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Russischer Oppositioneller

Nawalny produzierte Putin-Film im Schwarzwald

Die Anfrage kam per Mail aus LA, die Rede war von einer Dokumentation. Da ahnten die Betreiber der Black Forest Studios in Kirchzarten noch nicht, dass es um das neue Video des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny über Putin geht.

Prominenter Drehgast: Alexej Nawalny in der „Barn Kitchen“ der Black Forest Studios. Foto: Black Forest Studios

Einige Absperrbänder flattern im Wind, aber der Weg zum Parkplatz der Black Forest Studios in Kirchzarten ist frei. Zwei Fußgänger machen einen Abendspaziergang im Nieselregen. Der benachbarte Campingplatz hat geschlossen.

Dass hier an diesem unspektakulären Ort am Rand eines Wohngebiets bis vor wenigen Tagen ein Film entstand, der gerade in Russland und Europa für viel Aufsehen sorgt, kann man sich kaum vorstellen.

Die Badische Zeitung hatte zuerst darüber berichtet, dass Alexej Nawalny sich mit seinem Team hier in den erst im November eröffneten Black Forest Studios einquartiert hatte, um seinen neuen Enthüllungsfilm „Ein Palast für Putin. Die Geschichte der größten Bestechung“ fertigzustellen.

Der russische Oppositionspolitiker führt bereits seit einigen Jahren mit professionell produzierten Videos den Kampf gegen die weit verbreitete Korruption und den Machtmissbrauch in seinem Heimatland. Dabei setzen der Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin und sein Team oft auf heimliche Aufnahmen in öffentlich nicht zugänglichen Orten.

Besonders unter den jüngeren Russen werden die Enthüllungsvideos auf Internet-Plattformen wie Youtube aktiv geteilt, was die Staatsmacht bisweilen in Rage bringt. Auch der neue Film wurde im Netz bis Freitagmorgen über 56 Millionen Mal abgerufen.

Nawalny spricht von der Barn Kitchen aus

Nach dem Nervengift-Anschlag in Russland und der anschließenden Behandlung in Berlin hatte Nawalny einige Wochen zur Erholung im Schwarzwaldörtchen Ibach in der Nähe von Waldshut-Tiengen verbracht. Zwei Tage, nachdem der Kremlkritiker direkt nach seinem Rückflug aus Deutschland am Flughafen Moskau verhaftet wurde, veröffentlichten seine Mitarbeiter den Film im Internet. Nawalny möchte darin wissen, „wie aus einem normalen sowjetischen Offizier ein Verrückter werden kann, der besessen von Reichtum und Luxus ist.“

Um wen es sich dabei handelt, erfuhren wir erst bei der Vorbesichtigung.
Nina Gwyn Weiland, Black Forest Studios

Der Oppositionelle zeigt neben vielen Dokumenten und Grafiken auch mittels einer Drohne gefilmte Bilder eines riesigen Anwesens am Schwarzen Meer: Putins Luxuspalast, so die Behauptung. Die ersten acht Minuten des knapp zweistündigen Films sind in Dresden entstanden, wo Putin ab 1985 als KGB-Offizier tätig war.

Danach ist Alexej Nawalny im Film an einem Tisch im Landhausstil, der sogenannten Barn Kitchen der Black Forest Studios, zu sehen, wie er seine Texte auf Russisch direkt in die Kamera spricht.

Dreh unter größter Geheimhaltung

Das Treffen mit den Studiobetreibern Sebastian Weiland und seiner Frau Nina Gwyn Weiland erfolgt am gleichen Ort. Zwei junge Männer sitzen am Laptop. Nach dem Trubel der vergangenen Wochen ist wieder ein bisschen Ruhe eingekehrt. Anfang Dezember kam eine Anfrage per Mail aus Los Angeles von einer amerikanischen Produktionsfirma. Die Rede war von einer Dokumentation.

Inzwischen ist wieder etwas Ruhe eingekehrt: Die Black Forest Studios in Kirchzarten. Foto: Black Forest Studios

Gesucht wurden für ein paar Drehtage geeignete Räumlichkeiten, Personal und Equipment in Süddeutschland. Die Weilands kannten die Firma nicht, obwohl sie selbst enge Kontakte nach L.A. haben, aber die Anfrage machte einen sehr professionellen Eindruck. Wenige Wochen zuvor hatten sie von einem insolventen Schweizer Filmequipment-Verleih technische Ausrüstung gekauft, so dass sie aus dem Vollen schöpfen konnten. Die Zusage erfolgte, obwohl man noch nicht wusste, was genau für ein Film entstehen würde.

„Um wen es sich dabei handelt, erfuhren wir erst bei der Vorbesichtigung. Dann haben wir uns dementsprechend aufgestellt, damit der Dreh unter größter Geheimhaltung ablaufen kann“, sagt Nina Gwyn Weiland. Die Sicherheit der Umgebung war den Mietern sehr wichtig. So blieben die Türen und Jalousien des Studios geschlossen, das Gelände wurde abgesperrt, das Team zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Selbst der Bürgermeister erfuhr nichts von den Dreharbeiten. „Wir haben auch schon in Hollywood mit Celebrities gearbeitet. Geheimhaltung und Diskretion sind wir gewohnt“, sagt Sebastian Weiland. Inhaltlich haben die Black Forest Studios nichts mit dem Film zu tun, betonen die Studiobesitzer. Sie haben nur die Technik und die Location gestellt sowie den Dreh organisiert.

Aus einer Woche Dreh wurden zwei

Eigentlich war das Studio nur für eine knappe Woche gemietet, aber den Filmemachern habe der Ort mit seiner Atmosphäre und den filmischen Möglichkeiten so gut gefallen, dass der Dreh auf insgesamt zwei Wochen verlängert wurde und Teile der 20-köpfigen internationalen Crew aus Berlin, wo eigentlich ein letzter Shoot vor dem Abflug nach Moskau geplant war, nach Kirchzarten kamen.

Die Arbeitstage waren intensiv – von früh morgens bis spät abends, viel länger als geplant. Am Ende eines Drehtags stand Alexej Nawalny hinter dem Tresen der hauseigenen Bar und hat Schnäpse ausgeschenkt. „Mich hat am meisten seine entspannte Freundlichkeit begeistert und die Ruhe, in der er seine Leidenschaften und Visionen zum Ausdruck bringt“, schildert Nina Gwyn Weiland ihre Eindrücke. Angesprochen auf die große Energie, die er ausstrahle, meinte Nawalny nur trocken, er habe sich ja lange genug ausruhen können.

Auch Nawalnys Frau und seine Tochter kamen gelegentlich zu Besuch. Insgesamt herrschte eine familiäre, vertraute Atmosphäre. Am Ende entstand ein gewisser Zeitdruck, da der Tag des Abschieds näher rückte. Bis zur letzten Minute wurde gedreht und produziert. Er möchte einmal wiederkommen, wenn er eines Tages nochmals Urlaub im Schwarzwald macht, habe Nawalny versprochen. Die Black Forest Studios machen auch ohne ihren geheimen prominenten Gast auf internationaler Ebene weiter. Inzwischen gibt es Anfragen aus China, Indien und den USA. „Dafür haben wir die Studios gebaut, dass hier auf höchstem Niveau produziert werden kann“, sagt Sebastian Weiland.

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