Künstliche Intelligenz
Die Entwicklung der energiehungrigen Künstlichen Intelligenz ist ein Risiko - aber auch eine Chance für die Umwelt. | Foto: Hauke-Christian Dittrich/Archiv

Digitaler Stromhunger

Auto mit künstlicher Intelligenz braucht mehr Energie als 100 Computer

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Der weltweite, negative Effekt der digitalen Revolution für Umwelt und Klima wird nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bislang stark unterschätzt. In einer neuen Studie kommt die Denkfabrik LBBW Research zu dem Schluss, dass die Informations- und Kommunikationstechnologien infolge der raschen Digitalisierung, Verbreitung von Kryptowährungen und Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) in fünf Jahren bis zu 6,7 Prozent der globalen Stromproduktion benötigen werden.

Die Denkfabrik sagt in diesem Zusammenhang für 2025 einen energiebedingten Ausstoß von rund 1.000 Megatonnen des klimaschädlichen Gases CO2 voraus – das wäre eine enorme Steigerung um 50 Prozent, verglichen mit dem Jahr 2015.

Beispiel KI: Als „Gehirn“ eines autonom fahrenden Autos verbrauchten die Sensoren und Elektronik derzeit mehr Strom als 100 Desktop-Computer, rechnet LBBW-Analyst Fabian Hoch vor. Alleine die Entwicklung eines KI-Modells produziere so viel Kohlendioxid wie fünf Autos in ihrer gesamten Nutzungsdauer.

Systeme zur Spracherkennung sind große Stromfresser

Das Training eines der besonders leistungsfähigen Systeme, wie sie etwa für Sprachassistenten benötigt werden, belastet der Studie zufolge die Umwelt mit so viel CO2 wie ein durchschnittlicher Bundesbürger in 22 Jahren.

Als sehr stromhungrig bezeichnet Fabian Hoch die beliebte Kryptowährung Bitcoin: „Wäre Bitcoin ein Land, würde es beim Energieverbrauch pro Jahr im Ländervergleich auf Platz 40 liegen, vor Österreich“, schreibt der Analyst. Und weiter: Würde Bitcoin in den kommenden zwei Jahrzehnten zu einem gängigen Zahlungsmittel werden, reichte alleine der CO2-Ausstoß dieser Technologie aus, um das vom Pariser Abkommen gestellte Ziel einer Erderwärmung um höchstens zwei Grad zu überschreiten.

KI könnte auch dem Klimawandel entgegenwirken

Doch die Digitalisierung birgt nicht nur eine Gefahr, sie bietet auch eine große Chance, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. So sieht die LBBW-Analyse in der Landwirtschaft den Einsatz von KI bei automatisiertem Ernten oder Säen, der Wetterkontrolle und Überwachung von Feldern oder der Aufforstung als eine Möglichkeit, in zehn Jahren bis 0,3 Prozent der prognostizierten Emissionen des Kohlendioxids einzusparen. Sogenannte „smart grids“, also intelligente Stromnetze, die Erzeugung und Verbrauch aufeinander abstimmen, böten ein weiteres Einsparpotenzial von bis zu 2,2 Prozent CO2 bis 2030.

Zudem bringt Deutschland auf den Weltmarkt neue Ansätze, um den gewaltigen Stromverbrauch großer Rechenzentren zu senken. In Frankfurt wird an diesem Mittwoch die Vermarktung eines „grünen Supercomputers“ vorgestellt, dessen optimierte Kühlstruktur Energieeinsparungen von 50 Prozent verspricht. Das EU-weit patentierte System wurde an der Goethe-Uni in Frankfurt getestet, seit 2016 ist es im Darmstädter „Green IT Cube“ in Einsatz. Das dortige GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung beheizt mit der Abwärme seiner Server ein Bürogebäude.