Auf weißen Matten ging es im Schlosshof ab: Die Langläufer, die sie testeten, waren durchaus angetan. | Foto: nib

Skilanglauf im Schlosshof

Vergnügen auf textiler Loipe

Von Nicole Bengeser
Skilanglauf vor Schlosskulisse – das  gibt es nicht alle Tage.  Eine 30 Meter lange und sechs Meter breite künstliche Loipe aus Textilfaser machte dies   am Mittwoch in Ettlingen möglich. Anlass für das Event war ein Symposium von Experten der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde und des Fraunhoferinstituts. Thema dort: Gleiten auf Eis und Schnee. Mit dabei auch namhafte Skihersteller.

Langläufer zunächst  eher skeptisch

Werner Heck, Bruno Ochs und Josef Wipfler sind aus Schöllbronn  gekommen, um sich ein Bild von dem Schnee-Ersatz zu machen. Als alte Hasen im Langlauf sind sie zunächst eher skeptisch. „Vielleicht ist das was für die Profis zum Trainieren“, meint Heck. Dass nach Schnee-Alternativen gesucht wird, können die drei Wintersportfans gut verstehen. „Der Klimawandel lässt grüßen.“ Gefertigt in Chemnitz ist diese Art von Schnee-Ersatz bisher einzigartig. Auf der textilen Matte befinden sich hunderte Kunststoffschlaufen, auf denen es sich problemlos mit Skiern, Snowboard oder Schlitten gleiten lässt.

So mancher Skiort ist Bedrängnis

„Die Matten können quasi unbegrenzt nebeneinander gelegt werden“, erklärt Jens Reindl, Geschäftsführer von Mr. Snow, dem Unternehmen hinter den Pisten. „Die warmen Winter bringen tiefer gelegene Skiorte in Bedrängnis. Mit den Matten  können Skischulen ihren Betrieb garantieren“. Aktuell positioniert sich die Firma  noch viel im Event-Bereich. Erste  Interessenten aus dem Profisport haben aber schon angeklopft.

Spaßfaktor nicht zu leugnen

Jürgen Rieger vom Langlauf Verein Karlsruher Lemminge steht das erste Mal auf „der Matte“. Er sieht in dem Produkt zumindest eine Alternative. „Ist halt kein Schnee“. Der Spaßfaktor ist aber nicht zu leugnen. Von weitem ist der Bewegungsablauf quasi identisch und sogar die Geräuschkulisse der gleitenden Ski erinnert an das Fahren auf Schnee. Theo Lutz ist jahrzehntelang Ski Alpin gefahren.
Der Rüppurrer wollte unbedingt sehen, was es mit der künstlichen Loipe auf sich hat. Beim Test im Schlosshof gibt es zwar Startschwierigkeiten, aber dann läuft es. „Man kann nicht dieselbe Technik fahren, man fährt mehr aus der Kante“, ist das Urteil des 65-Jährigen.

Pulverschnee ist nochmal anders

„Man muss sich halt dran gewöhnen, auf Pulverschnee ist es natürlich nochmal anders“,  urteilt Felix Neubert, Teammitglied bei Mr. Snow. Allein aus ökologischer Sicht können die textilen Loipen punkten. Die Lebensdauer wird nach bisherigen Erkenntnissen auf etwa zehn Jahre angesetzt. Die Matten sind komplett in ihre Bestandteile zerleg- und recyclebar.

Symposium mit 60 Experten im Schloss

Auch bei den rund 60  Teilnehmern des Symposiums, die im Schloss tagen, kommt die weiße Piste gut an. In diesem Jahr fanden zudem in Ettlingen erstmals Vorträge zum Thema Wintersporttribologie (Reibungslehre im Wintersport) statt. Matthias Scherge, Vorsitzender des Symposiums und Leiter des Geschäftsfelds Tribologie des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik ist selbst seit 52 Jahren begeisterter Skifahrer. Sein Fazit: „Schnee wird man nie ersetzen können. Aber möglicherweise bieten die Matten dort eine Alternative, wo  der Schnee wirklich fehlt“, meint er.