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Umfrage in 28 Ländern

Globale Ausnahme: In der Corona-Krise ist das Vertrauen in den Staat in Deutschland stark gestiegen

Eine globale Umfrage zeigt einen großen Vertrauensverlust in den USA und China infolge der Corona-Krise. Die Studie sieht in Deutschland einen gegenteiligen Effekt. Doch Ex-Vizekanzler und früherer SPD-Chef Sigmar Gabriel macht sich Sorgen.

Ein Fels in der Brandung: In der Corona-Krise genießen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Regierung ein hohes Vertrauen der Öffentlichkeit, wie eine neue Meinungsstudie belegt. Foto: Federico Gambarini picture alliance/dpa

Das Vertrauen ist im Kampf gegen Corona eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Das Vertrauen in die Wissenschaft und Politik entscheidet, ob die Gesellschaft in der Krise die temporären Einschränkungen der Grundrechte mitträgt, ob das Gesundheitssystem den extremen Belastungen standhält und sich die Menschen zum Beispiel impfen lassen.

Dieses Vertrauen ist im ersten Jahr der Pandemie weltweit heftig erschüttert worden, wie jetzt eine große internationale Umfrage zeigt. Außer in Deutschland, das in dem am Dienstag veröffentlichten „Trust Barometer 2021“ global eine Ausnahmestellung einnimmt.

33.000 Menschen in in 28 Ländern befragt

Seit mehr als zwei Jahrzehnten befragt das US-Kommunikationsunternehmen Edelman Trust jährlich in Online-Interviews mehr als 33.000 Menschen in 28 Ländern. Die Studie gilt als ein wichtiges Stimmungsbild und wird auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt. Ihre Schlussfolgerungen zeigen diesmal, dass die Basis der Demokratie in Deutschland unter außergewöhnlichen Umständen intakt geblieben ist.

Während sich im globalen Vergleich USA und China als die großen Verlierer der Krise zeigen, kann Deutschland einen starken Vertrauenszuschuss der Öffentlichkeit verzeichnen. In der internationalen Rangliste stieg die Bundesrepublik in einem Jahr von Platz 20 auf Platz 14.

Vertrauen in die Bundesregierung um 14 Prozent gestiegen

Als vertrauenswürdigste Institution hierzulande wird laut dem „Trust Barometer“ erstmals seit 21 Jahren die Bundesregierung angesehen mit 59 Prozent der Befragten. Dieser Anteil stieg seit Beginn der Pandemie um ganze 14 Prozent. Danach folgen Unternehmen (54 Prozent), Medien (52) und die Nichtregierungsorganisationen (46). Im Vergleich zum Vorjahr werden alle Institutionen in Deutschland als ethischer angesehen. Der Höhepunkt dieser Entwicklung ist demnach aber seit einigen Monaten überschritten.

Ein Grund für das schwindende Vertrauen ist die Verbreitung von Falschinformationen. Laut der Umfrage ist der Kampf gegen „Fake News“ für die Deutschen derzeit sogar noch wichtiger als gegen den Klimawandel. Die Medien schneiden dabei in ihrer Wahrnehmung nicht gut ab: 43 Prozent der Befragten (global 59 Prozent) glauben, dass Journalisten die Menschen absichtlich in die Irre führen.

Als Problem sieht die Studie aber auch, dass sich nur jeder Fünfte über den Wahrheitsgehalt der Informationen Gedanken macht, die er oder sie spannend findet und in den sozialen Medien weiterverbreitet.

Ich habe Angst vor dem, was gerade in meinem Land geschieht.
Sigmar Gabriel, Vorsitzender der „Atlantik-Brücke“

„Ich habe Angst vor dem, was gerade in meinem Land geschieht“: So kommentierte in einer Onlinekonferenz der frühere SPD-Chef, Außenminister und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel die Befunde der Studie. Als Vorsitzender des Vereins „Atlantik-Brücke“ treibt Gabriel heute die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA voran. Die Zunahme des Vertrauens in den Staat erklärt er damit, dass in der „schwersten Krise seit 30 Jahren“ die Stunde der Exekutive schlage.

Gabriel kritisiert Corona-Beschränkungen

Vor allem weil Deutschland mit seiner gut entwickelten Infrastruktur die erste Phase der Pandemie erfolgreich bewältigt hatte, würden die Menschen heute noch hinter Kanzlerin Angela Merkel stehen. „Ich fürchte, diese Unterstützung wird aber in einigen Monaten schwinden“, sagte Gabriel. Der Sozialdemokrat kritisierte, dass die Politik in der zweiten Pandemiephase mit „mittelalterlichen Instrumenten“ arbeitet und Menschen „wie damals im Kampf gegen die Pest unter Hausarrest setzen“ würde, statt modernere Lösungen zu suchen.

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