Skip to main content

Meinung

von Sebastian Raviol

Ab Mai freiwillig

Isolationspflicht fällt weg: Aus Mahner Lauterbach wurde eine Marionette

Die Isolationspflicht für Corona-Erkrankte fällt ab Mai weg. Der Glaube an die Eigenverantwortung ist allerdings naiv, kommentiert BNN-Redakteur Sebastian Raviol.

Immer wieder überstimmt: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach konnte sich in der Corona-Politik bislang nur wenig durchsetzen.
Immer wieder überstimmt: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach konnte sich in der Corona-Politik bislang nur wenig durchsetzen. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Angespannt nennt Gesundheitsminister Karl Lauterbach die Corona-Lage – man könne „nicht entwarnen“. Das, was er mit den Gesundheitsministern der Länder beschlossen hat, ist aber de facto eine Entwarnung. Ab Mai müssen sich Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, nicht mehr isolieren. Sie dürfen ganz legal ohne Maske in den Supermarkt oder mit Zehntausenden ins Fußballstadion.

Lauterbach hat damit offiziell das Ende der Pandemie ausgerufen – mit dem Haken, dass das Coronavirus bis Mai nicht aus der Gesellschaft gebannt sein wird.

„Eigenverantwortung“ ist das große Stichwort. Die Menschen, so glauben Lauterbach und Befürworter dieses Beschlusses, werden sich schon solidarisch verhalten und im Corona-Krankheitsfall ausreichend lange zu Hause bleiben. Mit Blick auf das Verhalten so vieler Menschen in den vergangenen zwei Jahren ist das reichlich naiv.

Menschen wird im Sommer Sicherheit fehlen

Ehrlicher wäre es, man würde weniger über „Eigenverantwortung“ reden und mehr darüber, dass man die Pandemie beenden und die Normalität ausrufen möchte. Ab Mai wird billigend in Kauf genommen, dass sich Menschen gegenseitig infizieren. Schnellteststationen werden wegfallen, und so wird es einige unerkannte symptomfreie Verläufe geben.

Das mag auf dem Weg in die Normalität helfen. Aber für Menschen jenseits der 70 Jahre oder für die mit relevanten Vorerkrankungen ändert das einiges. Sie gehören zur Risikogruppe. Auch sie wollen im Sommer wieder aktiver werden, an Veranstaltungen und dem sozialen Leben teilnehmen. Die Sicherheit, zumindest auf getestete Menschen zu treffen, wird ihnen fehlen.

Und das befürwortet ein Karl Lauterbach, der die Lage als angespannt bezeichnet? Man darf sich fragen, was aus dem Mahner Lauterbach geworden ist. Er wollte weiter eine Maskenpflicht – vom Justizminister einkassiert. Er möchte eine allgemeine Impfpflicht – schon jetzt ein politisches Trauerspiel. Er klammert sich an eine Hotspot-Regelung – setzt kaum ein Bundesland um. Der Bundesgesundheitsminister wirkt in diesen Tagen nicht wie der gefeierte Experte. Aus dem Mahner Lauterbach wurde die Marionette Lauterbach.

nach oben Zurück zum Seitenanfang