Ukraine Konflikt
Ein ukrainischer Soldat patrouilliert an einem Stützpunkt für humanitäre Hilfe in der Ostukraine. Für das seit 2014 umkämpfte Gebiet gibt es neue Hoffnungen auf Friedensgespräche. | Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dpa

Kommentar

Hauch von Frühling in Paris

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Der erste Schritt ist getan, die Premiere ist wohl geglückt. Bei ihrem ersten Treffen überhaupt verbrachten die Präsidenten der verfeindeten Staaten Russland und Ukraine in Paris deutlich mehr Zeit miteinander als erwartet. Und das persönliche Kennenlernen von Wladimir Putin und Wolodymir Selenskyj scheint tatsächlich geholfen zu haben, manch hohe Hürde zu überwinden.

Die Beziehungen der beiden Nachbarländer sind derzeit so verfahren, dass man hier auf kleinste Details achten muss. Ein gemeinsames Arbeitsessen der Staatschefs ist bereits ein Pluspunkt. Putin sagt beiläufig den Journalisten, dass er zufrieden sei: noch einer. Dass die ukrainische Seite die Gespräche als „sehr erfolgreich“ bezeichnet, ist ein Zeichen dafür, dass am Montag das Maximalziel aus Kiewer Sicht erreicht wurde.

Laut Quellen im Umfeld der Gespräche hat Selenskyi die erste wirklich wichtige Probe seiner internationalen Karriere als Präsident ohne größere Fehler bestanden. Dass er protokollarisch unsicher wirkte, ist völlig nebensächlich. Für seine Landsleute ist entscheidend, dass der junge Politiker in den Gesprächen mit dem weitaus erfahreneren und oft dominanten Putin selbstbewusst aufgetreten ist und die Interessen der Ukraine nicht „verraten“ hat, wie es viele befürchtet hatten. Weitere Treffen mit dem Kremlchef dürften nun einfacher werden.

Unterm Strich geht es um Deeskalation in einem komplizierten Konflikt, in dem sich beide Seiten jahrelang dem Dialog verschlossen hatten, weil niemand nachgeben und als schwach gelten wollte. Das Pariser Treffen brachte einen Hauch von Frühling in die unterkühlten Beziehungen. Nun müssen beide Präsidenten bald konkrete Ergebnisse der Annäherung präsentieren. Es eilt: Das Sterben im Krieg muss endlich aufhören.