Gleisbaustelle
Kurvig: Die neuen Schienen biegen auf der neuen Gleistrasse des alten Schienenwegs Kapellenstraße mit einem Schwung auf die Kriegsstraße (unten) ein. | Foto: jodo

Schiene rein, Schiene raus

Enorme Baustellenbelastung für die Bürger: Am Karlsruher Gleisnetz wird ständig gearbeitet

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Alte Gleise raus, neue Schienen rein. Wie in kaum einer anderen Stadt auf dem Globus sind die Menschen in Karlsruhe mit diesem Wechselspiel auf offener Straße vertraut. Seit Jahren können sie ein Lied davon singen.

Nur zwei aktuelle Beispiele seien genannt: Mit der Kombilösung wird Ende 2021 der alte Gleisweg Kapellenstraße nach Jahrzehnten reaktiviert. Deshalb ist diese Verbindung zwischen Durlacher Tor und Mendelssohnplatz derzeit wegen Gleisbaus verbarrikadiert. Wenigstens Richtung Durlacher Tor soll die Kapellenstraße für rechtsabbiegende Automobile aus dem Erhardboulevard seit dem Wochenende wieder frei sein, sagt Kasig-Sprecher Achim Winkel.

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Nadelöhr im Westen

In der Weststadt ist dagegen die Kreuzung der Kaiserallee mit Yorck- und Blücherstraße ein jeweils einspuriges Nadelöhr. Dort laufen die Leitungsarbeiten im Vorfeld des Haltestellenausbaus plus Schienenwechsels in den Sommerferien.

Die Karlsruher Straßenbahnen rollen seit der Expansion des Netzes über den Rhein, bis zum Neckar und durch den Schwarzwald bis nach Freudenstadt auf der Erfolgsschiene. In großer Linienzahl und engem Takt geht es durch die Fächerstadt.

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Abgefahren

Der starke Verschleiß unter den quietschenden Rädern hat seinen Preis: Unter Vollsperrung der Strecke werden die Schienen ausgetauscht. Schon nach rund zehn Jahren gelten Gleise in der Stadt, die sich diese Qualität des Öffentlichen Nahverkehrs leisten kann, als abgefahren.

Dazu kommen drei weitere Gründe für Gleisbaustellen: Die Haltestellen werden zu wahren Großbahnsteigen mitten auf den Straßen verlängert und barrierefrei ausgebaut. Auch der Autotunnelbau in der Kriegsstraße zerschneidet in der Karlstraße auf Monate den Schienenstrang.

Außerdem gibt es nach acht Jahren Pause wieder einen wahren Streckenneubau: In Knielingen wird die Straßenbahn von der Siemensallee über die Sudetenstraße und durch das Neubaugebiets „2.0“ verlängert. Dies bringt noch bis Jahresende starke Behinderungen für die Anlieger und für den Durchfahrtsverkehr zwischen B10 und B36.

Diese Baustellen bedeuten Lärm und Einschränkungen der Mobilität für die Karlsruher. Die Attraktivität des Karlsruher Nahverkehrs hat wegen Dauerumleitungen und chronischer Verspätung der Bahnen in der ewigen Bauzeit der U-Strab viel an Attraktivität eingebüßt. Am Gleis wird trotzdem unverdrossen weitergebaut.