Brexit
Lastwagen auf der A526 außerhalb von Dover: Die britische Regierung testete schon vor Monaten jede Möglichkeit, das Brexit-Chaos zu begrenzen. | Foto:  Gareth Fuller/PA Wire

Gelbes U-Boot in Not

Britische Notfallpläne für den No-Deal-Brexit

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„We all live in the yellow submarine“, besangen einst die Beatles ein harmonisches und erfülltes Leben in einer nahezu perfekten Umgebung. Nach mehr als 40 Jahren müssen die Briten nun jedoch befürchten, in ihrem beschaulichen U-Boot-Königreich auf stürmischer See womöglich durch einen heftigen Hammerschlag versenkt zu werden.

„Yellowhammer“: Der von Premier Boris Johnson gewählte Codename für das Schreckensszenario bei einem wahrscheinlichen EU-Austritt ohne Abkommen am 31. Oktober steht für einen hübschen gelben Vogel – die Goldammer – klingt jedoch wie die Bezeichnung einer Militäroperation. Nicht ohne Grund. Wenn auch nur die Hälfte dessen eintritt, was die konservative Regierung in London erwartet, wird der britische Staatsapparat bis aufs Äußerste gefordert sein.

Drohender Transportkollaps

Die schwerste Folge eines „no deal“ wäre wohl ein langwieriger Transportkollaps mit dem Erliegen der Warenströme zwischen dem Inselstaat und Kontinentaleuropa. Dies hätte schwere Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft. Wir sprechen hier nicht von Gourmets, die auf französische Delikatessen verzichten müssten, sondern von Patienten, Verbrauchern und Firmen, die etwa auf Medikamente, Chemikalien und frische Lebensmittel angewiesen sind.

Dabei ist es keineswegs sicher, dass Johnsons Katastrophenplaner wirklich alle Eventualitäten vorgesehen haben. Experten bezweifeln das. Eine Chaostrennung von Europa könnte am Ende das Land um Jahre zurückwerfen und sogar den Zusammenhalt des Vereinigten Königreichs infrage stellen.

Boris Johnson hat seine Landsleute belogen, auch das ist klar. Der Katastrophenpremier hatte wiederholt die dramatischen Folgen eines „no deal Brexit“ heruntergespielt und versichert, dass man auf alles bestens vorbereitet sei und sich auf das schöne neue Leben in Unabhängigkeit von Europa freue. Wie im „gelben U-Boot“. Den Briten dürfte jetzt klar sein, dass Johnson als Kapitän nichts taugt.