Armin heißt die Antwort der CSU auf den YouTuber Rezo. In seinem neuen Kanal "CSYou" will er alle zwei Wochen über Politik sprechen.
Armin heißt die Antwort der CSU auf den YouTuber Rezo. In seinem neuen Kanal "CSYou" will er alle zwei Wochen über Politik sprechen. | Foto: Screenshot BNN

Format „CSYou“ gestartet

CSU-Influencer knöpft sich Grüne und Greta vor – und erntet Häme

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Die CSU hat ihre Antwort auf den YouTuber Rezo gefunden, der mit seinem Video „Die Zerstörung der CDU“ kurz vor der Europawahl große Wellen geschlagen hatte. „Armin“ heißt ihr Sprachrohr für die Jugend, am Samstag hat er das erste Video im neu gegründeten Kanal „CSU im Bundestag“ veröffentlicht – und dafür vor allem Häme geerntet.

Vorangegangen war eine Ankündigung der CSU-Landesgruppe auf Twitter: „Die Antwort auf @rezomusik heißt Armin.“ Armin heißt mit vollem Namen Armin Petschner, ist 30 Jahre jung und Beauftragter für digitale Kommunikation bei der CSU-Landesgruppe in Berlin. Für die YouTube-Offensive der Christsozialen hat er sich auch äußerlich an die Zielgruppe angepasst: Hornbrille, Anzug und Krawatte, mit denen er sonst im Berliner Politbetrieb unterwegs war, legte er ab, die braunen Haare färbte er wasserstoffblond.

Greta Thunbergs Klimabilanz ist der „Aufreger der Woche“

In dem mit Sprechblasen, Soundeffekten und schnellen Schnitten auf jugendlich getrimmten Video spricht Armin fünf Minuten lang über „Tagespolitik und unsere Arbeit im Bundestag“ – so kündigt er es zumindest an. Tatsächlich geht es in der ersten Sendung von „CSYou“ unter anderem um Greta Thunbergs Fahrt mit einem Segelboot zum Klimagipfel in New York – laut Armin der „Aufreger der Woche“. Denn das eigentlich Ziel der Reise, zu zeigen, wie man klimaneutral reist, werde verfehlt: Um das Segelboot zurück nach Europa zu bringen, müssten fünf Mitarbeiter nach New York fliegen.

Liebe Greta, wenn du das nächste Mal in die USA fliegst, nimm einfach den Flieger. Ist besser fürs Klima.

Armin Petschner

Damit werde durch die Reise mehr CO2 produziert als wenn die Klimaaktivisten einfach ins Flugzeug nach New York gestiegen wäre, führt Armin aus und rät: „Liebe Greta, wenn du das nächste Mal in die USA fliegst, nimm einfach den Flieger. Ist besser fürs Klima.“ Auch die Grünen kommen in dem Video nicht gut weg: Seit Beginn der Wahlperiode seien sie von allen Bundestagsabgeordneten „am allermeisten“ geflogen, nämlich genau 126 Mal. „Dabei betonen die Grünen immer, wie wichtig ihnen der Klimaschutz ist“, fügt der Moderator in ironischem Tonfall hinzu.

Vorher, nachher: Armin Petschner mit Anzug, Krawatte und Hornbrille und mit blondierten Haaren im YouTube-Video.
Vorher, nachher: Armin Petschner mit Anzug, Krawatte und Hornbrille (rechts) und mit blondierten Haaren im YouTube-Video (links). | Foto: Screenshot Twitter

Anders als YouTuber Rezo belegt Armin seine Aussagen nicht mit Quellen. Und das ist nicht die einzige inhaltliche Schwäche: So lässt er bei den Flugzahlen der Grünen-Abgeordneten unerwähnt, wie oft andere Fraktionsmitglieder in den Flieger gestiegen sind. Schaut man sich die absoluten Zahlen an, stellt sich nämlich heraus, dass die Grünen mit 1,9 Einzelflügen pro Kopf (126 gesamt) zwar durchschnittlich am meisten mit dem Flugzeug gereist sind – allerdings hat die größere Fraktion von CDU und CSU im gleichen Zeitraum 330 Flüge absolviert.

Im „Klartext der Woche“, der nächsten Kategorie des Beitrags, kritisiert Armin eine Demonstration gegen Rechts in Dresden, bei der „Deutschlandflaggen ausdrücklich nicht erwünscht waren“, stattdessen aber „Antifa-Flaggen und DDR-Symbole“ gezeigt wurden. Als DDR-Symbol bezeichnet der Moderator dabei eine rote Flagge mit dem Sichelsymbol der ehemaligen Sowjetunion.

Wo sind die Quellenangaben?

Die inhaltlichen Mängel fallen auch dem YouTube-Publikum auf: Wo sind die Quellenangaben, fragen viele in ihren Kommentaren zum Video. Und auch die Aufmachung des Videos erntet viel Spott: Als „Zippel-Zappel-Auftritt“ bezeichnet jemand die Darstellung; „Warum ist die CSU auf die Idee gekommen, noch ein Medium mehr zu nutzen zur eigenen Bloßstellung?“, fragt ein anderer.

Es wurde nichts gelöscht, und wir werden auch nichts löschen

Ein CSU-Sprecher zu Kommentaren

Mehr als 500 000 Mal wurde das Video bis Dienstagabend bei YouTube aufgerufen, 3 000 Mal klickten die Nutzer auf den Daumen nach oben, der für „Gefällt mir“ steht, 110 000 Mal ging der Daumen nach unten. Viele Nutzer kritisierten, dass ihre Kommentare gelöscht worden seien, dem widerspricht die CSU: „Es wurde nichts gelöscht, und wir werden auch nichts löschen“, sagte ein Sprecher. Auf negative Reaktionen sei man durchaus eingestellt. „Wir haben Erfahrung im Umgang mit Kritik.“

Kritik erntet das Video der CSU nicht nur auf YouTube. Auch auf anderen Internetplattformen wie Twitter häufen sich die negativen Kommentare. Der Versuch der CSU, den Angriff von Rezo zu kontern, er scheint nach hinten loszugehen.