Immer gut informiert: Der US-Amerikaner Spencer Mason hält seinen Präsidenten Trump für einen Schurken und Lügner. Doch dass er der Demokratie schaden könnte, glaubt er nicht, selbst im Falle einer Wiederwahl.
Immer gut informiert: Der US-Amerikaner Spencer Mason hält seinen Präsidenten Trump für einen Schurken und Lügner. Doch dass er der Demokratie schaden könnte, glaubt er nicht, selbst im Falle einer Wiederwahl. | Foto: Weisenburger

Chorsänger zur Präsidentenwahl

Ein Amerikaner in Pforzheim: „Die Demokratie ist stärker als Donald Trump“

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Der Kampf ums Weiße Haus wird bis aufs Messer und in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Und das gibt ihm Hoffnung, sagt Spencer Mason, ein US-Amerikaner aus Pforzheim. Er glaubt, dass seine Heimat stark genug ist, um Donald Trump auszuhalten und zu überleben.

Gezählt wird seine Stimme im November in New York City. Doch davor, danach und währenddessen erhebt er sie im Chor des Pforzheimer Stadttheaters. Spencer Mason, 62, hat seine Heimat bereits vor über 30 Jahren verlassen. Doch die Politik der USA treibt ihn auch in der Fremde um, heute mehr denn je. Als Mason nach Deutschland kam, galt Amerika als Ursprung und Ort der modernen Demokratie. Heute scheint es, als eifere man in Washington mehr dem Demokratieverständnis von Putin oder Erdogan nach als den Ideen von Benjamin Franklin und Thomas Jefferson. Über die politische Situation in den USA sprach der Sänger mit unserem Redaktionsmitglied Roland Weisenburger.

Mister Mason, ihr Präsident beansprucht absolute Macht, sein Justizminister begünstigt Trump-Freunde unter Anklage, die Presse reagiert immer hysterischer: Was ist da los im Mutterland der Demokratie?

Mason: Politik in den USA ist immer Drama und Theater. Amerika ist nicht zufällig der Meister der Oberflächlichkeit. Egal ob Film, Fernsehen, iPhone, iPad: Erfolgreiche Dinge aus den USA sind immer zweidimensional. Trump ist eine perfekte Oberfläche,und er äußert sich nur oberflächlich. Wenn Trump den Demokraten Bernie Sanders beschreibt, sagt er: „Das ist ein Kommunist.“ Spricht Sanders über Trump, wird daraus ein zweistündiger Vortrag. Verglichen mit den USA ist die Politik hier in Deutschland rührend altbacken. Hier geht es sehr viel ehrlicher zu, als bei uns zu Hause.

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Die Republikaner im Senat haben alle Vorwürfe, Trump habe seine Macht missbraucht, abperlen lassen. Gesetzestreue Beamte und Diplomaten fliegen raus, Justizminister Barr bestellt milde Urteile für Trump-Vertraute vor Gericht. Wünschten Sie sich für die US-Politik nicht auch etwas mehr Altbackenheit?

Mason: Das Impeachment-Verfahren war eine Offenbarung. Es hat uns gezeigt, wie dreist und widerwärtig die Leute ihre Agenda durchsetzen. In der Trump-Regierung herrscht offenbar eine Art Clubatmosphäre. Loyalität ist da alles. Diese Leute agieren mit äußerstem Kalkül und krimineller Energie. Sie rechnen fest damit, dass Trump wiedergewählt wird.

Was würde eine Wiederwahl bedeuten? Müsste man sich um die demokratischen Institutionen der USA und um den Rest der Welt sorgen?

Mason: Für die Umwelt wäre es eine Katastrophe und in der Geopolitik würde er auch noch eine ganze Menge mehr durcheinander bringen. Aber er hat einen fast beruhigenden Schiss vor Krieg. Deshalb gehe ich nicht davon aus, dass er die Welt in einen großen Krieg stürzt. Die amerikanische Demokratie ist stark genug, um acht Trump-Jahre auszuhalten. Der Wechsel wird kommen und dann geht es wieder in die andere Richtung. Aber keine Angst: Trump wird bis dahin genug Mist gebaut haben.

Einen fundamentalen Abbau demokratischer Strukturen wie in einigen Staaten Osteuropas können Sie sich nicht vorstellen?

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Mason: Wir werden einen sehr intensiven, fast blutrünstigen Kampf auf offener Bühne erleben, den wir so in Russland nie sehen würden. Trump bringt seine Gegner selbst auf die Straße. Kurz nach seiner Wahl schon formierte sich der Protest der Frauen. MeToo hätte es ohne ihn wohl nie gegeben. Sehr sehr viele Menschen hassen Donald Trump. Die kann man nicht ruhig stellen. Das funktioniert auf lange Sicht nicht.

Das heißt, Sie gehen von einem Wahlsieg Trumps im November aus und einer geordneten Machtübergabe dann 2024?

Mason: Na ja, vielleicht bin ich ja doch noch ein wenig optimistischer. Der Impeachment-Prozess war eine wahnsinnige Erniedrigung für Trump. Er musste sich den ganzen Tag anhören, was für ein Schurke und Lügner er ist. Tagsüber im Congress und abends dann in den Comedy-Shows. Unsere Demokratie ist langfristig stärker als Donald Trump, weil die Öffentlichkeit nicht verstummen kann. Aber wenn die Demokraten den richtigen Kandidaten aufstellen, dann kann der Wechsel auch kurzfristig klappen.

Und an wen hätten Sie da gedacht?

Mason: Bernie Sanders ist großartig, aber nicht sexy genug. Pete Buttigieg ist sexy, aber Amerika ist noch nicht reif für einen Präsidenten, der mit einem Mann verheiratet ist. Vielleicht ja Michael Bloomberg – der hätte gute Chancen gegen Trump. Und im Moment ist das wohl das Wichtigste.

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