Die Firma CureVac aus Tübingen nutzt bei der Entwicklung eines effizienten Impfstoffs gegen Sars-CoV-2 die sogenannte mRNA-Technologie und schätzt die Kosten des gesamten Verfahrens auf über 500 Millionen Euro. Foto: CureVac

CureVac arbeitet an Impfstoff

Ein Gramm Wirkstoff könnte in Corona-Pandemie eine Million Menschen retten

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Im globalen Wettrennen um einen Impfstoff gegen das Coronavirus könnte noch bis zum Jahresende eine innovative Lösung „Made in Baden-Württemberg“ auf den Markt kommen. Das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac macht Hoffnung, dass in Rekordzeit „das Material für Hunderte Millionen Menschen“ vorliegen werde – vorausgesetzt, das Zulassungsverfahren werde beschleunigt.

Jetzt schaut auch das Staatsoberhaupt gebannt nach Tübingen. In einem Gratulationsschreiben zum 80. Geburtstag des Unternehmers und Milliardärs Dietmar Hopp äußert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Hoffnung auf „Fortschritte Ihrer Biotech-Firma bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das schreckliche Coronavirus“.

Im globalen Wettrennen vorne dabei

Diese Hoffnung ist nicht unbegründet. Die Welt braucht in der Pandemie eine Lösung, um die Massen zuverlässig und schnell gegen Sars-CoV-2 zu immunisieren. Und das kleine Tübinger Pharmaunternehmen CureVac, das mehrheitlich Hopp gehört, ist im globalen Wettrennen um den Impfstoff vorne mit dabei.

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Die Firma mit 450 Mitarbeitern, um deren Übernahmebestrebungen aus den USA es vor einigen Wochen einen Riesenwirbel gab, setzt dabei auf molekulares Hightech – das sogenannte messenger-RNA-Verfahren (mRNA), bei dem verschwindend geringe Mengen des Wirkstoffs ausreichen könnten, um ganze Länder zu schützen.

Laut neuen Einschätzungen von CureVac wird das Material in den nächsten acht Monaten vorliegen. Voraussetzung dafür sei jedoch eine vereinfachte „konditionelle Zulassung“ in Deutschland.

Friedrich von Bohlen und Halbach, Mitgründer der dievini Hopp BioTech holding, die einen Großteil der Anteile an der Tübinger Pharmafirma CureVac hält. Foto: CureVac

Das Unternehmen stehe in einem konstruktiven Austausch mit dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institut, sagt Friedrich von Bohlen und Halbach, Mitglied des Aufsichtsrats von CureVac und Mitgründer der dievini Hopp BioTech holding, die einen Großteil der Anteile an der Tübinger Pharmafirma hält: „Die Themen Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit könnten gegebenenfalls kombiniert geprüft werden. Wenn alles gut geht und gleichzeitig der Druck hoch bleibt, einen Impfstoff zu haben, dann kann er noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.“

Erste klinische Studie in Deutschland genehmigt

Dass CureVac als Erster die Ziellinie erreicht, ist allerdings selbst bei günstigen Bedingungen nicht zu erwarten. Denn in dieser Woche genehmigte die Zulassungsinstanz der Mainzer Firma BioNTech eine erste klinische Studie eines Impfstoffs gegen Covid-19. Weltweit ist dies die vierte derartige Prüfung am Menschen.

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In einer Konferenz aus der Reihe „Helden aus dem Ländle“, die vom Jungen Wirtschaftsrat der CDU organisiert wird, gratulierte von Bohlen am Mittwochabend den Mainzer Kollegen. Er stellte jedoch klar: „Es geht primär um alle Menschen und nicht um die Frage, wer Erster ist.“

CureVac arbeitet an einem besonders effizienten Impfstoff

CureVac werde einen der besten Impfstoffe haben, zeigte sich der Neurobiologe überzeugt: „Falls ein Mikrogramm vollen Impfschutz bieten kann, so wie wir es bei Tollwut gesehen haben, dann könnten wir mit einem Gramm Wirkstoff bis zu eine Million Menschen schützen.“

Es geht primär um alle Menschen und nicht um die Frage, wer Erster ist.

Friedrich von Bohlen und Halbach, Mitglied des Aufsichtsrats von CureVac

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich sagen manche Experten der mRNA-Technologie, die auch BioNTech vorantreibt, eine glänzende Zukunft voraus. Sie bringt den Körper dazu, seine eigenen Abwehrmechanismen zu nutzen. Dazu programmieren die Forscher den natürlichen Botenstoff mRNA mit der Information über ein Protein des Coronavirus und schleusen ihn dann in menschliche Zellen ein.

Natürliche Virusinfektion nachgeahmt

Der Körper erkennt das produzierte fremde Protein und aktiviert seine Immunzellen, um Antikörper und T-Zellen dagegen herzustellen. Auf diese Weise wird die natürliche Virusinfektion nachgeahmt – und der Organismus dazu gebracht, das echte Virus beim ersten Kontakt zu erkennen und zerstören.

Von Bohlen schätzt die Kosten für die Entwicklung eines Corona-Impfstoffes nach diesem Verfahren auf über 500 Millionen Euro. „So viel Geld hat CureVac heute nicht“, gibt der Biotech-Unternehmer zu. Nach seinen Worten hat jedoch die EU ihre Unterstützung zugesagt, und die Bundesregierung denke über einen Fonds nach, der CureVac helfen könnte.

Trumps gescheiterter Übernahmeversuch

Ein willkommener Schritt für das an der Börse noch nicht notierte Unternehmen, das US-Präsident Donald Trump angeblich übernehmen wollte, um den Impfstoff exklusiv für die USA zu bekommen. Von Bohlen will sich dazu nicht näher äußern. Nur so viel: „Es ist unglaublich, was diese Mutmaßungen ausgelöst haben. Hätte es Corona nicht gegeben, hätte die breite Öffentlichkeit von CureVac vermutlich erst in ein paar Jahren erfahren, wenn unser erstes Produkt auf den Markt gekommen wäre.“

Alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Krise in der Region im Überblick

Dass die Bundesregierung den großen Wert der innovativen Impfstoffherstellung erkannt habe, sei zu begrüßen: Schließlich gehe es um die „Arbeitsplätze der Zukunft“.

Bleibt noch die Frage, wer in Zukunft als Erster den Corona-Schutz „Made by CureVac“ erhalten soll. Von Bohlens Antwort lautet: jedermann. „Supranationale Organisationen wie die WHO sollten eine gewichtige Rolle bei der Entscheidung haben, welchen Regionen zuerst Impfstoff bereitgestellt werden sollte.“