 1971 während der Apollo-14-Mission schlug. Er wollte prüfen, ob sie sich angesichts der reduzierten Schwerkraft weiter schlagen lassen als auf der Erde – wovon er sich dann mittels eines 6er-Eisens überzeugte.

Als Zeichen des Friedens ließen Neil Armstrong und Buzz Aldrin 1969 einen goldenen Olivenzweig und eine Diskette mit Friedensbotschaften zurück. James Irwin legte 1972 nahe des Landepunktes von Apollo 15 eine Bibel und eine Falkenfeder in den Staub und außerdem hundert Banknoten. Ob er sie später irgendwann gern wieder gehabt hätte, ist unklar.

Das Familienfoto von Charles Duke. Foto: imago/Zuma Press/Nasa | Foto: imago/Zuma Press

Sicher ist, dass Charles Duke, Mann Nummer 10 auf dem Mond, das Familienfoto gern wieder in den Händen hielte, dass er, ebenfalls 1972, dort zurückließ.

Schnupfen könnte auf dem Mond eine Chance haben

In gewisser Hinsicht brachten die Astronauten auch Leben dem Mond – in Form von biologischen Abfällen, die nun mal auch auf Mondreisen anfallen. Wie es um den Inhalt der Windeln bestellt ist, die von den Mondfahrern vor der Rückreise entsorgt wurden, ist unbekannt.

Allerdings können Bakterien von der Erde auf dem Mond offenbar überleben, wie sich im Nachgang der Apollo-12-Mission offenbarte: Die zweite Mondmission landete nahe einer Jahre zuvor abgestürzten Nasa-Sonde, von der die Astronauten Proben nahmen. Auf der Erde fanden Wissenschaftler darin Schnupfenerreger.

Bloß keine Bakterien auf den Mars bringen

Sie gehen mit einiger Wahrscheinlichkeit auf einen Techniker zurück, der vor dem Start der Sonde erkältet an ihr gearbeitet hatte. „Seit dem Zeitpunkt gibt es ein Bewusstsein dafür, dass alles, was wir ins All schießen, steril behandelt und sicher verpackt sein muss“, schildert Christian Gritzner. Im Hinblick auf Marserkundungen etwa sei andernfalls ein wissenschaftliches Desaster denkbar: „Man stelle sich vor, es gibt dort wirklich Spuren von Leben und wir bringen das System mit Bakterien von der Erde durcheinander.“

Alan Bean von der Apollo 12-Mission mit Kamera im Einsatz. Foto: imago/Zuma Press

Neben anekdotischen und biologischen Relikten sind auch eine Reihe technischer Schätze auf dem Mond geblieben – allen voran wohl die Hasselblad-Kameras. Die Mittelfrontapparate des schwedischen Herstellers galten, zumindest vor fünf Jahrzehnten, als die besten der Welt. Weil die Mission Mondlandung nicht zuletzt eindrucksvolle Bilder liefern sollte, griff die Nasa auf Sonderanfertigungen der Hasselblad-Kameras zurück.

Nur eine Kamera kam auf die Erde zurück

Armstrong und Baldrin etwa hatten 1969 das Modell Hasselblad 500 EL Data dabei, dessen Bedienung sie zuvor auf der Erde unzählige Male geübt hatten. Die darin integrierten Réseaugitter sind Ursache der für die Mondfotos charakteristischen kreuzförmigen Markierungen. Gegen die enorme Temperaturbelastungen und gegen elektrische Aufladung besonders geschützt, dürften die Kameras keine Kleinigkeit gekostet haben.

Hasselblad-Kamera. Dieses Exemplar wurde 2014 versteigert. Foto: imago/Zuma Press

Soweit bekannt, verblieben sie alle auf dem Mond – mit Ausnahme eines Exemplars, das ein Japaner im Jahr 2014 für knapp 600 000 Dollar bei einer Auktion in Wien ersteigerte.

Vieles ist wohl schlicht Schrott

Ob die Hasselblad-Kameras, Mondfahrzeuge und andere technische Gegenstände heute noch einen Nutzwert haben, muss bezweifelt werden, sagt Christian Gritzner vom DLR: „Es gibt einige Reflektoren, die als Messpunkte für Lasermessungen fungieren und die bis heute ihren Dienst leisten.“ Der Rest dürfte angesichts der enormen Temperaturschwankungen und durch Einschläge von Mikrometeoriten mittlerweile Mondschrott sein.

Der, geht es nach Gritzner und anderen Experten, auch dort belassen werden sollte. „Ich fände die Idee charmant, irgendwann mal um die Lande- und Absturzstellen Zäune zu ziehen und sie als archäologische Stätten zu konservieren“, sagt er.