Lawrow-Pressekonferenz
Sergei Lawrow während seiner jährlichen Pressekonferenz in der russischen Hauptstadt. | Foto: Pavel Golovkin/AP

Kommentar

Die zögerliche deutsch-russische Annäherung

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Auf einmal zeigt sich der grimmige Chefdiplomat Wladimir Putins von seiner freundlichen Seite. Außenminister Sergej Lawrow, sonst eher für dröhnend offensive Rhetorik bekannt, lobt eine neue, „positive Dynamik“ in den Beziehungen zwischen Russland und Deutschland – und spricht in einem Zeitungsinterview sogar von „unseren Freunden“. Solche sanften Töne hat man aus Moskau schon länger nicht mehr gehört.

Der Stimmungswandel der russischen Führung könnte eine Reaktion auf eine scheinbare politische Kurskorrektur in Deutschland sein. So wertete zuletzt Außenminister Heiko Maas Russland zu einem einflussreichen Global Player auf, ohne den heute „kaum eine der drängenden Fragen der Weltpolitik“ gelöst werden könne.

Mit einem an keine Bedingungen geknüpften, offenen Dialogangebot lockt Maas jetzt Moskau heraus aus der Schmollecke. Zuvor hat bereits Sachsens Landeschef Michael Kretschmer sich eine Annäherung an Russland gewünscht und ein Ende der Sanktionen gefordert, was an der Moskwa sehr positiv aufgenommen wurde.

Beide Vorstöße sind nicht so sehr nach außen wie nach innen gerichtet: Maas’ Anknüpfung an die klassische sozialdemokratische Entspannungspolitik im Geist von Brandt und Bahr zielt darauf, das außenpolitische Profil seiner kriselnden Partei zu schärfen. Kretschmer dagegen hat die baldige Sachsen-Wahl im Blick. Die wegen der Annexion der Krim 2014 verhängten Sanktionen gegen Russland bremsen insbesondere die Wirtschaft im Osten aus. Der CDU-Mann will der AfD den Wind aus den Segeln nehmen, indem er sich deren Forderung nach der Aufhebung der Strafmaßnahmen zu eigen macht.

Doch wenn Moskau eine „positive Dynamik“ sieht, sollte man sie nutzen. So könnte jetzt der Petersburger Dialog die verkümmerte Partnerschaft beleben, indem er gemeinsame Interessen beider Länder definiert und Vertrauen wieder aufbaut. Bis zu einem echten Neustart in den Beziehungen ist es aber noch weit.