Die Europäische Kommission wird oft wegen ihrer angeblichen Regelungswut kritisiert.

EU: Mythen und Fakten (2)

Epischer Kopfkohl bewegt die Gemüter

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Was hat Kopfkohl mit Europa zu tun? Nun, das bei Köchen geschätzte und an sich unpolitische Gemüse hat seinen Teil dazu beigetragen, Anti-EU-Ressentiments zu schüren und den Rechtspopulisten Argumente gegen die angebliche Diktatur der Brüsseler Bürokratie zu liefern.

2016 twitterte eine britische Boulevardjournalistin den folgenden Satz: „Das Vaterunser ist 66 Worte lang, die Zehn Gebote: 79 Worte, die Gettysburg Address: 272 Worte. Die EU-Vorschriften für Kohl-Verkauf: 26 911 Worte“. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht von der epischen Kohl-Verordnung in den sozialen Medien. Ihr Wahrheitsgehalt ist aber gering, und sie hat eine lange Geschichte.

Im Zweiten Weltkrieg regelte die US-Regierung die Preise von Kohlsamen über eine Verordnung, die etwa 2 600 Worte enthielt. Irgendwann kam jedoch ein Gerücht auf, dass es eine neue Regelung gebe, die zehnmal so lang sei. Der Mythos von den 26 911 Worten wurde von US-Politikern und Journalisten in den 1950er und 1980er Jahren wiederholt zitiert, um die angebliche Regelwut des Staates zu illustrieren. 2006 nutzte ihn schließlich ein britischer Lord bei einer Debatte im Oberhaus um EU-Richtlinien für den Export von Eiern.

Fakt ist: Die aktuelle „EU-Verordnung zur Festlegung der Vermarktungsnorm für Kopfkohl“ von 2006 umfasst 536 Worte.