Oscars 2017 - La La Land
Nach einer versehentlich falschen Bekanntgabe des besten Films hält Jordan Horowitz (M), Produzent des Films «La La Land», eine Dankesrede. | Foto: Chris Pizzello/Invision

Kommentar zur Oscar-Nacht

Politisch bis zur Schlusspointe

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Die größte Pointe dieser Oscar-Nacht setzte nicht die Regie, sondern das Schicksal, und es hob sie sich bis zum Schluss auf: Wohl nie zuvor war es passiert, dass ein Team schon den Hauptpreis für den besten Film feierte – und dann festgestellt wurde, dass ein falscher Zettel im Umschlag lag und der Preis an ein anderes Werk ging. So schlüssig es zunächst schien, dass das hoch favorisierte Musical „La La Land“ nach sechs Preisen auch noch in der Königskategorie abräumt, so schlüssig war es am Ende dieser besonderen Gala, dass mit „Moonlight“ ein Drama über die Suche eines jungen schwarzen Homosexuellen nach seinem Platz in der Gesellschaft gekrönt wurde.

„Salesman“-Ehrung als Statement

Denn diese Oscar-Gala war, was im Gegensatz zum finalen „Twist“ nicht überraschend kam, geprägt vom Willen zum politischen und gesellschaftlichen Statement für ein grenzüberschreitendes und vorurteilsfreies Miteinander und gegen Ausgrenzung. Deshalb war auch, schon bevor der entscheidende Umschlag geöffnet wurde, zu erwarten gewesen, dass es wohl nicht klappen dürfte mit einem deutschen Oscar für Maren Ades „Toni Erdmann“. Der iranische Film „The Salesman“ wäre auch in einem “normalen” Jahrgang eine starke Konkurrenz um den Auslands-Oscar gewesen. Angesichts des rassistischen Isolationismus der Trump-Regierung konnte die global agierende Filmbranche nun aber wohl gar nicht anders entscheiden als für „The Salesman“. Im Rahmen dieser besonderen Gala, zumal so kurz nach der sehr emotionalen und kämpferischen Dankesrede der schwarzen Schauspielerin Viola Davis, war die Nicht-Präsenz eines Ausgezeichneten, der aus Protest gegen Trumps Einreisestopp der Gala fernblieb, auch ein Signal dafür, welchen bereichernden Austausch sich ein Land versagt, das andere Kulturkreise prinzipiell ausschließen will.

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„Toni Erdmann“: Erfolg ohne Siegerpodium

In einer weniger zugespitzten Situation hätte freilich auch ein Oscar für „Toni Erdmann“ ein Signal werden können. Ein Signal für den hier gezeigten Mut, eine eigenständige Idee auf eigenständige Weise umzusetzen, statt sich der Selbstzensur durch angeblich unumstößliche Marktgesetze zu unterwerfen. Mit diesem Mut ist es Maren Ade und ihrem Team gelungen, zu beweisen, dass sich Menschen im Kino nach wie vor für Entdeckungen und Überraschungen gewinnen lassen. Das ist ein Erfolg, der auch vom Ausbleiben der Oscar-Krönung nicht geschmälert wird: Anders als im Sport geht es im Filmgeschäft nicht darum, am Schluss des Spiels auf einem Siegerpodium zu stehen, sondern darum, während des Spiels die Menschen zu begeistern.

So berichteten wir über die Oscar-Verleihung: