So könnte die Lok "Rhein" aussehen. Auf diesem Bild ist eine baugleiche Lok nach einer Zeichnung von Eisenbahnmaler Peter König zu sehen.
So könnte die Lok "Rhein" aussehen. Auf diesem Bild ist eine baugleiche Lok nach einer Zeichnung von Eisenbahnmaler Peter König zu sehen. | Foto: Peter König

Dampfross-Bergung geplant

Neue Hoffnung für die „Jäger der versunkenen Lok“

Zuletzt war es in der Angelegenheit lange sehr ruhig, jetzt soll die Sache aber wieder Fahrt aufnehmen: „Wir suchen mit Hochdruck Sponsoren und Unterstützer“, erklärt Maritta von Wolfframsdorf vom Projektbüro „Jäger der versunkenen Lok“ der Agentur Bartenbach in Mainz. Dort wird eine Aktion vorbereitet, die auf internationales Interesse stoßen wird: Die Bergung einer im Jahr 1852 im Rhein bei Germersheim versunkenen Dampflok. Sollte das gelingen, käme nicht nur die älteste Dampflok Deutschlands zum Vorschein, sondern vermutlich auch ein Gefährt, das dann weltweit zu den zehn ältesten seiner Art zählen dürfte.

Das rund sechs Meter lange Stahlross „Rhein“ aus der Karlsruher Maschinenfabrik Kessler war bei der Überführung an die Düsseldorfer-Elberfelder Eisenbahnlinie bei einem Unwetter im Jahr 1852 vom Lastensegler „Stadt Coblenz“ in den Fluss gekracht. Rund 30 Kilometer nördlich von Karlsruhe waren die Halterungen an Deck gerissen.

Früherer Bergungsversuch hatte Volksfestcharakter

Damalige Versuche, die rund 20 Tonnen schwere Lok mit Hilfe von Tauchern aus London und mit Hunderten von Helfern und selbst geschmiedeten Ketten aus dem Rhein zu holen, scheiterten. Die Aktion am Rhein genoss laut Überlieferungen Volksfestcharakter. Ähnliche Dimension könnte die nun geplante Bergung im nächsten Jahr einnehmen. Dann würde ein Traum von Eisenbahnfreunden in Erfüllung, die die Bergung der Lok seit Jahren auf ihrer Wunschliste stehen haben.

Sagenumwobene Lok fasziniert Eisenbahnfans seit Jahrzehnten

Schon seit über zwei Jahrzehnten ist die sagenumwobene Lok im Visier der Bahnexperten des Eisenbahnmuseums Darmstadt-Kranichstein. Sie waren von dem inzwischen pensionierten Lokführer Horst Müller aus Cochem vom „Rhein“-Virus infiziert worden. Müller hatte anhand alter Karten die Stelle eingrenzen können, an der die „Rhein“ vermutet wird. Ob sie dort tatsächlich liegt, ist nicht hundertprozentig sicher. Experten zweifeln jedoch nicht daran, den „Schatz“ lokalisiert zu haben.

Seit 1852 im Dornröschenschlaf

Angenommen wird, dass die Lok in drei bis vier Metern Tiefe im Rheingrund ihren Dornröschenschlaf hält. Hoffnungen, mit Spezialmessungen Umrisse des „versunkenen Schatzes“ zu erhalten, erfüllten sich zuletzt aber nicht. So gibt es bislang nur Konstruktionszeichnungen baugleicher Loks, aber keine Ansicht von der „Rhein“.

Älteste Dampflok Deutschlands soll nach Restaurierung ins Museum

Nach geltendem Recht ist das Land Rheinland-Pfalz Eigentümer der Lok. Das restaurierte Technik-Denkmal soll allerdings im Hessischen präsentiert werden: Im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein. Dort würde dann die älteste Dampflok Deutschlands stehen. Denn die legendäre Adler, die erste Dampflok, die auf deutschen Gleisen fuhr, ist zwar bei Veranstaltungen immer wieder mal zu sehen, aber das Exemplar ist lediglich ein Nachbau des Originals aus dem Jahr 1835.

Maschinenfabrik Kessler
Die Wurzeln des Unternehmens von Emil Kessler gehen auf das Jahr 1836 zurück. Fünf Jahre später, im Dezember 1841, wurde die erste Dampflok mit dem Namen Badenia an die Badischen Staatseisenbahnen geliefert. 1846 gründete Kessler die „Maschinenfabrik Esslingen“. Im Juli 1848 entstand die „Aktiengesellschaft Maschinenfabrik Carlsruhe“, die jedoch im Oktober 1851 liquidiert wurde. Wegen der strategischen Bedeutung für das Großherzogtum Baden wurde sie 1852 von dessen Regierung übernommen.
1852 nahm Kessler mit der Maschinenbau-Gesellschaft Carlsruhe den Lokomotivbau wieder auf. Nach einer Absatzkrise wurde der 1928 eingestellt, 1929 folgte die Insolvenz. Von 1842 bis 1928 sollen in Karlsruhe immerhin 2 370 Lokomotiven gebaut worden sein. Das Werksgelände der Maschinenbaugesellschaft befand sich zunächst südlich der Innenstadt beim Karlstor, 1902 folgte der Umzug auf ein neues Gelände am Westbahnhof in Grünwinkel. Bei der Karlsruher Lokomotivschmiede arbeiteten vor allem in den ersten drei Jahrzehnten namhafte Ingenieure – darunter der gebürtige Karlsruher Carl Benz, Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach.