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Thomas Gebhart (CDU) verliert Direktmandat

Sensation in der Südpfalz: SPD-Spitzenkandidat Hitschler siegt mit 49 Stimmen Vorsprung

Jens Spahns Staatssekretär Thomas Gebhart (CDU) muss eine herbe Niederlage verkraften: Der langjährige Abgeordnete, der stets Ergebnisse von mindestens 40 Prozent gewöhnt war, verliert im Wahlkreis Südpfalz sein Direktmandat – gegen den SPD-Spitzenkandidaten Thomas Hitschler.

Sensation geglückt: Thomas Hitschler, Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen SPD, siegt in der Südpfalz mit einem hauchdünnen Vorsprung. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Im Wahlkreis Südpfalz kommt es am Wahlabend zu einer Sensation: Nach einem Auszählungskrimi gewinnt der rheinland-pfälzische SPD-Spitzenkandidat Thomas Hitschler das Direktmandat im traditionell schwarzen Wahlkreis Südpfalz – aber mit einem hauchdünnen Vorsprung.

Sage und schreibe 49 Stimmen hat er mehr als der langjährige CDU-Abgeordnete Thomas Gebhart, der Staatssekretär bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist und bisher dreimal das Direktmandat gewonnen hatte.

Gegen halb eins Uhr in der Nacht steht das vorläufige Ergebnis fest. Prozentual kommt es sogar zum Patt: Je 28,2 Prozent der Erststimmen haben beide Kontrahenten.

Auszählungskrimi im Wahlkreis Südpfalz bis nach Mitternacht

Doch das Stimmenverhältnis steht 47.900 zu 47.851 für Hitschler. Von einem „Krimi“ spricht um Mitternacht auch Hitschlers Team. Gebannt verfolgen Politiker und Wähler das fast unglaubliche Kopf-an-Kopf-Rennen. Verlieren die Christdemokraten zum ersten Mal in der Geschichte den Wahlkreis in der Region Landau? Erobert die SPD die schwarze Hochburg, in der CDU-Urgestein Heiner Geißler mehr als 20 Jahre lang das Direktmandat hatte? Stundenlang warten alle auf die Antwort.

Der rheinland-pfälzische SPD-Spitzenkandidat Thomas Hitschler liegt zunächst lange in Führung. Dann schiebt sich Thomas Gebhart (CDU) heran. Mehrfach liegen beide exakt gleichauf, mal geht der eine, mal der andere hauchdünn in Führung. Als 259 von 267 Wahlbezirken ausgezählt sind, da weisen das rote und das schwarze Säulendiagramm jeweils 28,1 Prozent der Erststimmen gleichauf. Wieder Gleichstand.

Er erlebte einen Erdrutsch-Verlust: Thomas Gebhart (CDU) konnte bisher dreimal das Direktmandat gewinnen – beim vierten Anlauf büßte Jens Spahns Staatssekretär mehr als zwölf Prozent der Erststimmen ein. Foto: Gregor Fischer/dpa

Um 23.40 Uhr scheint festzustehen: Hitschler führt knapp mit 28,3 zu 28,1 Prozent der Erststimmen. Der Sieg scheint dem SPD-Mann kaum noch zu nehmen. Dann stockt es auf der Seite des Landeswahlleiters. Lange wird das Ergebnis nicht fortgeschrieben. Erst weit nach Mitternacht ist auch der letzte Bezirk ausgezählt. Dass dann fast wieder ein Unentschieden herauskommt, hat schon Thriller-Qualitäten.

Trotz Erdrutsch-Niederlage: Thomas Gebhart (CDU) rückt über Landesliste nach

Für Spahns Staatssekretär Gebhart ist es eine Erdrutsch-Niederlage: 12,1 Prozent büßt der langjährige Platzhirsch ein. Auf der Landesliste steht er auf Platz drei. Wird das für den Einzug in den Bundestag reichen? Angesichts des schlechten CDU-Ergebnisses erlebt Gebhart die nächste Zitterpartie. Erst am Montagmorgen kurz vor sechs Uhr steht fest: Es hat noch einmal geklappt. Gebhart schafft über die Landesliste den Sprung ins Parlament. Das verdankt er seinem Parteikollegen Patrick Schnieder, der auf Listenplatz zwei stand, aber sein Direktmandat in Trier sicherte.

Dabei ist Gebhart erfolgsverwöhnt. Ein Ergebnis unter 40 Prozent hat er noch nie eingefahren. Bei der Bundestagswahl 2017 war der CDU-Mann noch mit 40,3 Prozent der Erststimmen deutlich vor Hitschler (26 Prozent) gelandet, bei der Wahl 2013 ging das Kräftemessen zwischen den beiden Kontrahenten sogar noch mit 48,8 Prozent zu 28 Prozent aus.

Polit-Prominenz im Heiner Geißlers altem Wahlkreis Südpfalz

Die Politprominenz drängelte sich dieses Mal in dem Wahlkreis, der nur einen Katzensprung von Karlsruhe entfernt am anderen Rheinufer liegt: Neben Gebhart und Hitschler kandidierten hier auch der FDP-Generalsekretär Volker Wissing und der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Tobias Lindner. Die AfD schickte ihren Landes-Vize Bernd Schattner ins Rennen um den Wahlkreis, der die Stadt Landau und die Landkreise Germersheim sowie zudem die Südliche Weinstraße umfasst.

Auf Platz drei landete am Wahlabend Grünen-Politiker Tobias Lindner mit 11,2 Prozent der Erststimmen (2017: 7,9 Prozent), dahinter FDP-Spitzenkandidat und Bundes-Generalsekretär Volker Wissing mit 10,0 Prozent (2017: 6,0 Prozent). AfD-Kandidat Schattner kam auf 9,9 Prozent (2017: 12,3). Tobias Schreiner, Stadtrat aus Landau, kandidierte erstmals und erzielte 3,1 Prozent der Erststimmen.

Von einem „Krimi“ spricht Hitschlers Sprecher am Abend. Umso lockerer äußern sich die Dritt- und Viertplatzierten. „Ich habe einen Zuspruch erlebt wie noch nie“, erzählt Tobias Lindner von den Grünen von seinen Wahlkampf-Erfahrungen. Die Menschen hätten mit ihm über Afghanistan sprechen wollen, erzählt Lindner, der sicherheitspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion ist: „Die wissen, was ich mache.“

Wir haben heute ein Aufbrechen des deutschen Parteiensystems erlebt.
Tobias Lindner, Grünen-Abgeordneter

Dass die Volksparteien CDU und SPD auf Werte um die 25 Prozent geschrumpft sind, sei historisch. „Wir haben heute ein Aufbrechen des deutschen Parteiensystems erlebt.“ Als Nummer zwei auf der Landesliste der Grünen war für Lindner rasch klar, dass er wieder einen Sitz im Bundestag sicher hat.

„Ich habe jetzt zehn Jahre Oppositionsarbeit gemacht – ich möchte jetzt etwas anderes machen“, sagt Lindner in Anspielung auf die Koaltitionsverhandlungen für eine neue Bundesregierung. „Ich hoffe, dass die Sondierungsgespräche strukturierter laufen als vor vier Jahren“.

FDP-General Wissing im Wahlkreis Südpfalz bei der Bundestagswahl zweistellig

Auch FDP-Spitzenkandidat Wissing ist sicher wieder im Bundestag. „Ich freue mich riesig über dieses tolle Wahlergebnis – im Bund wie in Rheinland-Pfalz“, erklärt der Generalsekretär der Liberalen am Abend. „Im Bund hat die FDP eines der besten Wahlergebnisse ihrer Geschichte erzielt. Zudem sind wir zum ersten Mal bei zwei aufeinander folgenden Bundestagswahlen zweistellig. Das gab es noch nie. Und dass wir in Rheinland-Pfalz sogar über dem Bundestrend liegen, freut mich natürlich auch.“

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