Russische Botschaft in Berlin
Russische Botschaft in Berlin: Im Zusammenhang mit der Skripal-Affäre hat die Bundesregierung vier Diplomaten ausgewiesen. | Foto: Paul Zinken

Diplomatischer Krieg

Moskau verurteilt „perverse“ Aktion

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Verärgert und dünnhäutig reagierte Russland am Montag auf die angekündigte Ausweisung Dutzender Diplomaten aus den USA, Deutschland und anderen  Staaten. Die  konzertierte Maßnahme war eine Antwort der EU und Washingtons auf die angebliche russische Verwicklung in den Nervengiftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien. Es sei wohl selbstverständlich, beeilte sich das Außenministerium in Moskau zu versichern, dass der „unfreundliche Schritt“ des Westens  nicht unbeantwortet bleiben solle: „Wir werden reagieren“. Man darf davon ausgehen, dass auch dieser Satz mit dem Kreml eng abgestimmt wurde: „Die provokative Geste der sogenannten Solidarität mit London setzt die Konfrontationslinie fort, die auf eine Eskalation der Situation abzielt“.

Der für ihre herben Sprüche berüchtigten Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa war dies jedoch offenbar nicht deutlich genug. Auf ihrer Facebookseite spuckt die Diplomatin Galle: „Pervers“ und „unterwürfig“ sei die solidarische Haltung Europas mit Großbritannien, das die EU bald verlasse und vor dem Austritt noch nachhaltig die Beziehungen mit Russland beschädige.

Ein „beispiellos hinterhältiges und dreckiges Spiel“ nannte am Montag die koordinierte Aktion des Westens der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses der Staatsduma, Konstantin Kossatchow. Etwas zurückhaltender klang Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow: der Kreml „bedauert sehr“ die Entscheidungen. „Zugleich möchten wir wiederholen: Mit dem Fall Skripal hat Russland nichts zu tun“. Peskow gab zu verstehen, dass auch Russland bald Dutzende westliche Diplomaten ausweisen würde.

Gleichwohl ist den russischen Politikexperten nicht entgangen, dass bei den Strafmaßnahmen nur 15 EU-Staaten mit an Bord sind. „Wir sehen, dass sie keine ,gemeinsame Faust’ ballen können“, urteilte der Politologe Igor Schatrow – und warnte Europa vor der Wiederkehr des Kalten Krieges und einer „Zerstörung“ der westlichen Welt. Ein wenig Trost finden die Russen aber in der Feststellung, dass die Schließung des Konsulats in Seattle keine großen Folgen haben werde: „Das wird sich auf den Zahlen der russischen Touristen in den USA nicht auswirken“, versicherte eine Sprecherin des Tourismusverbandes RST.