Flüchtlinge auf dem Mittelmeer
Flüchtlinge aus Afrika in einem Schlauchboot vor der Küste von Libyen. | Foto: Olmo Calvo

EU: Mythen und Fakten (4)

Die Flucht nach Europa

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Die Europäische Union zählt heute 513 Millionen Menschen, ihre Bevölkerungszahl wuchs seit 2015 um mehr als vier Millionen: Grund genug für manche, die Gemeinschaft der (noch) 28 Staaten wegen des angeblich ungehinderten Migrantenstroms und der ungesicherten Außengrenzen zu kritisieren. Zwar ist für das Problem der Flüchtlingsverteilung nach einem einheitlichen Schlüssel weiterhin keine Lösung in Sicht, jedoch entbehren manche populären Mythen um die Migration in der EU, deren Außengrenzen jährlich 700 Millionen Menschen überqueren, jeglicher Grundlage.
So stimmt es etwa nicht, dass die jeweils etwa 7 700 und 43 000 Kilometer lange Land- und Seegrenze des Schengen-Raums (26 Staaten) völlig offen ist. Seit 2016 hat die EU eine neue europäische Grenz- und Küstenwache, genannt Frontex, die nach eigenen Angaben derzeit rund 650 Köpfe zählt. Sie soll die insgesamt mehr als 100 000 Grenzschützer der Mitgliedsstaaten verstärken. Nach dem Willen des Europaparlaments und der EU-Staaten wird Frontex bis 2027 auf bis zu 10 000 Einsatzkräfte ausgebaut werden.
Die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge in Europa ist in den vergangenen drei Jahren zurückgegangen – von rund 370 000 in 2016 auf etwa 140 000 im vergangenen Jahr (UN-Angaben). Seit Januar 2019 überquerten etwa 12 000 Flüchtlinge die See- und 5 000 die Landgrenze der EU. Zur vollen Wahrheit gehört auch, dass im vergangenen Jahr mehr als 2 200 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer umgekommen sind, seit Jahresbeginn mehr als 350 Menschen.
Fakt ist: Das Bild von der Europäischen Union, die von Geflüchteten aus Kriegs- und Krisengebieten überrannt wird, stimmt so nicht. Seit dem Höhepunkt der Krise 2015 sind durch den Pakt mit der Türkei und eine Teilabschottung Europas die Zahlen der neuen Asylanträge in der EU gesunken. Dennoch bleiben die Steuerung der Migration und der Schutz der Grenzen eine große Herausforderung für Europa, das weiterhin über eine faire Flüchtlingsverteilung streitet.