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Gefälschte Schutzartikel

Das Coronavirus und die Kriminalität: Weniger Hauseinbrüche, neue Betrugsmaschen

Die Corona-Epidemie krempelt gerade die Leben der Menschen um, sie verändert das Straßenbild und bestimmt den Alltag in den Städten und Gemeinden. Wäre es nicht logisch zu erwarten, dass sich die Verbrecherwelt ebenfalls an die neuen Begebenheiten anpasst? Laut der Polizei tut sie das auch.

Problem für Kriminelle: Die Corona-Maßnahmen erschweren jetzt die Einbrüche in Wohnungen. Dafür wird aber mehr in Geschäftsräume eingebrochen. Symbolfoto: dpa Foto: Silas Stein/dpa/Archivbild

Das Coronavirus verändert auch die Welt des Verbrechens. In Zeiten von Home-Office und häuslicher Quarantäne nehmen die Wohnungseinbrüche ab. Dafür blühen im Internet und anderswo neue Betrugsmaschen. Fachleuchte befürchten zudem einen Anstieg häuslicher Gewalt.

Der unbekannte Täter hatte wohl Angst vor dem Virus. Wer immer sich am vergangenen Wochenende durch die Hintertür Zutritt in einen Kiosk im Karlsruher Stadtteil Mühlburg verschafft hat, war nicht an den Wertsachen interessiert: Der Einbrecher ließ ausschließlich Nahrung, Putzmittel und Hygieneartikel mitgehen. Ein möglicher Fall von neuer „Corona-Kriminalität“?

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Die Epidemie krempelt gerade die Leben der Menschen um, sie verändert das Straßenbild und bestimmt den Alltag in den Städten und Gemeinden. Wäre es nicht logisch zu erwarten, dass sich die Verbrecherwelt ebenfalls an die neuen Begebenheiten anpasst? Laut der Polizei tut sie das auch. Zwar gibt es noch keine Statistiken, aber einige Trends.

Lausige Zeiten für Langfinger

Wegen der Corona-Gefahr verlassen ältere und gefährdete Menschen selten ihre Wohnungen. Die Schüler sind daheim, ihre Eltern arbeiten im Home-Office, abends geht man nicht mehr ins Kino, Theater oder Restaurant. Schlecht für Einbrecher, die seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen seltener in Privathäusern ihrem Geschäft nachgehen.

„Hier gibt es einen Rückgang“, sagt Raphael Fiedler vom Polizeipräsidium Karlsruhe. „Dafür sind uns Einbrüche in Geschäftsräume aufgefallen“.

Es geht zum Beispiel um Läden, Kioske und Gaststätten, die wegen Corona schließen mussten. Besondere Sorge macht das der Polizei nicht: „Die dunkle Jahreszeit endet, und damit nehmen die klassischen Einbruchsdelikte ab“, erzählt Fiedler.

Eine weitere gute Nachricht sei die Abnahme von Ladendiebstählen – was sich natürlich mit der Zwangsschließung vieler Geschäfte erklären lässt.

Erhöhte Polizeipräsenz in den Straßen

Die Ordnungshüter sind nach eigenen Angaben stark damit ausgelastet, die Einhaltung der Corona-Rechtsverordnung zu kontrollieren. „Wir haben unsere Präsenz erhöht, das könnte die Kriminellen abschrecken“, berichtet Polizeisprecher Fiedler.

Die Straßen leeren sich schneller, und es sind besonders abends kaum noch Autos unterwegs.

Schwierig für die Verbrechensbekämpfung: Es gibt weniger Zeugen von Straftaten. Allerdings wächst auch für Verbrecher das Risiko, unterwegs entdeckt zu werden oder in eine Fahrzeugkontrolle zu geraten. Besonders schnell fallen jetzt Gruppen auf.

Die Drogen-Hotspots sind jetzt dicht

„Das hat einen positiven Effekt auf die Rauschgiftdelikte, deren Zahl zurückgeht“, sagt Fiedler. Frühere Drogen-„Hotspots“, wie der Karlsruher Schlosspark, seien derzeit unzugänglich: „Uns würde auffallen, wenn dort gedealt wird“.

Dass sich die Rauschgiftkriminalität einfach in die Wohnungen verschiebt, glaubt die Polizei in Karlsruhe nicht: „Dafür braucht man Kontakte, die nicht jeder hat“.

Ein weiteres Plus der Corona-Maßnahmen: Die Raub- und Gewaltverbrechen scheinen zurückzugehen. „Ist ja auch klar“, sagt Fiedler. „Es gibt kein Nachtleben mehr, und die Bars und Diskotheken, wo früher einiges los war, sind alle geschlossen“.

Eine Gefahr sieht der Polizeibeamte in einem möglichen Anstieg der häuslichen Gewalt, bedingt durch die Quarantänemaßnahmen und den Rückzug in die eigenen vier Wände.

Mögliche Zunahme der häuslichen Gewalt

Fiedler berichtet von entsprechenden Beobachtungen der Polizei in Hamburg und zieht einen Vergleich mit Weihnachten und Silvester: „Erst ist alles harmonisch, dann gibt es Konflikte“. Von einer Corona-bedingten Zunahme von familiärer Gewalt warnt auch die Karlsruher „Behandlungsinitiative Opferschutz“ (Bios-BW).

„Gefühle der Einsamkeit oder Langeweile, Isolation, eine Zunahme von Gefahrennachrichten und finanzielle Nöte aufgrund zunehmender beruflicher Unsicherheiten führen zu einer Zunahme des Belastungserlebens“, teilt der Verein mit.

Besonders gefährdet seien Kinder, „die sich derzeit rund um die Uhr im Zugriffsbereich eines potenziellen Täters aufhalten, weil Kitas und Schulen geschlossen sind.“

Das Coronavirus führt zu neuen Betrugsmaschen

Und dann wären da noch die Betrüger, die den Ausnahmezustand für sich nutzen. Das Landesinnenministerium in Stuttgart berichtet von falschen Mitarbeitern von Gesundheitsämtern, die verunsicherten Bürgern Corona-Tests zum Preis von „lediglich“ 5.000 Euro anbieten würden.

„Derzeit gibt es Betrüger, die Schutzanzüge und Mundschutz tragen und angeben, Mitarbeiter von Gesundheitsamt oder Polizei zu sein“, sagt Ministeriumssprecher Renato Gigliotti. „Sie versuchen, sich Zutritt zu Häusern oder Wohnungen zu verschaffen. Dort werden dann Wertgegenstände und Bargeld gestohlen“.

Firma aus Rastatt bietet fragliche Corona-Filter an

Die Polizei rät in solchen Fällen: „Schauen Sie sich Besucher vor dem Öffnen der Tür durch Türspion oder Fenster genau an. Öffnen Sie die Tür nur bei vorgelegtem Sperrriegel. Übergeben Sie kein Geld an vermeintliche Tester an ihrer Haustür. Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung. Wehren Sie sich gegen zudringliche Besucher, sprechen Sie sie laut an oder rufen Sie um Hilfe. Bei akuter Bedrohung rufen Sie 110 an“.

Ein besonderer Betrugsfall im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie beschäftigt zurzeit das Polizeipräsidium Karlsruhe. Eine Firma aus Rastatt macht damit Werbung, mit speziellen Filtern die Coronaviren aus der Wohnungsluft entfernen zu können.

Als „Aktionspreis“ für den „neu entwickelten Luftfilter“ mit einer Reinigungseffizienz von 99,98 Prozent verlangt das Unternehmen 199 Euro, „solange der Vorrat reicht“. Laut Raphael Fiedler geht die Polizei einer Anzeige gegen den dubiosen Anbieter nach.

Immer mehr gefälschte Schutzartikel

Auch die europäische Polizeibehörde Europol warnte am Freitag in einem Bericht vor Betrug im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Laut Europol ist der Verkauf von gefälschten Schutzartikeln seit Ausbruch der Krise gestiegen. Im März waren nach Angaben von Europol bei einem weltweiten Polizeieinsatz gegen Medikamentenfälscher 34.000 gefälschte chirurgische Masken sichergestellt worden.

Gefälscht würden auch antivirale Medikamente. Europol warnt zudem vor Cyber-Kriminellen. Viele Menschen arbeiteten nun zu Hause und schalteten sich über weniger gut gesicherte Heimcomputer in die Netzwerke von Firmen oder Organisationen.

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