Einsatzkräfte
Zweien der Männer wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zur Last gelegt. | Foto:  Bodo Marks

Schwarzpulver zum Bombenbau

Drei Iraker unter Terrorverdacht festgenommen

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Die Polizei hat in Schleswig-Holstein drei mutmaßliche Islamisten aus dem Irak festgenommen, die einen Terroranschlag in Deutschland geplant haben sollen. Im Rahmen der Festnahmen wurde laut Informationen des SWR auch eine Wohnung in Forst nahe Bruchsal durchsucht. 

Einer der drei Iraker, der 23-jährige Shahin F., hat sich den Ermittlungen zufolge Bauanleitungen für eine Bombe besorgt und einen Zünder in Großbritannien bestellt, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Die Verdächtigen wurden am Morgen im Kreis Dithmarschen gefasst. Beteiligt waren Spezialkräfte des Bundeskriminalamts und die GSG9 der Bundespolizei. Die Wohnungen der Verdächtigen wurden durchsucht.

Wohnungsdurchsuchung in Forst

Durchsucht wurden nach Angaben der Anklagebehörde auch die Wohnungen weiterer, bislang nicht tatverdächtiger Kontaktpersonen in Mecklenburg-Vorpommern und in Baden-Württemberg.

Laut Angaben des SWR soll es sich dabei um eine Wohnung in Forst handeln. Die Bewohnerin gelte aber nicht als Beschuldigte, sondern als Zeugin im Ermittlungsverfahren. „Ich sehe keinen Anlass, diese Informationen zu dementieren“, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft gegenüber BNN.de  Die Frau soll einen islamistisch motivierten Kommentar eines der Männer in einem Sozialen Netzwerk zustimmend kommentiert haben, meldet der SWR.

Männer lebten als anerkannte Flüchtlinge in Deutschland

Die drei Männer haben als anerkannte Flüchtlinge in Deutschland gelebt. Dies sagte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch. Die mutmaßlichen Islamisten, die den Ermittlungen zufolge einen Anschlag hierzulande planten, hätten subsidiären Flüchtlingsschutz genossen. Dieser subsidiäre Schutz greift ein, wenn weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewährt werden können und im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht – etwa Folter oder Todesstrafe.

Münch sagte, den Ermittlungen zufolge hatten die Verdächtigen die Überlegung, «möglichst viele Menschen zu töten». Bis zu 200 Mitarbeiter verschiedener Polizeibehörden hätten sie zuletzt teilweise rund um die Uhr überwacht.

Ein konkretes Ziel für ihren Anschlag hatten die Beschuldigten noch nicht, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Ob sie in eine terroristische Vereinigung eingebunden sind, müssten die Ermittlungen klären.

„Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“

Zweien der Männer, Shahin F. und dem ebenfalls 23-jährigen Hersh F., wird nun die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zur Last gelegt. Der dritte, der 36-jährige Rauf S., soll Beihilfe geleistet haben, indem er versuchte, eine Pistole zu besorgen. Zudem erwog das Trio, bei ihrem Anschlagsplan ein Kraftfahrzeug einzusetzen. Daher habe Shahin F. Fahrunterricht genommen, teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Die Festgenommenen sollen noch am Mittwoch dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden. Er entscheidet, ob sie in Untersuchungshaft kommen.

Hinweis vom Verfassungsschutz

Nach bisherigen Ermittlungen entschlossen sich die beiden jüngeren Männer Ende 2018, in Deutschland einen islamistisch motivierten Anschlag zu verüben und begannen mit den Vorbereitungen. Erste Hinweise an die Polizei kamen vom Bundesamt für Verfassungsschutz, wie Innenminister Horst Seehofer berichtete. Der CSU-Politiker lobte die gute Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern und wies darauf hin, dass die Sicherheitslage hierzulande angespannt bleibe. Ein terroristischer Anschlag könne jederzeit erfolgen.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatten die Männer bereits begonnen, aus Silvesterböllern Schwarzpulver für Sprengversuche zu gewinnen. Die Auslieferung der in Großbritannien über einen Kontaktmann bestellten Zündvorrichtung wurde aber von den dortigen Strafverfolgungsbehörden verhindert.

Der Anbieter der Pistole vom Typ Makarov Kaliber 9 Millimeter, Walid Khaled Y.Y., ist dem Vernehmen nach nicht als Islamist bekannt. Er werde «gesondert verfolgt», teilte der Generalbundesanwalt mit. Die Waffe soll den Verdächtigen aber zu teuer gewesen sein. Die Durchsuchungen in weiteren Bundesländern könnten mit möglichen kriminellen Aktivitäten des Waffenanbieters zu tun haben.

Mit Material von dpa