Wie ihm wohl das Kunstgebiss steht? Jack Nicholson, hier bei der Oscar-Verleihung 2013, will die skurrile Filmfigur Toni Erdmann spielen. | Foto: dpa

US-Remake von „Toni Erdmann“

Nicholson will den Toni machen

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Ob Jack Nicholson noch einmal eine Berlinale eröffnen wird, so wie 2004 mit „Was das Herz begehrt“, als die Partynacht des Hollywoodstars nach der Premiere die Berliner Boulevardblätter drei Tage lang mit Themen versorgte? Das war bis vor kurzem nicht zu erwarten, zumal Nicholson seit sieben Jahren keinen Film mehr gedreht hat. Nun wäre es aber zumindest wieder vorstellbar. Denn Nicholson, so wurde vermeldet, wird die Titelrolle in einer US-Neuverfilmung des deutschen Oscar-Kandidaten „Toni Erdmann“ spielen. Der 79-Jährige sei von der Tragikomödie der aus Karlsruhe stammenden Filmemacherin Maren Ade so begeistert gewesen, dass er der Produktionsfirma Paramount ein Remake vorgeschlagen habe, meldete das Branchenblatt „Variety“. Die Rolle der Tochter, im Original von Sandra Hüller gespielt, soll Kristen Wiig übernehmen, die zuletzt in der Neuverfilmung von „Ghostbusters“ zu sehen war. Maren Ade wird nach derzeitigem Stand zwar nicht selbst Regie führen (hier wird noch jemand gesucht), aber als „executive producer“ beteiligt sein.

Eine Pointe für die Berlinale?

Also: Ob „Toni Erdmann“ am 26. Februar nun einen Oscar bekommt oder nicht – in Hollywood ist der Film spätestens jetzt definitiv eine große Nummer. Und falls dieses Remake zum richtigen Zeitpunkt fertig wird – könnte man sich einen mit größerer Spannung erwarteten Eröffnungsfilm für eine Berlinale vorstellen? 2018 wäre angesichts von Produktionszeiträumen etwas knapp, aber 2019 wäre absolut denkbar – und es wäre auch eine schöne Pointe, wenn die letzte von Dieter Kosslick geleitete Berlinale (der seit 2001 amtierende Festivalchef wird dann 70 sein und seinen Posten danach aufgeben) mit einem starbesetzten US-Remake eines deutschen Arthouse-Films startet. Denn schließlich hat sich Kosslick die Förderung und Verbreitung deutscher Filme von Anfang an auf die Fahne geschrieben.

Was läuft zum Auftakt?

Die diesjährige Berlinale, die vom 9. bis 17. Februar dauert, hat auch drei hiesige Produktionen im Wettbewerb: Altmeister Volker Schlöndorff, der 1980 für „Die Blechtrommel“ den ersten Oscar für einen deutschen Film entgegennehmen konnte, hat Max Frischs Roman „Montauk“ verfilmt. Dokumentarspezialist Andreas Veiel („Black Box BRD“) hat sich des Künstlers Joseph Beuys angenommen, und Thomas Arslan, Vertreter der eher spröden „Berliner Schule“, erzählt in „Helle Nächte“ von einem Vater-Sohn-Konflikt.
Das Eröffnungswochenende steht allerdings im Zeichen vielseitiger internationaler Produktionen: Zum Auftakt läuft im Berlinale-Palast am Postdamer Platz der französische Film „Django“ über den Gypsy-Swing-Gitarristen Django Reinhardt und seine Situation 1943 im besetzten Frankreich, wo sich der Musiker wegen seiner Popularität vor der Verfolgung durch die Nazis sicher fühlt, bis er zum Engagement gegen die Besatzer aufgerufen wird. In den folgenden Tagen stehen unter anderem die mit Spannung erwartete Fortsetzung des 20 Jahre alten Independent-Hits „Trainspotting“ (mit alter Besetzung und wieder von Danny Boyle inszeniert), das kongolesische Drama „Felicité“, die Künstlerbiografie „Final Portrait“ mit Geoffrey Rush als Alberto Giacometti und Josef Haders Regiedebüt „Wilde Maus“ an. Und Hollywoodstar Richard Gere präsentiert nicht nur am Freitag den Kammerspiel-Thriller „The Dinner“, sondern hat sich am Mittwoch in Berlin mit Grünen-Politikerin Claudia Roth getroffen, um über Tibet und Menschenrechte zu sprechen.