Mit einer Helmkamera filmte der Attentäter von Halle seinen Angriff – wie der Schütze im neuseeländischen Christchurch im März. Foto: AFP

Anschlag in Halle

Gefilmte Massaker: Rechter Hass findet weltweit Nachahmer

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Der Angreifer von Halle in Sachsen-Anhalt hat seine Tat gefilmt und ein 35-minütiges Video ins Internet gestellt. Wie das auf die Überwachung extremistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE am Mittwoch mitteilte, filmte der Täter seinen Angriff offenbar mit einer Stirnkamera nach dem Vorbild des extremistischen Massakers im neuseeländischen Christchurch.

Insgesamt 51 Tote hatte der schwerste Anschlag in der Geschichte Neuseelands am 15. März 2019 gefordert. „Ich bin der Gott des Höllenfeuers. Und ich bringe Euch: Feuer.“ Der Rechtsextremist Brenton Tarrant ließ den Song „Fire“ von Arthur Brown aus dem Jahr 1968 live im Internet spielen, als er in sein Auto stieg, um den Parkplatz vor der Al-Nur Moschee zu verlassen. Im Gebäude mit der goldenen Kuppel lagen zu diesem Zeitpunkt bereits Dutzende Leichen.

Minuten zuvor hatte der 28-jährige Australier mit einer Schnellfeuerwaffe kaltblütig die Besucher des Gotteshauses abgeschlachtet – und dabei mit der Helmkamera auf dem Kopf die Bilder im Netz übertragen. Eine zynische Tat von unvorstellbarer Grausamkeit, gefilmt aus der Ich-Perspektive, die man sonst aus Computer-Ballerspielen kennt, unterlegt mit den Klängen eines Marsches. 17 Minuten dauert das Facebook-Video, das einige Nutzer abfilmten und auf eine Internet-Plattform hochluden.

Tiefer Einschnitt für Neuseeland

Die Bluttat in Christchurch war ein tiefer Einschnitt für die eigentlich so friedliche neuseeländische Insel, die bis dahin von Terrorismus weitgehend verschont worden war. Aus der Solidarität mit den muslimischen Opfern von Tarrant trug Premierministerin Jacinda Ardern in der Öffentlichkeit ein schwarzes Kopftuch. Im Parlament sagte sie: „Er wollte viele Dinge mit seinem Akt des Terrors erreichen. Eines davon war, berühmt zu werden. Deshalb werden Sie von mir niemals seinen Namen hören.“

Das minderte allerdings nichts an der Popularität des Extremisten bei manchen Internet-Nutzern. Vor seiner Tat hatte der frühere Fitness-Lehrer Tarrant ein Pamphlet mit rassistischen Parolen online gestellt. Darin bezeichnete er sich als „Öko-Faschisten“ und „Ethno-Nationalisten“, der sein Land vor „Angreifern“ verteidigen wolle. Gemeint waren die Einwanderer.

Tarrant erhielt für sein Bekenntnis zahlreiche zustimmende Kommentare in den sozialen Netzwerken. „Es gibt Hunderte, wenn nicht Tausende davon“, beklagte wenige Tage nach der Tat Australiens Premierminister Scott Morrison.

Täter filmen Massaker mit Stirnkameras

Der Anschlag von Christchurch hat weltweit Nachahmer zu ähnlichen Taten inspiriert. Im August griff ein 21-Jähriger mit mehreren Waffen eine Moschee in der Nähe der norwegischen Hauptstadt Oslo an, wie Tarrant filmte er seine Tat mit einer Helmkamera. Laut den norwegischen Medien soll sich der Mann vor der Tat im Netz lobend über den Terroranschlag in Neuseeland geäußert haben. In der Moschee gab es keine Todesopfer.

Eine Verbindung zu Chistchurch gibt es auch bei dem Gewaltverbrechen in El Paso in den USA im August mit 22 Toten. Dem Täter wird ein hasserfülltes Pamphlet zugeschrieben, das im Internet veröffentlicht wurde. In der Kampfschrift äußerte der Autor seine Unterstützung für den Angriff in Neuseeland.

Die Religionsgemeinschaften in Karlsruhe laden nach dem Anschlag in Halle zu einer Solidaritätsmahnwache vor der jüdischen Kultusgemeinde ein, am heutigen Donnerstagabend um 18 Uhr in der Knielinger Allee bei der Synagoge.