Emissionsfrei nach Amerika: Mit der Segelyacht „Malizia“ wird Greta Thunberg nach Amerika gebracht. Mit dabei ist auch ein Filmemacher, der die Atlantiküberquerung dokumentiert. Die Logos der Sponsoren ließ die schwedische Klimaschutzaktivistin von dem Boot entfernen.
Emissionsfrei nach Amerika: Mit der Segelyacht „Malizia“ wird Greta Thunberg nach Amerika gebracht. Mit dabei ist auch ein Filmemacher, der die Atlantiküberquerung dokumentiert. Die Logos der Sponsoren ließ die schwedische Klimaschutzaktivistin von dem Boot entfernen. | Foto: dpa

Reise mit Gegenwind

Greta Thunbergs USA-Trip in der Kritik

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Greta Thunberg griff durch. Nachdem Medien berichtet hatten, dass der deutsche Autohersteller BMW, die Schweizer Privatbankengruppe EFG und der Yacht Club von Monaco die Hochseeyacht „Malizia“ als Werbeträger nutzen, ließ sie alle Hinweise auf die Sponsoren entfernen, wie sie ihren Fans über die sozialen Medien mitteilte. Denn in den kommenden zwei Wochen ist die „Malizia“ ihr Zuhause wie ihr Fortbewegungsmittel.

Medienwirksam will sie ab diesem Mittwoch zusammen mit ihrem Vater vom südenglischen Plymouth aus den Atlantik überqueren, um klimaneutral nach New York zu reisen, wo Thunberg Ende September auf dem UN-Klimagipfel auftreten und der Welt ins Gewissen reden will. Fliegen kam für sie nicht infrage, ebenso wenig ein Linienschiff – blieb nur die emissionsfreie Hochseeyacht.

Für den Trip hat Thunberg prominente Unterstützung. Der 38-jährige Boris Herrmann ist ein erfolgreicher Segelprofi, der im kommenden Jahr als erster Deutscher an der härtesten Regatta der Welt teilnehmen will – der Vendèe Globe, bei der Segler solo, nonstop und ohne Hilfe von außen in weniger als 80 Tagen um die Welt fahren. Sein Co-Skipper, Segelfreund und Förderer ist Pierre Casiraghi, jüngster Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco.

Doch an der Reise wie am Gefährt gibt es Kritik. Der Rumpf der Yacht besteht aus Carbon, das zwar leicht und flexibel und dennoch äußerst fest ist, zu dessen Herstellung aber Erdöl benötigt wird. Und eine Wiederverwertung ist kompliziert. Besitzer der Yacht ist der Stuttgarter Gerhard Senft, der sein Vermögen in der Immobilienbranche gemacht hat.

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„Aufgeben ist keine Lösung“

Ein Vergnügen, das machte der Skipper der „Malizia“, Boris Herrmann, schon vor dem Ablegen deutlich, werde die Überfahrt allerdings nicht. Als Rennyacht ist die „Malizia“ äußerst karg ausgestattet, es gibt nur zwei winzige Kojen, keine Toilette, keinen Wassertank, keine Dusche, keine Kombüse und keine Heizung, lediglich einen Gaskocher. „Malizia“, schreibt die Fachzeitschrift „Yacht“, „ist ein bis zur Schonungslosigkeit optimierter Renner.“

Doch das schreckt Greta Thunberg nicht. Die Schwedin, die am Asperger-Syndrom leidet und die globale Jugendbewegung „Fridays for Future“ ins Leben gerufen hat, will ein Zeichen setzen und mit ihren Aktivitäten die Welt aufrütteln.

Starten Richtung Westen: Profisegler Boris Hermann (rechts), Greta Thunberg und ihr Vater Svante an Bord der „Malizia“, die keinerlei Komfort bietet.
Starten Richtung Westen: Profisegler Boris Hermann (rechts), Greta Thunberg und ihr Vater Svante an Bord der „Malizia“, die keinerlei Komfort bietet. | Foto: dpa

Greta Thunberg gehört zur „Times“-Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten

Die von der 16-Jährigen ins Leben gerufenen Schulstreiks sind mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung geworden. Und Thunberg ist die unumstrittene Anführerin. Das US-Magazin „Time“ nahm sie in die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des Jahres 2019 auf, bei den Londoner Buchmachern gilt sie als haushohe Favoritin für den Friedensnobelpreis in diesem Jahr.

Aber es gibt auch eine Kehrseite. Beim Besuch des Braunkohletagebaus im Hambacher Forst ließ sie sich zusammen mit einer vermummten Aktivistin fotografieren. Dass die Person ihr Gesicht nicht zeigt, sorgt für reichlich Kritik. Und wenige Tage zuvor kam es nach einem Bericht des Schweizer „Blick“ bei einem „Fridays for Future“-Gipfel in Lausanne zu einem Eklat. Demnach machte Thunberg Journalisten für die „schlechte Stimmung“ unter den Teilnehmern verantwortlich und plädierte dafür, die Medienvertreter „auszuschließen“.

Die schlechte Stimmung war allerdings keine Erfindung der Journalisten, in Lausanne prallten die unterschiedlichen Ansichten, wie es mit den „Fridays for Future“-Demonstrationen weitergehen soll, hart aufeinander.

Auch in Deutschland sind die Klimaaktivisten längst keine homogene Gruppe mehr. Es gibt neben den vielen, die einfach nur freitags für mehr Klimaschutz protestieren, Pragmatiker und Radikale, politisch Engagierte, die auf den Dialog mit den Parteien setzen, und Hardliner, die von Kompromissen nichts wissen wollen.

Weil alles streng basisdemokratisch sein soll, gibt es weder einen gewählten Vorstand mit legitimierten Repräsentanten noch eine verbindliche Satzung, stattdessen über 600 Ortsgruppen und rund 20 bundesweite Expertenteams, die nur lose verknüpft sind. Man organisiert sich spontan über WhatsApp, Facebook oder Instagram. Jede Aktion, jedes Statement muss in einem komplizierten Verfahren über Telefonkonferenzen, Chat-Gruppen und Formulare im Internet abgestimmt werden.

„Fridays for Future“ geht weiter

Steht „Fridays for Future“ vor einer Spaltung? „Nein“, sagt Emma Unser von der Grünen Jugend Rastatt/Baden-Baden, die für den 20. September eine Kundgebung in Rastatt organisiert. „Es gibt immer verschiedene Ansichten und Forderungen, aber das Ziel der Bewegung ist klar: Der Klimaschutz hat höchste Priorität.“ Es müsse alles getan werden, um die Vorgaben der Pariser Klimakonferenz einzuhalten. Aus diesem Grund werde man keine Ruhe geben, sondern nach den Ferien da weitermachen, wo man im Juli aufgehört habe. „Aufgeben ist keine Lösung.“

Um der Bewegung eine organisatorische Struktur zu geben, ist die Gründung eines Vereins im Gespräch – auch um die Finanzierung transparenter zu machen. Bislang wird „Fridays for Future“ von Vereinen und Stiftungen unterstützt, die sich in der Umweltpolitik engagieren, was Gegner und Kritiker immer wieder anprangern. „Vorne stehen Kinder mit Plakaten, dahinter sammelt die organisierte #Klimalobby die Spendengelder ein“, twitterte beispielsweise im April die AfD-Politikerin Beatrix von Storch.

Ähnliche Vorwürfe werden auch gegen Greta Thunberg erhoben. Nach schwedischen Medienberichten stehen hinter ihr und ihrer Kampagne einer der erfolgreichsten PR-Manager und Börsenspezialisten Schwedens, Ingmar Rentzhog, der 2017 die Aktiengesellschaft „We don’t have time“ gründete. Seitdem begleitet er alle Auftritte Thunbergs und lässt Fotos und Videos von Facebook bis Instagram über soziale Netzwerke verbreiten.

Nach Kritik an dieser Beziehung teilte Thunberg im Februar mit, sie habe „keine Verbindungen mehr“ zu Rentzhog. Doch ihre Vermarktung läuft weiter auf vollen Touren. Der Filmemacher Nathan Grossmann begleitet Thunberg bei ihrer Atlantiküberquerung per Segelyacht. Auch diese Bilder sollen um die Welt gehen.