Michail Gorbatschow
Gorbatschow sieht gefährliche zerstörerische Tendenzen in der Weltpolitik. | Foto: Jörg Carstensen

Historischer INF-Vertrag endet

Gorbatschow kritisiert USA

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Als einen „Schlag gegen die strategische Sicherheit“ kritisierte am Donnerstag das Ende des INF-Abrüstungsvertrags der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow.

Der 88-jährige Friedensnobelpreisträger machte den US-Präsidenten Donald Trump für das Scheitern des Abkommens zum Verbot landgestützter atomarer Mittelstreckenwaffen verantwortlich.

Gorbatschow selbst hatte Ende 1987 mit dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan den historischen Vertrag besiegelt, nach dem beiden Supermächte später insgesamt knapp 2 700 Atomraketen vernichtet haben. „Der Schritt der USA macht die globale Politik unvorhersehbar und chaotisch“, sagte Gorbatschow jetzt in Moskau der russischen Agentur Interfax. Der INF-Vertrag läuft an diesem Freitag aus.

Trump hatte im Februar den Rückzug aus dem Abkommen erklärt und Russland sechs Monate Zeit gegeben, um angebliche Verstöße zu beenden. Nach US-Darstellung unterläuft Moskau mit der Entwicklung eines neuen Marschflugkörpers vom Typ 9M729 die Vertragsbestimmungen. Umgekehrt wirft der Kreml den USA vor, durch den Ausstieg Russland in ein neues Wettrüsten hineinziehen und schwächen zu wollen.

Am Mittwoch drohte das Moskauer Außenministerium damit, bei Bedarf die bislang verbotenen Atomraketen „näher an die USA“ zu stationieren. Russische Experten befürchten eine Gefährdung ihres Landes, wenn die USA für ihre etwa 200 in Europa gelagerten Nuklearwaffen Raketen statt Flugzeuge als Träger verwenden würden. Laut einer neuen Umfrage in Deutschland wären 86 Prozent der Bürger dafür, die Stationierung von US-Atomraketen in der Bundesrepublik zu verbieten.