Eine Rarität: Ein "Orient-Express" aus dem Jahr 1897. Gebaut wurde der Wagen in Gaggenau.
Eine Rarität: Ein "Orient-Express" aus dem Jahr 1897. Gebaut wurde der Wagen in Gaggenau. | Foto: Bernd Kamleitner

Konstrukteure aus Baden-Baden

„Orient-Express“ und Lok „Rhein“: Zwei badische Oldtimer stehen im Rampenlicht

Baden-Baden genießt als Kur- und Bäderstadt weltweit einen guten Ruf. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass im kleinsten Stadtkreis von Baden-Württemberg einst auch zwei Konstrukteure das Licht der Welt erblickten, deren Fahrzeuge technisch interessierte Menschen noch heute faszinieren.

Zwei über 100 Jahre alte Fahrzeuge faszinieren Menschen  noch immer

Zwei davon stehen über 100 Jahre nach der Produktion derzeit in der Region im Rampenlicht: Ein Oldtimer mit dem klangvollen Namen „Orient-Express“, der 1897 in Gaggenau gebaut wurde, und eine Dampflok, die bei der Überführung von Karlsruhe nach Köln am 14. Februar 1852 in den Rhein stürzte und nun am 21. Oktober geborgen werden soll.

Emil Keßler (1813-1867) war einer dieser beiden in Baden-Baden geborenen Konstrukteure und Mitgründer der späteren Maschinenfabrik Keßler in Karlsruhe. Der Absolvent des Polytechnikums Karlsruhe, Vorläufer der Universität und dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT), gilt als ein Eisenbahnpionier. Nach seinen Plänen entstand die erste in Baden gebaute Lokomotive – die „Badenia“.

Lok „Rhein“ liegt seit 1852 im Dornröschenschlaf im Rhein

In der Fabrik in Karlsruhe und in Esslingen wurden zu seinen Lebzeiten rund 800 Lokomotiven gebaut, darunter die „Rhein“, die bei der Überführung von Karlsruhe nach Köln an einem stürmischen Februartag im Jahr 1852 vom Deck eines Lastenseglers in den Fluss krachte und seither im Dornröschenschlaf auf dem Grund liegt.

Ein Modell der im Rhein versunkenen Lok im Maßstab 1:10.
Ein Modell der im Rhein versunkenen Lok im Maßstab 1:10. | Foto: Bernd Kamleitner

Die Bergung und Restaurierung des rund 20 Tonnen schweren Stahlrosses ist mit 500 000 Euro veranschlagt. Die „Jäger der versunkenen Lok“ setzen dabei auf Crowdfunding: Unterstützer können sich bereits ab einem Betrag von fünf Euro an dem Projekt beteiligen. Je nach Spendensumme gibt es kleine Geschenke für die Geldgeber.

Zwei "Jäger der versunkenen Lok" in historischer Bahn-Uniform: Volker Jenderny (links) vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein, und Host Müller, pensionierter Lokführer, der seit Jahrzehnten auf der Suche nach der versunkenen Lok ist.
Zwei „Jäger der versunkenen Lok“ in historischer Bahn-Uniform: Volker Jenderny (links) vom Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein, und Host Müller, pensionierter Lokführer, der seit Jahrzehnten auf der Suche nach der versunkenen Lok ist. | Foto: Bernd Kamleitner

Nach der spektakulären Bergung aus dem Rhein bei Philippsburg-Rheinsheim am 21. Oktober soll die dann älteste Dampflok Deutschlands restauriert und in der „Bahnwelt Darmstadt-Kranichstein“ ausgestellt werden.

Soll ein Schmuckstück im Unimog-Museum in Gaggenau-Bad Rotenfels werden: Der "Orient-Express", der im Jahr 1897 in Gaggenau gebaut wurde.
Soll ein Schmuckstück im Unimog-Museum in Gaggenau-Bad Rotenfels werden: Der „Orient-Express“, der im Jahr 1897 in Gaggenau gebaut wurde. | Foto: Bernd Kamleitner

In einem fahrtüchtigen Zustand ist hingegen der Oldtimer mit dem Namen „Orient-Express“, der mit dem berühmten Luxuszug nur den Namen gemeinsam hat. „Das Fahrzeug ist der Anfang der Automobilgeschichte in der Region“, betont Stefan Schwab vom Unimog-Museum in Gaggenau. Der Wagen in Kutschenform, ausgestattet mit einem Einzylinder-Motor mit 5,5 PS, wurde 1897 in Bergmanns Industriewerken in Gaggenau gebaut, dem Vorläufer der späteren Benz-Werke und des heutigen Daimler-Standorts.

Der "Orient-Express" hat einen im Heck liegenden Einzylinder-Motor mit 5,5 PS. Die Hinterarchse wird über Riemen angetrieben.
Der „Orient-Express“ hat einen im Heck liegenden Einzylinder-Motor mit 5,5 PS. Die Hinterarchse wird über Riemen angetrieben. | Foto: Bernd Kamleitner

Konstrukteur war Joseph Vollmer (1871 – 1955), der wie Keßler in der Kurstadt an der Oos geboren wurde und bei Bergmann für die Automobilproduktion zuständig war. Bergmann gilt hinter dem in Karlsruhe-Mühlburg geborenen Carl Benz, Gottlieb Daimler und Friedrich Lutzmann, dessen Fabrik in Dessau später von Opel übernommen wurde, als der vierte Wegbereiter der Automobilindustrie in Deutschland.

Einer der Wegbereiter der deutschen Automobilindustrie

Der Oldtimer, der nach Angaben von Schwab behutsam restauriert wurde und weitgehend im Originalzustand sei, war im Besitz des in England lebenden Australiers Ron Mellowship. Für 280 000 Euro hat er das Schmuckstück, das bis zum 30. Mai in der Sparkassen-Hauptstelle in Gaggenau ausgestellt ist und dann in Baden-Baden unter anderem vom 13. bis 15. Juli beim Oldtimer-Meeting gezeigt wird, dem Unimog-Museum überlassen.

Beim Oldtimer_Meeting vom 13. bis 15. Juli 2018 wird auch dieser "Orient-Espress" aus Gaggenau zu sehen sein.
Beim Oldtimer_Meeting vom 13. bis 15. Juli 2018 wird auch dieser „Orient-Espress“ aus Gaggenau zu sehen sein. | Foto: Bernd Kamleitner

Der Ankauf wurde vorfinanziert und soll nun über Spenden gedeckt werden. Der „Orient-Express“ soll eines der zentralen Ausstellungsstücke werden, wenn das Unimog-Museum in einer Erweiterung über den Beginn der Automobilindustrie im Murgtal informieren möchte.

Spenden:  „Orient-Express“: Stiftung Unimog-Museum mit Sitz in Gaggenau, Sparkasse Baden-Baden Gaggenau, IBAN DE27 6625 0030 0050 0555 57.
Versunkene Lok: http://www.startnext.com/jaeger-der-versunkenen-lok