Aktivisten in Berlin machen auf die Gefahr aufmerksam, die von unkontrollierten Kampfmaschinen ausgeht.

Kommentar

Allmächtige Waffen

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Stellen Sie sich einen militärischen Konflikt der Zukunft vor: Ein sogenannter Killerroboter hat ein Angriffsziel auf einem belebten Marktplatz erspäht. Die Maschine ist generell dafür programmiert, solche Ziele zu vernichten und dabei die Kollateralschäden zu minimieren. Niemand kann und soll in den Algorithmus eingreifen, also wählt der Roboter selbstständig die passende Waffe aus und tötet nicht alle Menschen auf dem Platz, sondern „nur“ einige hundert Männer, Frauen und Kinder.

Auftrag erfüllt, aber um welchen Preis? Noch schlimmer könnte es kommen, wenn auf einem Schlachtfeld zwei autonome Waffensysteme aufeinander treffen. Laut Expertenmeinung wäre es unmöglich, vorherzusagen, wie sich die stählernen Soldaten dann verhalten.

Eine Industrialisierung des Krieges

Autonome Waffen sind der letzte Schritt in der Industrialisierung des Krieges. Sie sind keine Science Fiction, sondern heute schon Realität. Man muss sie sich nicht wie den berühmten Terminator vorstellen. Ein Flugzeug mit Künstlicher Intelligenz im Cockpit, ein unbemannter Panzer oder eine „intelligente“ Luftabwehrkanone können gewöhnlichen Waffensystemen zum Verwechseln ähnlich aussehen – doch sie sind mächtiger, schneller und sie können länger am Stück im Einsatz sein, weil sie ja nicht von Menschen gesteuert werden, die auch mal schlafen müssen.

Mehr bewaffnete Konflikte durch Roboter?

Der Einsatz von Robotern auf breiter Front könnte die Hemmschwelle bei bewaffneten Konflikten gefährlich absenken. Der Gedanke an die Leichen von Soldaten, die in Särgen nach Hause kommen würden, mag heute manche Hitzköpfe bremsen. Mit Roboter-Soldaten wäre das wohl kein Problem mehr.

Seit Jahren entwickeln einige Länder solche Roboter. Es gibt keine Regeln für deren Verwendung, alles ist erlaubt. Die unterschätzte Gefahr birgt schwierige rechtliche und ethische Fragen, die beantwortet werden müssen. Vor allem aber diese: Sind wir als Gesellschaft bereit, Entscheidungen über Leben und Tod an Maschinen zu delegieren?

Wo sind die Grenzen der Autonomie?

Manche Fachleute glauben, dass der Geist aus der Flasche sei und sich die dritte Revolution in der Kriegsführung (nach dem Schießpulver und den Atomwaffen) nicht aufhalten lasse. Sie halten jedoch eine Regelung für notwendig, die weltweit akzeptiert werden muss. Ihr Kernprinzip ist es, dass die Autonomie nicht unbegrenzt sein darf. Am Ende sollte also immer der Mensch auf den Feuerknopf drücken.

Die BNN haben im Interview auch mit der Nobelpreisträgerin Jody Williams über autonome Waffen gesprochen. Hier lesen Sie das Interview.