Fregatte «Augsburg»
Die Fregatte «Augsburg» der Deutschen Marine ist zurzeit noch im Rahmen der EU-Marinemission "Sophia" im Einsatz. | Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Kommentar

Falsches Zeichen

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Der deutsche Teilrückzug aus der EU-Mission „Sophia“ ist ein falsches Zeichen, es muss aber nicht ein Ende des europäischen Anti-Schleuser-Einsatzes im Mittelmeer bedeuten. Falsch ist es, weil die multinationale Operation als ein gelungenes Beispiel der effizienten europäischen Zusammenarbeit gilt, um ein großes Problem an den Grenzen der Gemeinschaft zu lösen – das Problem der notleidenden Menschen auf der Flucht.

Zehntausende Migranten verdanken ihre Leben den koordinierten Schiffspatrouillen zwischen Europa und Libyen. Natürlich musste die deutsche Marine ihren Beitrag zur Menschenrettung leisten. Nach der humanitären Asyl-Willkommensgeste der Kanzlerin im Jahr 2015 hätte alles andere in Europa auf Unverständnis gestoßen. Darum ist es falsch, wenn Berlin „Sophia“ nur noch auf Sparflamme fährt, es widerspricht dem Anspruch der deutschen Außenpolitik, sich international bei der Bewältigung gemeinsamer Krisen aktiv einzubringen.

Der Streit um die Flüchtlingsverteilung kann kein Grund für die deutsche Kehrtwende bei „Sophia“ sein, denn die Not im Mittelmeer wird so bald nicht geringer. Deutschland sollte mitmachen, jedoch darauf hinarbeiten, die Strategie im Kampf gegen die Schleuser zu verbessern. Sie zielte auf die Zerstörung von billigen Schlepperbooten und hatte wenig Erfolg, solange die skrupellosen Geschäftemacher leicht Nachschub liefern konnten. Um den zu stoppen, müssten die Europäer an Libyens Küsten agieren.