Erfolgstrio: Die aus Karlsruhe stammende Filmemacherin Maren Ade zwischen Sandra Hüller und Peter Simonischek, dem Darstellerduo ihres Films "Toni Erdmann". | Foto: dpa

Filmpreis-Regen für Maren Ade

Nächste Station Oscar?

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Jetzt, so mag mancher meinen, kann ja eigentlich nur noch der Oscar kommen: Der Triumphzug von Maren Ades Tragikomödie „Toni Erdmann“ scheint nicht abreißen zu wollen. Zwar gab es bei der Uraufführung in Cannes im vergangenen Mai keinen offiziellen Preis, sondern „nur“ die Auszeichnung der Kritikerjury – doch seit dem Kinostart im Juli prasselt der Preisregen. Die Krönung erfolgte nun beim  Europäischen Filmpreis mit einem Erfolg auf ganzer Linie: In fünf Kategorien war das Werk der aus Karlsruhe stammenden Filmemacherin nominiert, in allen gab es dann auch den Preis. „Toni Erdmann“ wurde in Breslau als bester europäischer Spielfilm ausgezeichnet – damit hat zehn Jahre nach „Das Leben der Anderen“ erstmals wieder ein deutscher Film diese Auszeichnung erhalten. Zudem räumte der Film vier weitere Trophäen ab: Ade wurde sowohl als beste europäische Regisseurin wie auch als Drehbuchautorin geehrt, zudem wurde ihr Hauptdarsteller-Duo prämiert: Sandra Hüller wurde zur besten Schauspielerin gekürt, der Österreicher Peter Simonischek, der die Titelrolle spielt, nahm den Preis als bester Schauspieler entgegen.

Geehrt als beste europäische Regisseurin: Maren Ade auf der Bühne in Breslau.
Geehrt als beste europäische Regisseurin: Maren Ade auf der Bühne in Breslau. | Foto: dpa

Den Drehbuchpreis widmete Ade ihrem eigenen Vater, der sie vieles gelehrt habe – auch Humor. „Das hilft nicht nur beim Drehbuchschreiben.“ Offenbar hilft es auch beim Entgegennehmen von Preisen: In einem Gespräch mit der dpa antwortete Ade auf die Frage, wie sich der Sieg anfühle: „Es ist schön, es macht Spaß, es freut uns total. Ein bisschen fühlt man sich aber auch wie so ein Riesengorilla mit diesen fünf Preisen. Das europäische Kino ist ja sehr vielfältig.“ Als Filmemacherin halte sie einen Wettbewerb im Kulturbereich für eine schwierige Sache, „weil es natürlich nie einen besten Film oder so etwas gibt.“ Gleichwohl hat „Toni Erdmann“ seit der gefeierten Premiere in Cannes, wo er im Mai dieses Jahres viel Beifall, aber keinen Jury-Preis erhielt, zahlreiche Auszeichnungen eingeheimst.

Keine Action, dafür schmerzhaft lebensnahe Komik: Sandra Hüller und Peter Simonischek in "Toni Erdmann".
Keine Action, dafür schmerzhaft lebensnahe Komik: Sandra Hüller und Peter Simonischek in „Toni Erdmann“. | Foto: SWR

Mancher mag den Erfolg bei den Europäischen Filmpreisen nun als Tendenz für die Oscar-Verleihung im Februar deuten. Dazu muss man nur auf das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ verweisen: Das holte 2006 den bislang letzten Europäischen Filmpreis nach Deutschland und erhielt danach auch den Auslands-Oscar. Allerdings: So viele Preise „Toni Erdmann“ auch noch einheimsen mag, so darf als größter Erfolg des Films doch die Resonanz beim Publikum gelten. Immerhin dauert „Toni Erdmann“ zwei Stunden 42 Minuten und bietet weder „Stars“ noch „Action“ – ja, nicht einmal emotionale Geschmacksverstärkung in Form von Filmmusik, der man sonst bei kaum einem Kinobesuch entkommen kann. Dass diese äußerlich schmucklose und bei aller Komik mitunter schmerzhaft lebensnahe Geschichte über 700 000 Menschen ins Kino lockt, bestätigt Maren Ades Prinzip, ihre Projekte mit langem Atem zu verfolgen: Statt dem Berlinale-Erfolg „Alle Anderen“ von 2009 schnell einen weiteren Film nachzuschieben, um sich als Marke zu etablieren, hat sie über sieben Jahre hinweg an „Toni Erdmann“ gefeilt. Wenn es ihr gelingt, diesen langen Atem in der schnelllebigen Filmbranche zu behalten, dann muss selbst ein Oscar für „Toni Erdmann“ nicht das Ende der Fahnenstange sein.