In allen Lagen wandelbare und musikalisch starke Akteure: Cynthia Popa und Markus Kapp, die zusammen mit Markus Kern und dem Merkel-Double Marina Tamássy das Sandkorn-Kabarett im Karlsruher Theaterhaus bilden. | Foto: Jürgen Schur

Kabarett im „neuen“ Sandkorn

Mutti ist kein Tanzmuffel

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Vorbei an „Jupiter, Saturn und Media-Markt“ geht die Route der imaginären Sandkorn-Rakete. „Alle Waliser dicht“ verkündet Commander Abraham (Markus Kern) und meint natürlich „ alle Schotten“. Die Offiziere Adam (Markus Kapp) und Eve (Cynthia Popa) haben alle Mühe, den Chef mit Sprachverwirrung und trotteligen Führungsqualitäten in Zaum zu halten.

Raumflug als Rahmenhandlung

Soweit die Rahmenhandlung des Sandkorn-Kabaretts „Wir schaffen das“, der erste Eigenproduktion des „neuen“ Theaters. Auf dem Flug der Erdflüchtlinge zum Planeten Rhombus gibt es ein Scherzprogramm und den Blick zurück auf die deutsche Politik. Beispielsweise auf den AfD-Politiker, der erst „in die Höcke“ geht und dann zum Heilpraktiker. Der FDP-Mann erklärt, warum es mit der Jamaikakoalition gar nicht klappen konnte: Auf der Flagge des Landes werden die Farben Schwarz und Grün ja von einem gelben Kreuz durchgestrichen.

Auch auf fremden Planten herrscht „Mutti Merkel“

Am Ziel angelangt erleben die Raumfahrer ein Déjà-vu: Auf dem Planeten Raute herrscht eine Mutantin der deutschen Kanzlerin, eine „Mutti-Tantin“. Die hält zwar keine prickelnde Begrüßungsrede, aber Marina Tamássy gibt, nach einer Stunde der Selbstverkleidung in der Garderobe, das Merkel-Double mehrfach stoisch-komisch und mit viel neuer Kompetenz.

Liednummern überzeugen besonders

„Mutti Angela“ ist wahrlich kein Tanzmuffel und singen, teilweise zu eigenen Kompositionen, kann sie auch noch bestens. Überhaupt überzeugen beim Ritt durch Raum und Zeit die Liednummern besonders. Pianist Markus Kapp sorgt für hintersinnige Chansons, die er zusammen mit der sehr wandelbaren Cynthia Popa flott rüberbringt.

Amüsement durch Mix von allem

Regisseur und Theaterleiter Erik Rastetter hat in erstaunlich kurzer Zeit ein Programm auf die Beine gestellt, das breite Publikumsschichten ansprechen dürfte. Weil es mit einem sozusagen niederschwelligen Kabarettangebot die Unterhaltungsbranche ergänzt: Man erlebt weder tiefbohrende Erkundung des Politizirkus mit Namedropping und moralischem Zeigefinger, noch atemlose Comedy, die sich an den nervigen Kleinigkeiten des Lebens entlanghangelt.
Statt dessen entsteht Amüsement durch einen Mix von allem: Herumzappeln sollen die Raumfahrer, aber auch das gemäßigte Tempo und (etwas zu lange) Soli haben ihren Platz. Der Nonsens ist beispielsweise vertreten durch die verquere Begründung für den Startplatz Karlsruhe beim Raumflug oder einem Interview mit dem Berufswechsler Darth Vader. Und selbst hörenswerte Molltöne über die Lage von Kindern in afrikanischen Staaten finden im Sandkorn-Studio einen Resonanzraum.

Ensemble-Kabarett „Wir schaffen das“. Das Sandkorn im Theaterhaus Karlsruhe, Kaiserallee 11.  Sonntag 14. Januar, um 18.30 Uhr und wieder am 20. und 21., 26. und 28 Januar sowie 1. bis 18. Februar. Telefon (0721) 831 52 970