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Fragen und Antworten

Digitaler Impfausweis: Ein Barcode bringt die Freiheit zurück

Der gelbe Impfausweis aus Pappe erhält Konkurrenz. Künftig reicht eine App auf dem Smartphone. Antworten auf die wichtigsten Fragen im Überblick.

Smartphone statt Impfausweis: Schon ab dem Sommer soll der Impfnachweis über eine App möglich sein. Wer gegen Corona geimpft wurde, erhält damit möglicherweise schon bald Freiheiten zurück. Foto: Sina Schuldt/dpa

Er ist knallgelb, besteht aus dünnem, aber festem Karton, ist im DIN-A6-Format und trägt das Wappen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Wie der Personalausweis gehört der Internationale Impfausweis zur Grundausstattung aller rund 82 Millionen Bundesbürger.

Nach Paragraf 22 des Infektionsschutzgesetzes wird er bereits bei der Geburt ausgestellt und bleibt ein ganzes Leben lang gültig. Im Impfbuch werden alle Schutzimpfungen und Auffrischungen verzeichnet.

Und er ist auch ein Reisedokument. Die meisten afrikanischen und südamerikanischen Länder verlangen bei der Einreise den Nachweis, dass eine Impfung gegen gefährliche Infektionskrankheiten wie Tollwut oder Gelbfieber vorliegt.

Hat Papier bald ausgedient?

Doch im Zeitalter der umfassenden Digitalisierung des Gesundheitswesens könnte auch für den guten alten Impfausweis auf Papier das letzte Stündlein schlagen. Die EU plant schon seit längerem die Integration des Impfpasses in die elektronische Patientenakte (ePA), der nach den bisherigen Planungen im kommenden Jahr in der gesamten EU eingeführt werden solle, analog dazu sollte auch in Deutschland das Impfbuch Teil der ePA werden, die bereits seit Anfang des Jahres probeweise in Betrieb genommen wird.

Die Corona-Pandemie beschleunigt nun diese Pläne. Die Botschafter der EU-Staaten haben sich vor wenigen Tagen auf eine gemeinsame Linie für das sogenannte „Grüne Zertifikat“ geeinigt – einen digitalen Nachweis über eine erfolgte Corona-Impfung.

Damit soll nicht nur das Reisen für Geimpfte innerhalb der EU, sondern auch die Rückkehr zu einem normalen Leben mit den alten Freiheiten wieder möglich werden. Unser Redaktionsmitglied Martin Ferber beantwortet die wichtigsten Fragen zum digitalen Impfpass.

Was beinhaltet der digitale Impfnachweis?

Eine Impfung, ein Smartphone, eine App und ein Barcode. Mehr ist für das „Grüne Zertifikat“ nicht nötig. Der Code zeigt an, wann und mit welchem Impfstoff die Impfung gegen das Coronavirus erfolgte. Zudem soll aber auch verzeichnet werden, ob man negativ getestet wurde oder eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden hat.

Wie soll das funktionieren?

Für die Ausstellung des Nachweises sind die Akteure im Gesundheitswesen zuständig, also im Falle einer Erkrankung die Arztpraxen, Krankenhäuser oder Gesundheitsbehörden, im Falle der Impfung die Impfzentren oder Arztpraxen. Nach der Impfung wird ein sogenannter Impfbescheinigungstoken in Form eines 2D-Barcodes erstellt, der auch ein digitales Echtheitszertifikat enthält. Diesen kann der Patient entweder sofort mit seinem Smartphone einscannen oder er erhält einen Papierausdruck, um den Code später einscannen zu können. Dazu ist eine eigene App nötig, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums derzeit entwickelt wird. Der Code soll aber auch in der bereits bestehenden Corona-Warn-App gespeichert werden können. Der Nachweis wird nur auf dem Smartphone gespeichert, nicht jedoch in einem zentralen Impfregister.

Wie funktioniert die Überprüfung?

Für Dienstleister, die den Impfstatus überprüfen wollen, wird es eine Prüf-App geben. Damit kann der Impfstatus wie der Barcode eines Bahn- oder Flugtickets gescannt werden. Zudem muss, um Missbrauch zu verhindern, zusätzlich ein Personalausweis vorgelegt werden. Technisch aufwendig ist die Integration aller rund 55.000 Arztpraxen und 410 Impfzentren in das System, zudem muss darauf geachtet werden, dass der digitale Impfpass in allen EU-Mitgliedstaaten lesbar ist.

Wie werden die Impfnachweise von Kindern gespeichert?

Die Nachweise von Kindern oder des Partners können zusammen auf einem Smartphone gespeichert werden.

Wird es den bisherigen gelben Impfausweis weiterhin geben?

Ja. Der digitale Impfnachweis gilt nach Angaben des Gesundheitsministeriums als „ein freiwilliges und ergänzendes Angebot“ und ersetzt das gelbe Buch nicht. Die Impfung wird unabhängig davon immer im Impfausweis dokumentiert.

Wie funktioniert die nachträgliche Digitalisierung der Impfbescheinigung für bereits Geimpfte?

Das ist noch nicht geklärt. Wie das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der BNN mitteilte, werde parallel zur Entwicklung des digitalen Impfnachweises „auch eine Lösung für die nachträgliche Ausstellung von digitalen Impfzertifikaten erarbeitet“. Wie diese aussehen wird, ist noch offen. Das Ministerium verweist darauf, dass unabhängig davon der gelbe Impfausweis als offizielles Dokument gilt und „auch in analoger Form uneingeschränkt gültig bleiben“ wird.

Welche Rechte und Freiheiten haben die Inhaber des „Grünen Zertifikates“?

Auch das ist noch offen. Nach dem aktuellen Stand kann jedes EU-Mitgliedsland selber festlegen, welche Rechte und Freiheiten bereits Geimpfte oder Immunisierte haben. Als sicher gilt, dass es für nachweislich Geimpfte innerhalb der EU keine Test- oder Quarantänepflicht geben wird, wenn sie aus einem Hochinzidenzland einreisen. So hat Dänemark bereits angekündigt, dass mit der Einführung des „Grünen Zertifikats“ Sommerurlaub im Land für Geimpfte, negativ Getestete und Menschen mit überstandener Corona-Infektion möglich werden soll. Zudem ist denkbar, dass bei Vorlage des Impfnachweises auch wieder Kinos, Museen, Theater, Restaurants, Diskotheken sowie alle anderen Kultur- und Freizeiteinrichtungen entweder ohne oder nur mit leichten Einschränkungen besucht werden können.

Wann wird der digitale Impfausweis kommen?

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums soll die entsprechende App zwischen Mitte Mai und Ende Juni zur Verfügung stehen.

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