An der Zapfsäule macht sich der Unterschied zwischen Diesel und Benziner beim Preis bemerkbar. Allerdings ist das für viele Autokäufer kein entscheidendes Argument mehr. | Foto: dpa

Die Zweifel am Diesel wachsen

Alles Super oder was?

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Soll ich oder soll ich nicht? Seit es in Stuttgart die Fahrverbotspläne für ältere Dieselautos gibt, läuft das Telefon von Michael Uhrig heiß. „Viele Autofahrer sind einfach verunsichert“, bringt es der Technikexperte des ADAC Nordbaden auf den Punkt.

Die große Angst: Auch andere Städte könnten bald nachziehen und viele Dieselfahrzeuge aus den Innenstädten verbannen, um so die Luft sauberer zu bekommen. Deshalb stellen sich immer mehr potenzielle Käufer vor dem Gang zum Autohaus oder dem Gebrauchtwagenhändler die Frage: Fahre ich nicht doch mit einem Benziner besser? Oder gar einem Elektro- oder Hybridwagen?

Die Politik gibt Autofahrern keine Planungssicherheit

„Es ist kompliziert“, gesteht Uhrig. In der jetzigen Situation könne auch der ADAC nur eine Entscheidungshilfe geben. Zu vieles sei unklar, könne sich schnell wieder ändern. Daran sei die Politik nicht ganz unschuldig. Denn: „Sie gibt Autofahrern keine Planungssicherheit“, kritisiert der 56-Jährige. So habe der Euro-5-Diesel vor einigen Jahren noch als äußerst sauber gegolten und plötzlich steht er in der Kritik. „Wie es da in ein paar Jahren aussieht, kann aktuell niemand genau sagen“, erklärt Uhrig. Auch Verbote von Benzinern hält der ADAC-Experte in Zukunft für möglich. „Das könnte das gleiche Spiel wie jetzt beim Diesel geben. Und wer kann sich schon alle paar Jahre ein neues Auto leisten?“

Autos fahren an einer Feinstaubmessstation in Stuttgart vorbei. Die Stadt will die Luft sauberer bekommen. | Foto: dpa

Was also tun? Wer nicht unbedingt jetzt ein neues Auto benötige, könne seinen bisherigen Wagen ja noch etwas weiterfahren, meint Uhrig. Wenn der Neue unbedingt ein Diesel werden soll, rät der Autoexperte derzeit zu einem Euro-6-Fahrzeug – am besten mit Harnstoff-Katalysator. Uhrig gibt allerdings zu bedenken: „Wie lange die Verweildauer von einer solchen Norm ist, ist derzeit auch nicht sicher.“

Ein Diesel rechnet sich häufig für Vielfahrer

Für Vielfahrer könne sich ein Diesel aus finanzieller Sicht allerdings schon rechnen. Als Alternative zum Benziner könnten auch Hybrid-, Elektro-, Erdgas- oder Autogaswagen näher in Augenschein genommen werden. „Vorausgesetzt, es passt zum Fahrprofil.“ Zwar seien diese Wagen von den Anschaffungskosten her teurer. Dabei müsse man jedoch bedenken, dass wohl auch „normales“ Autofahren in Zukunft immer teurer werde.

Auswirkungen auf den Automarkt in der Region

Die wachsende Verunsicherung bekommt derzeit auch der Automarkt zu spüren. „Zwar sind etwa die Preise für gebrauchte VW-Autos selbst nach dem Diesel-Skandal noch relativ hoch“, stellt Uhrig fest. Aber beim Blick auf den Markt sei zu beobachten, dass die Dieselverkäufe generell etwas zurückgingen. Diesen Eindruck bestätigen auch einige Autohäuser aus der Region.

Zwar sei bei Gewerbekunden und Vielfahrern bislang noch kein Rückgang spürbar, sagt Jörg Pfeiffer, Verkaufsleiter beim Autohaus Lang in Karlsruhe. „Bei Privatkunden, die einen Diesel hauptsächlich wegen des Fahrspaßes gekauft hätten, allerdings schon.“ „Sehr gering“ ist derzeit die Nachfrage nach Euro-5-Diesel beim Automobil Handels Zentrum (AHZ) in Karlsruhe. „Das ist auch für uns nicht einfach“, sagt Gebrauchtwagenverkäufer Hardy Reinke. Selbst bei Fahrzeugen, die der Euro-6-Norm entsprechen, seien Kunden eher zurückhaltend. „Grundsätzlich wird jetzt verstärkt zum Benziner gegriffen.“

Benziner sind jetzt stärker gefragt

Auch beim Autohaus Brenk haken potenzielle Dieselkäufer verstärkt nach. Aber: „Prinzipiell gibt es keinen Einbruch der Verkaufszahlen“, sagt Verkäufer Tim Pröse. Man stelle jedoch fest, dass sich immer mehr Kunden für einen Euro-6-Diesel entscheiden. Beim Pforzheimer Autohaus Hauff hat der Kundenstamm bereits vor dem Diesel-Ärger hauptsächlich auf Benziner gesetzt. Wer allerdings jetzt einen Diesel möchte, entscheidet sich fast ausschließlich für ein Euro-6-Fahrzeug, heißt es auf Anfrage der Badischen Neuesten Nachrichten.

Bei den Menschen muss generell ein Umdenken stattfinden

Neben mehr Planungssicherheit wünscht sich Uhrig von der Politik vor allem weniger Verbote und dafür mehr Anreize für Autofahrer, sauberer zu fahren. Auch intelligente Ampelsteuerungen, damit man nicht ständig stehen bleiben muss, und eine Verbesserung des Nahverkehrs hält er für äußerst wichtig. Generell müsse aber auch bei den Menschen selbst ein Umdenken stattfinden, meint der Autoexperte. „Das Thema Umwelt ist enorm wichtig, unsere Art der Fortbewegung muss sich daher in den kommenden Jahren weiter ändern.“

Auf der Internetseite des ADAC gibt es einen modellabhängigen Kostenvergleich zwischen Benzin- und Dieselfahrzeugen.