Kein Fest ohne Petra Lindig und das "Thüringer Häusle". Die Durlacherin hat das Imbissgeschäft vor 30 Jahren von dem Karlsruher Karl-Heinz Böhme übernommen. | Foto: jodo

Im Porträt: Petra Lindig

Die Chefin vom „Thüringer Häusle“ hat alles im Griff

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Eine spontane Bauchentscheidung war es gewiss nicht. „Ich habe es mir schon gut überlegt, ob ich es machen soll oder nicht“, erinnert sich Petra Lindig an den Moment zurück, als der erkrankte Karl-Heinz Böhme sie fragte, ob sie sein „Thüringer Häusle“ übernehmen möchte.

Auf der Herbstmess‘ begann alles

Böhme schätzte die tüchtige, junge Frau und hatte offenbar großes Vertrauen in die Durlacherin, die regelmäßig bei ihm aushalf. Nach reiflicher Überlegung willigte sie ein. Aus der Arzthelferin wurde eine Gastronomin. Exakt 30 Jahre ist es her, dass Petra Lindig mit ihrem „Thüringer Häusle“ zum ersten Mal als Chefin auf den Messplatz rollte: „Genau hier, auf der Herbstmess’, hat alles begonnen.“

 Kein Fest ohne das „Thüringer Häusle“

Längst ist die zierliche Frau mit dem warmen Lächeln eine Institution auf den Festplätzen in Karlsruhe und der Region. Keine Mess’, kein Christkindlesmarkt, kein Durlacher Weihnachtsmarkt, kein Stadtfest, kein Rummel in der Region ohne Petra Lindig, ihren Sohn Benjamin und ihr „Thüringer Häusle“. Nicht zu vergessen ihre loyalen Mitarbeiter, die der Imbissbesitzerin teilweise von den Anfängen an die Treue halten. Und dann ist da noch Oma Ellen. Lindigs 80-jährige Mutter ist der gute Geist hinter den Kulissen. „Wir stellen ihr jeden Tag einen Korb voll Wäsche vor die Tür und bekommen am nächsten Tag alles gewaschen und gebügelt wieder, selbst die Geschirrtücher“, erzählt Petra Lindig schmunzelnd.

Am Anfang war es schwierig sich zu etablieren.

Zwar hatte sie ein über Karlsruhe hinaus bekanntes Geschäft übernommen, ein Selbstläufer war ihr Start auf dem Schausteller-Parkett dennoch nicht. „Es war schwierig, sich zu etablieren“, bekennt sie rückblickend. Sie war eben keine typische Schaustellerin. Kein Wohnwagen, kein Familienstammbaum, der weit zurückreicht, mit Vorfahren, die mit Wandermenagerien über Jahrmärkte zogen. Sie schaffte es trotzdem und machte sich einen Namen. Es gelang ihr auch, das Geschäft weiter auszubauen. Weil sie zupacken kann, die Arbeit nicht scheut und immer mit Spaß dabei ist.

Petra Lindig blieb sich stets treu

Und sie sich stets treu geblieben ist – auch beim Sortiment. Auf dem Grill brutzeln Rote, Weiße, Käseknacker, Rindswurst und Merguez. Es gibt sie mit Brötchen oder Pommes. Die Kunden schätzen die Verlässlichkeit und Qualität. Erweitert wurde das Sortiment um die „Thüringer Häusle“-Spezial – eine lange Bratwurst mit Ketchup, Majo und frischen roten Zwiebeln. „Wenn man den ganzen Tag am Grill steht, kommt man auf verrückte Ideen, was man so essen könnte. Irgendwann legten wir rohe Zwiebeln auf die Wurst – als Kunden das sahen, wollten sie es auch haben“, berichtet Lindig über die „Zufallskreation“.

Kein typisches Schaustellerleben

Heute hier, morgen schon woanders: das Leben von Schaustellern ist wie ein „Roadmovie“, ständig auf Achse. Bei Petra Lindig war es nie so. Ihr Sohn Benjamin, der vor einigen Jahren nach einer Bankkaufmannslehre in das Familiengeschäft einstieg („es ist schön für mich, mit ihm zusammenzuarbeiten“), hat keine Kindheit und Jugend auf der Reise erlebt. Er wurde in Durlach-Aue groß. „Ich kenne ein ganz normales Zuhause mit vier Wänden und ganz ohne Räder“, sagte er mal in einem Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir sind mit unseren Ständen ausschließlich in der Region unterwegs, der weiteste Platz ist auf dem Bühler Zwetschgenfest“, sagt Petra Lindig. „Das hat auch den Vorteil, dass wir von unserem Stammmetzger immer frische Ware beziehen können. Darauf legen wir und unsere Kunden viel Wert.“

 

Verkauf machte mir schon als Kind Spaß.

Ans Aufhören denkt die 60 Jahre alte Gastronomin noch nicht. Zu viel Spaß macht ihr der Verkauf und der Umgang mit Kunden. „Das mochte ich schon als Kind“, erzählt sie. „Ich habe früher in den Schulferien immer meine Großtanten auf den Wochenmarkt begleitet. Wir transportierten das Obst und Gemüse mit Fahrradanhängern in die alte Markthalle und verkauften es dort.“ Sieben Jahre lang sorgte Petra Lindig auch für das Wohl der Gäste auf der MS Karlsruhe. Ende 2016 war dann aber Schluss mit dem Catering auf dem Ausflugsdampfer. „Es wurde mir dann doch zu viel, auch wenn es eine schöne Zeit war.“ In jenen Jahren sah man sie viel seltener am Grill des „Thüringer Häusle“ stehen.

Sohn Benjamin steht mit am Grill

Für ihren Sohn Benjamin war das damals ein bisschen die Feuertaufe. Er wuppte den Bratwurstverkauf bravourös, konnte sich aber vor der immer wiederkehrenden Frage „Wo ist die Petra?“ kaum retten. Petra Lindig lacht: „Er war froh, als ich wieder da war.“ Für die Karlsruher ist eben das „Thüringer Häusle“ und Petra Lindig irgendwie eins.