Sich von der Masse abheben kann man heutzutage mit einem Appartement in einem Wolkenkratzer und einem Golfplatz auf dem Mond. Letzteres ist sogar günstig. Foto: AFP

„Gute Plätze im Angebot“

Ein Kontinent für 13 Millionen: So funktioniert der Handel mit Mond-Grundstücken

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Es war ein Amerikaner, der das skurrile Mondbusiness erfunden hat. Dennis Hope ließ 1980 den Nachbarplaneten als seinen Privatbesitz eintragen – angeblich im Einklang mit allen Rechtsnormen. Während die Juristen die Hände über den Köpfen zusammenschlugen, teilte Hope die Karte des Erdtrabanten in drei Millionen Stücke auf und fing an, mit ihnen zu handeln.

Am Abend ihres Geburtstags führte der Programmierer Juri Iwanow seine Frau Natalja zum Fenster und deutete auf die leuchtende Sichel zwischen den Wolken. „Siehst du den Mond? Jetzt gehört dir ein Stück davon“.

Die überraschte Gattin sah in Juris Händen ein Zertifikat, das sie als eine neue Grundstückseigentümerin auf dem erdnahen Himmelskörper auswies. Es war also kein romantisches Geschwätz.

Nach der Finanzkrise sank die Nachfrage

„Ich fühle mich so märchenhaft reich. Schade, dass der Mond nicht immer zu sehen ist“, schwärmte die Frau im Gespräch mit der Minsker Zeitung „Delowaja Gazeta“. Es gab 2015 außer Natalja Iwanowa immerhin 175 Mondbesitzer in Weißrussland, wo der durchschnittliche Monatslohn magere 400 Euro betrug.

„Leider ist jedoch die Nachfrage nach der Finanzkrise gesunken“, klagte in einem Interview ein Vertreter der sogenannten „Mondbotschaft“, die in Erwartung großer Geschäfte 2002 in Minsk eröffnet hatte.

Die Parzelle für die Datscha auf dem Mond ist 380.000 Kilometer entfernt

Wer heute umgerechnet etwa 60 Euro über hat, kann dieses Geld noch immer in den Kauf eines steinigen Grundstücks mit einer Fläche von 4.000 Quadratmetern investieren. Vorausgesetzt, man stört sich nicht daran, dass die Parzelle ungefähr 380.000 Kilometer entfernt liegt. „Wir haben gute Plätze im Angebot, mitten im Zentrum der Mondscheibe“, versichert der Mondbotschafter Witali Germanowitsch.

Er bittet seine Kunden, an die Zukunft zu denken: „Irgendwann werden die Mondflüge alltäglich sein, und Ihr Urenkel wird sich daran erinnern, dass seine Uroma vor langer Zeit dieses Grundstück gekauft hat“. Danach würde der dankbare Nachfahr doch sicher auf dem Mond eine Datscha bauen wollen.

Berühmte Namen unter den Käufern

Es war kein findiger Weißrusse, sondern ein Amerikaner, der das skurrile Mondbusiness erfunden hat. Dennis Hope ließ 1980 den Mond als seinen Privatbesitz eintragen – angeblich im Einklang mit allen Rechtsnormen.

Während die Juristen die Hände über den Köpfen zusammenschlugen, teilte Hope die Karte des Erdtrabanten in drei Millionen Stücke auf und fing an, mit ihnen zu handeln. Angeblich gehörten Tom Cruise, Mick Jagger, Arnold Schwarzenegger und George W. Bush zur Kundschaft von Hopes Firma Moon Estates.

Wir sehen uns auf dem Mond.

1998 machte der Geschäftsmann seine erste russische Mond-Botschaft in St. Petersburg auf. Bis heute hat sie nach eigenen Angaben 11.532 Grundstücke verkauft. Im Internet schwärmen die Mondkolonisten von ihrem Besitz. „Mein Freund soll ein Grundstück zum Geburtstag bekommen. Ich will in der Nachbarschaft wohnen“, erzählt Wika. „Man fühlt sich gleich viel jünger“, jubelt Valentin. „Alles Gute zum Frauentag, Liebste. Wir sehen uns auf dem Mond“, schreibt Jewgenij.

Manche hoffen auf das Geschäft mit Mineralien

Dagegen denkt der Geologe Michail praktisch: „Ich kenne mich aus mit Mineralien. Wenn bald die industrielle Erschließung des Mondes beginnt, kann ich gute Geschäfte machen“. Michail hat sein Zertifikat gerahmt und an die Wand gehängt. Der populäre Satiriker Gennadij Chasanow hält seine Urkunde immer griffbereit: „Wenn es mir schlecht geht, schaue ich darauf und werde ganz ruhig. Denn falls alles schief geht, habe ich einen Ort, an den ich auswandern kann“.

Falls alles schief geht, habe ich einen Ort, an den ich auswandern kann

Manche Russen tauschen im Netz ihre irdischen Datscha-Grundstücke (Standardgröße: 600 Quadratmeter) gegen lunare Besitztümer ein. „Wann soll es auf dem Mond die Atmosphäre geben? Und gibt es gute Baufirmen für Mondhäuser?“ fragt schon mal vorsorglich Sergej nach.

Bereits 2001 kaufte die Wochenzeitung „Stoliza S“ in der Teilrepublik Mordowien für 99 Dollar ein Mond-Grundstück. Sie richtete dort „das erste Korrespondentenbüro außerhalb der Erde“ ein. Die Zeitung „Wetschernaja Kasan“ in Tatarstan zog nach, um eine alternative Mondberichterstattung anzubieten.

Die Pläne auf dem Mond: Konzerthallen und Bankfilialen

Nach Angaben des Mond-Konsulats besitzt auch eine russische Bank eine Filiale auf dem Mond. Die Sängerin Aljona Swiridowa hat ihr Grundstück erworben, um darauf eine kosmische Konzerthalle bauen zu können. Für den Kosmonauten Wiktor Afanasjew könnte der Erwerb des lunaren Bodens eine Revanche für eine historische Schmach für Apollo 11 gewesen sein: Womöglich wollte er seinen US-Kollegen zeigen, dass der Mond auch auf eine andere Weise erobert werden kann.

In Deutschland bieten gleich mehrere Firmen lunaren Boden „mit permanenter Sichtbarkeit von der Erde“ an, inklusive „90 Tage Rückgaberecht und 24 Stunden Versand“. Zu erwerben sind sie auf Wunsch im Paket mit „deinem persönlichen Mondduft“, einer speziellen Kette und einem T-Shirt. „Stolzer Besitzer eines Mondgrundstücks“ steht darauf. Wie viele Menschen in der Bundesrepublik sich von dieser Werbung haben verführen lassen, lässt sich nicht ermitteln.

Die Käufe haben nur symbolischen Wert

Fest steht allerdings, dass deren Immobilien allenfalls ideellen oder symbolischen Wert haben. Seit 52 Jahren gehört der Mond, wie auch das übrige Weltall, nämlich allen Menschen. Dies wurde am 27. Januar 1967 im ersten Weltraumvertrag (Outer Space Treaty) festgeschrieben, der bislang von 109 Staaten ratifiziert worden ist.

Laut Artikel 2 unterliegt der Mond „keiner nationalen Aneignung durch Beanspruchung der Hoheitsgewalt, durch Benutzung oder Okkupation oder durch andere Mittel“.

Ein Kontinent ist für 13,3 Millionen Dollar zu haben

Im Mondvertrag 1979 wurde sogar ausdrücklich geregelt, dass Mondressourcen nicht dem Eigentum einer Privatperson unterliegen können. Dummerweise erkennt nur ein Dutzend Staaten dieses Abkommen an, und die USA gehören nicht dazu.

Und so kann der frühere Autoverkäufer Dennis Hope heute himmlisch gut mit seinem extraterrestrischen Geschäft verdienen. Laut der englischen Boulevardzeitung Daily Mail war der damals 66-jährige „Chef-Botschafter“ 2014 ein zehnfacher Millionär.

Das größte Stück Mond-Land, das er verkauft, hat übrigens „Kontinentgröße“ und ist angeblich für 13.331.000 Dollar zu haben. Um die Besitzrechte seiner Kunden zu sichern, hat Hope eine „Galaktische Regierung“ ins Leben gerufen.

Dossier zum Mondlandungs-Jubiläum
Die BNN würdigen den 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung mit einem Countdown und vielen Artikeln in der gedruckten Zeitung und auf bnn.de. Alle Inhalte gibt es hier im Online-Dossier.