Für Premierministerin Theresa May heißt es jetzt: packen und der Downing Street "Goodbye" sagen. So wie es schon ihr Vorgänger David Cameron 2016 getan hat. Foto: imago

Londoner Machtwechsel

Der Abschied in der Downing Street

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„Er ist verletzend, so ein Abschied“, kommentierte einmal seufzend ein BBC-Moderator den Anblick der Matratzen, Lampen und Stühle, die eilig in einen Umzugswagen in der Downing Street verladen wurden.

Ein Premier machte Platz für einen anderen in der Nummer 10 – und vollzog vor der Augen der Öffentlichkeit einen Wandel vom mächtigsten Mann im Land zu einer unbedeutenden Privatperson.

Theresa May wird es an diesem Mittwoch nicht anders gehen als ihren Vorgängern David Cameron oder Tony Blair. Das Ritual der Machtübergabe am Amtssitz des britischen Regierungschefs ist unveränderlich, pragmatisch und rücksichtslos, was die Gefühle der Spitzenpolitiker angeht. Er beginnt meist am Abend vor dem Rücktritt mit der Einfahrt des Umzugswagens – ein erstes Zeichen der nahenden Veränderungen im Zentrum der Staatsmacht seit 1735. Unterdessen bereitet sich der Amtsinhaber auf einen bewegenden Tag vor.

Da May an einem Mittwoch „Goodbye“ sagt, muss sie noch um zwölf Uhr zu ihrer letzten Fragerunde im Westminster-Parlament erscheinen – den „Prime Minister’s Questions“. Die im Fernsehen live übertragene Sitzung ist eine Herausforderung für die Regierungschefs, die souverän und schlagfertig wirken müssen. An einem Tag wie diesem lassen jedoch selbst die schärfsten Zungen der Opposition Milde walten. Man darf gespannt sein, wie sich May vom Unterhaus verabschieden wird. David Cameron tat es vor drei Jahren mit den bitteren Worten: „Ich war einst die Zukunft“.

Vor dem Palast wartet der Privatwagen

Die 62-jährige May musste schon einmal mit den Tränen kämpfen, als sie im Mai ihren Rücktritt bekanntgab. Wenn sie am Mittwoch erneut eine Abschiedsrede vor der Nummer 10 hält, dürfte diese ähnlich emotional ausfallen. Nach dem Abschied von ihren Mitarbeitern wird die Premierministerin die Queen aufsuchen, um entlassen zu werden. Sobald sie aus der Tür des Palastes hinaustritt, wird ihre kurze Ära vorbei sein.

Es geht dann immer Schlag auf Schlag: Auf einmal ist der gepanzerte Dienstwagen weg, der Privatwagen wird vorgefahren, mit einem Geschenk der Königin im Kofferraum bricht der Ehemalige zu seinem neuen Leben als Normalsterblicher auf. In der Downing Street werden unterdessen eifrig Umzugskartons geschleppt. Die vierköpfige Familie Cameron hatte beim Auszug 330 Stück davon.

May hatte ihrem Parteifreund 2016 nur einen Tag Zeit gegeben, um aus der Downing Street zu verschwinden. Ihr Nachfolger Boris Johnson wird sich mit dem Umzug dagegen gedulden müssen. Mays Wohnung über der Nummer 10 ist dem Blondschopf zu klein. Die geräumigere Dienstwohnung des scheidenden Schatzkanzlers Phil Hammond in der Nummer 11 wird aber erst am Wochenende frei werden.