Glück
Das Glücksniveau in Deutschland liegt laut Studien hoch. | Foto: Martin Schutt

Kommentar

Glückliche Zeiten

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Die Schwarze Null alleine ist nicht genug. Mögen die Steuereinnahmen sprudeln und die Staatskassen zum Bersten voll sein, für die meisten Menschen zählen goldene Konjunkturdaten und Rekord-Haushaltsbilanzen weniger als gesellschaftlicher Zusammenhalt, soziale Gerechtigkeit, ideelle Werte, Sicherheit und familiäres Glück. Erfolgreiche Politiker wissen das und behalten neben ökonomischen Kennzahlen auch das subjektive Wohlbefinden der Bürger stets im Blick.

Neu ist der Gedanke nicht. Noch vor 2 400 Jahren postulierte Aristoteles, dass der Reichtum einer Gesellschaft nur ein Mittel zum Zweck sein dürfe, um das viel wichtigere Ziel der Glückseligkeit durch die freie und sinnvolle Entfaltung der Menschen zu erreichen. Spätere Denker vertieften diese These: So definierte der Pionier der politischen Ökonomie, Adam Smith, den „einzigen Sinn“ aller Regierungsformen auf der Welt als das Bestreben, das Glück ihrer Bürger zu fördern. Manche Staaten sind darin relativ weit gekommen und werden weltweit beneidet.

Legendär ist das Königreich Bhutan, in dem die Steigerung des „Bruttonationalglücks“ offiziell als Erfolgskriterium gilt. Ecuador hat das Prinzip des glücklichen „Zusammenlebens in Vielfalt und Harmonie mit der Natur“ in seine Verfassung aufgenommen. Eher hinderlich dürfte es für Premierministerin Theresa May sein, dass in Großbritannien das Glücksgefühl des Volkes seit Jahren statistisch erfasst wird. Dass die Soziologen nur negative Werte melden, lässt die Regierungschefin in einem schlechten Licht dastehen und passt zu ihrer ewig sauren Miene im Brexit-Frust.

Fühlen Sie sich glücklich? Wer diese Frage bejaht, liegt voll im Trend: Im „Weltglücksindex“ der Vereinten Nationen, der 156 Staaten bewertet, stieg Deutschland in den vergangenen fünf Jahren von Platz 26 auf 15 auf. In der Gruppe der führenden Industriestaaten (G7) geht es nur den Kanadiern besser (Platz 7). In diesem Licht erscheint die von den Rechtspopulisten gebetsmühlenartig vorgetragene Anklage, dass in Deutschland alles den Bach runter geht, sehr weit hergeholt.