Skip to main content

Interview zu Tierwohl und Akzeptanz

Landwirtschaftsexpertin: „Verbraucher sind gegen Schweine auf Spaltenböden“

Das Schwein im Stroh, die Kuh auf der Wiese: Menschen sehnen sich nach einer artgerechten Haltung der Nutztiere. Landwirte gehen immer offener damit um, wie für sie marktgerechte Tierhaltung aussehen muss. Die Wissenschaftlerin Gesa Busch glaubt: Die Offenheit der Bauern könnte nach hinten losgehen.

Gesa Busch erforscht an der Uni Göttingen Einstellungen von Verbrauchern und Gesellschaft zur Landwirtschaft, insbesondere zu kritischen Themen der Nutztierhaltung. Foto: Curzio Castellan ©2016 Curzio Castellan/Unibz

Gesetzliche Vorgaben sind das eine. Aber welchen Anspruch hat die Gesellschaft an die landwirtschaftliche Produktion? Was denken und was fühlen Menschen, wenn sie in einen modernen Tierstall blicken?

Mitleid mit den Tieren? Verständnis für den Landwirt? Zustimmung, Gleichgültigkeit oder Abscheu? Genau das erforscht Gesa Busch von der Universität Göttingen. Sie sprach mit unserem Redaktionsmitglied Roland Weisenburger.

Frau Busch, Sie haben herausgefunden, dass Menschen positiver reagieren auf das Foto eines unfreundlich blickenden Schweines auf Stroh, als auf das eines freundlich lächelnden Schweines auf Betonboden. Wollen Sie mit Ihrer Forschung das Marketing der Bauern verbessern oder das Leben der Schweine?
Busch

Wir wollen der Landwirtschaft spiegeln, wie sie wahrgenommen wird und wie sich die Tierhaltung aufstellen muss, um Akzeptanz zu erreichen. Meine Forschung soll aufzeigen, was die Bevölkerung von den Methoden der Landwirtschaft hält.

Viele haben immer noch die bäuerliche Landwirtschaft der 50er-Jahre im Kopf. Hilft es den Bauern, wenn sie ihren Berufsstand offener darstellen und den Menschen die Methoden moderner Landwirtschaft nahe bringen?
Busch

Mehr Wissen führt in diesem Fall nicht zu größerer Akzeptanz. Ganz im Gegenteil. Wenn man den Menschen zeigt, wie Tiere tatsächlich gehalten werden, dann finden sie das in vielen Fällen nicht gut. Die Verbraucher zum Beispiel sind der Ansicht, dass Systeme wie Spaltenböden den Tieren nicht gerecht werden. Die gesetzlichen Vorgaben für den Tierschutz fordern oftmals gar nicht das ein, was sich viele Konsumenten wünschen.

Die Menschen wollen Fleisch von glücklichen Tieren. Am Ende aber schauen sie doch auf den Preis den sie fürs Fleisch zahlen und nicht auf den Preis, den das Tier zahlen muss.
Busch

30 Prozent der Verbraucher richten sich ausschließlich nach dem Preis und interessieren sich nicht fürs Tierwohl. Aber die restlichen 70 Prozent sagen, so ganz einverstanden bin ich nicht mit dem, was in den Ställen da passiert. Inzwischen glauben selbst viele Landwirte, dass sich etwas ändern muss. Viele sagen, wenn ich nur einen größeren finanziellen Spielraum hätte, dann würde ich meine Tiere auch anders halten.

Und dennoch wird preiswertes Fleisch gekauft. Da gibt es also dann immer noch den Unterschied zwischen dem, was die Verbraucher als moralisch richtig einschätzen und dem, was sie tun.
Busch

Diesen automatischen Umkehrschluss, dass die Menschen auch das tun, was sie moralisch für richtig halten, gibt es nicht. Aber selbst wenn Verbraucher nicht sofort nach ihren Tierwohl-Überzeugungen auch einkaufen, entwickelt sich die Gesellschaft trotzdem in die Richtung und es kommt langfristig zu einer Veränderung.

nach oben Zurück zum Seitenanfang