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Corona-Lage ist zu unsicher

Schon wieder kein Schoppen: Diese Weinfeste in der Region fallen auch dieses Jahr aus

Auch in diesem Spätsommer und Herbst finden wieder so gut wie keine Weinfeste statt. Die Veranstalter scheuen das Risiko, kurzfristig alles wieder absagen zu müssen. Doch gerade die Pfalz ist trotzdem ein Corona-Gewinner.

Die Weinfeste in der Pfalz, wie hier das Kalmitweinfest in Ilbesheim, sind ein beliebter Treffpunkt. Doch die meisten fallen auch in diesem Jahr der Pandemie zum Opfer. Foto: Ralf Ziegler / Bilderarchiv Südliche Weinstrasse e.V.

Die Pandemie ist noch nicht ausgestanden. Wie schnell sich die Regeln verschärfen können, zeigte Ende Juli die 7-Tages-Inzidenz im Landkreis Südliche Weinstraße. Der Schwellenwert von 35 war drei Tage in Folge überschritten. Gemäß der Landesverordnung in Rheinland-Pfalz waren Veranstaltungen im Freien mit über 500 Personen nicht mehr zulässig.

Zwischenzeitlich ist die Ampel wieder gelb, der Wert also auf unter 35 gefallen. „Es ist im Moment schwer kalkulierbar“, sagt Uta Holz, Geschäftsführerin des Vereins Südliche Weinstraße.

Die Veranstalter der beliebten Weinfeste in der Pfalz müssten planen und in Vorleistung gehen, wüssten aber nicht, ob schließlich alles wieder über den Haufen geworfen werden müsste. Aus diesem Grund seien die meisten Weinfeste bereits abgesagt.

Lichtblick in Edenkoben

Nur einen kleinen Lichtblick gibt es in Edenkoben. Dort plant ein privater Veranstalter von 23. bis 26. September Konzerte und ein Weinfest. Ob es tatsächlich stattfindet, hängt von der Corona-Verordnung ab, über die das Land Rheinland-Pfalz am 15. August entscheidet.

Die Pfalz ist sehr attraktiv gerade.
Uta Holz, Geschäftsführerin Südliche Weinstraße

Die Pfalz gehört trotzdem zu den Corona-Gewinnern. „Die Feste fehlen als Anreiz, aber wir profitieren davon, dass Deutschland-Urlaub total angesagt ist“, berichtet Uta Holz. Denn die Touristen kämen nicht nur für ein Weinfest, sondern blieben länger, viele um zu wandern oder Rad zu fahren. „Die Pfalz ist sehr attraktiv gerade“, freut sie sich und hofft, dass viele der Gäste wieder kommen.

Größtes Problem für die Winzer ist aktuell weniger Corona als vielmehr das feuchte Wetter und der Pilzbefall an den Reben. „Die Winzer haben sehr viel Arbeit“, sagt Uta Holz. Mit der Weinlese rechnet sie frühestens Mitte September bis weit in den Oktober, etwa zwei Wochen später als in den vergangenen Jahren. Immerhin: Für die Trauben ist das Wetter Ende August und im September entscheidend. „Da ist noch sehr viel zu holen“, sagt Holz.

Auch im Kraichgau finden keine Feste statt

Im Kraichgau ist die Situation ähnlich. Der traditionelle Weinmarkt vom 24. bis 26. September in Bretten findet laut Stadtverwaltung auch in diesem Jahr nicht in seiner gewohnten Form statt. Neben dem Weingenuss am Seedamm mit begrenzter Personenanzahl sollen verschiedene Programmpunkte und Verpflegungsstände in der Innenstadt, verlängerte Öffnungszeiten, ein verkaufsoffener Sonntag und ein Kunsthandwerkermarkt stattfinden. Um die aktuellen Corona-Vorschriften berücksichtigen zu können, werden Details für die Veranstaltung erst Anfang September bekannt gegeben.

Auch Rudolf Meel, Bereichsvorsitzender des Kraichgaus im badischen Weinbauverband, kann keine großen Feste für dieses Jahr ankündigen. „Die Datenerfassung gestaltet sich einfach schwierig“, sagt er. Sein Kollege Werner Bauer, Vorstandsvorsitzender der Winzer von Baden, hat ebenfalls nur von Absagen gehört. Immerhin die Winzerrast am Sitz der Genossenschaft in Wiesloch soll im September und Oktober geöffnet sein.

„Viele Winzer, die die Gastronomie beliefern, haben große Problem“, berichtet Bauer. Die hätten die Lager noch voll. Zudem seien die Bestellungen der Händler um 80 Prozent zurückgegangen. Allein der Verkauf in den Supermärkten habe eine positive Tendenz. Deswegen sei die Lage in der Genossenschaft der Winzer von Baden noch recht gut.

Dieses Jahr ist sehr anstrengend für die Winzer.
Werner Bauer, Vorstandsvorsitzender Winzer von Baden

„Dieses Jahr ist sehr anstrengend für die Winzer“, bestätigt Bauer, dass das Wetter auch die Weinbauern im Kraichgau derzeit viel Kraft kostet. Zwar gab es im Frühjahr „so gut wie keine Schäden“ durch Frost, doch um Pilzkrankheiten an den Reben vorzubeugen, müsste permanent Pflanzenschutz ausgebracht werden.

Die Pilzschäden könnten bis zu 20 Prozent Ernteausfall in diesem Jahr verursachen, schätzt Bauer. Mit der Lese rechnet er frühestens ab 15. September. Rudolf Meel, der selbst Winzer in Kürnbach ist, bleibt trotz der Widrigkeiten optimistisch: „Wir werden trotzdem einen guten Jahrgang kriegen“, ist er sich sicher.

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