Hornissennest
In einer Baumkrone am Haydnplatz kam nun ein Nest Asiatischer Hornissen zum Vorschein. Die invasive Art breitet sich in Karlsruhe aus. | Foto: jodo

Invasive Art breitet sich aus

Nester Asiatischer Hornissen in Karlsruhe entdeckt

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Die Asiatische Hornisse breitet sich offensichtlich in Karlsruhe aus. Nachdem bereits im Vorjahr ein großes Nest in Neureut Heide entdeckt worden war, kam nun in einer Baumkrone am Haydnplatz in der Weststadt eine der medizinball-großen Kugeln zum Vorschein, in der die Asiatische Hornisse ihre Waben bauen. Zudem ist Karlsruher Insektenexperten ein weiteres Nest bekannt. Die Asiatische Hornisse ist invasiv und gilt als Bedrohung für heimische Tiere, vor allen die Honigbiene.

Noch Flugbewegungen

Entdeckt hat das tierische Bauwerk Heiko Singer: „Nachdem der Baum vor meinem Fenster kahl war, blickte ich plötzlich auf ein riesiges Hornissennest“, erzählt er. In etwa zehn Metern Höhe hängt das beeindruckende Heim der Insekten, das Singer mit dem Spektiv in Augenschein nahm – und dabei noch Flugbewegungen konstatierte. „Mir war gleich klar, dass das keine heimische Art sein kann“, sagt er.

Ausbreitung aus Südfrankreich

Asiatische Hornissen, bereiten sich über Südfrankreich, wo sie wohl in Töpferwaren ankamen, immer weiter in Europa aus. In Deutschland wurden sie erstmals 2014 in Waghäusel nachgewiesen, schildert Manfred Verhaagh, der die Insektenabteilung im Naturkundemuseum Karlsruhe leitet. Dort ist bereits ein kleineres, nicht mehr vollständiges Nest der „Vespa velutina nigrithorax“ zu sehen. Anfang des Jahres wurde es aus der Krone einer Kiefer in Neureut Heide geholt – die erste in Karlsruhe entdeckte Niederlassung der invasiven Art, erklärt Insektologe Verhaagh.

Zweifelhafter Ruf als „Bienenkiller“

Nicht gefährlicher für die Menschen als ihre europäischen Verwandten sind die Asiatischen Hornissen, so Verhaagh. Allerdings wurden sie von der Europäischen Kommission auf die Liste der invasiven gebietsfremden Arten gesetzt, die als Bedrohung für die heimischen Ökosysteme und Tiere gelten. Und deren Verbreitung daher verhindert werden sollte: Die Asiatische Hornisse gilt als „Bienenkiller“. Ob zurecht, sei nicht wirklich nachgewiesen – auch wenn die Honigbiene, so Verhaagh, definitiv auf dem Speiseplan der Zuwanderer stehe.

Nicht größer als die heimische Hornisse

Bis zu drei Zentimeter groß wird deren Königin, die Arbeiterinnen bis zu 2,4 Zentimeter – und damit auch nicht größer als die heimischen Hornissen. Zu erkennen sind die Invasoren durch ihre fast schwarze Färbung, lediglich ihre Beine sind auffällig gelb, so die Beschreibung im Naturkundemuseum. Wo neben dem Nest auch eine Arbeiterin gezeigt wird. Ebenfalls ausgestellt ist das sogenannte „Vornest“: In einer deutlich kleineren Behausung, meist in Bodennähe, beginnt die Königin im April, ihren Staat aufzubauen, erklärt Verhaagh. Erst wenn der Staat etabliert ist, zieht er in ein größeres Nest mit bis zu 80 Zentimetern Durchmesser und in deutlich höherer Lage. „2 000 Arbeiterinnen leben dann im Bau mit bis zum 6 000 Brutzellen“, so der Insektologe.

Keine Königin mehr im Nest

Den Hornissenbau am Haydnplatz hat die Feuerwehr inzwischen auf Bitte der Naturschutzbehörde in Augenschein genommen. „Noch fliegen Tiere ein und aus“, erklärt Feuerwehrmann Jens Gagelmann, der selbst Imker ist. Eine Königin sei aber nicht mehr im Nest. „Die Königinnen verlassen den Staat im Herbst und suchen sich eine geschützte Stelle zum Überwintern“, erklärt Verhaagh. Womit man sich Zeit lassen könne, das Nest zu entfernen. Nach dem ersten Frost, wenn alle Bewohnerinnen tot sind, wird es die Wehr aus dem Baum holen. Ehe es der Wind zu Boden bringt und zerstört – das Naturkundemuseum hätte es gerne als weiteres Exponat.

Expertenrunde tagt

Wie man in Karlsruhe weiter mit den ungebetenen Gästen umgehen wird, soll Ende des Monats bei einer Expertenrunde mit dem Umweltamt besprochen werden, schildert Gagelmann, der noch von einem weiteren Nest in Karlsruhe weiß. Angeregt hat den runden Tisch der Biologe Andreas Martens, mit dem der – als Geschäftsführer der Freunde des Naturkundemuseums bestens vernetzte – Heiko Singer das Thema frühzeitig besprochen hatte. Erforderlich sei nicht nur, künftige Helfer zu schulen und die Zuständigkeiten zu klären, sondern auch ein Monitoring, um den Grad der Ausbreitung einschätzen zu können. Gut möglich ist, dass mit dem Blätterfall noch in weiteren Bäumen im Stadtgebiet Nester entdeckt werden.

Der Südwesten ist das Einfallstor für wärmeliebende Arten

Utopisch ist aber wohl die Vorstellung, dass man die Invasoren wieder los werden könnte, sind sich Gagelmann und Verhaagh einig. „Hier im Südwesten ist das Einfalltor für wärmeliebende Arten“, weiß der Insektenforscher.