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"Die Infrastruktur passt"

Hotels als Pflegeheime: Kreative Idee soll Krankenhäuser während Corona-Zeit entlasten

Volle Krankenhäuser - leere Hotels: Die Idee von Hubertus Seidler liegt eigentlich auf der Hand. Doch der Pflegemanager aus Bühl hat auch gleich noch eine Lösung für das größte Problem parat: Er sagt, die Personalfrage könne er lösen.

Hotel statt Krankenhaus: Leicht erkrankte Corona-Patienten und leichte Pflegefälle könnten in Hotels untergebracht werden und so die Krankenhäuser entlasten. Foto: dpa

Wenn die Krankenhäuser und Seniorenheime zu viele besetzte Betten haben, während die Hotels über zu viele freie Betten klagen, dann bietet sich hier möglicherweise eine Chance, die Hubertus Seidler, Geschäftsführer der SWB Wohnstifte in Bühl nutzen will.

Er hat sich mit einem kreativen Vorschlag, die Krankenhäuser zu entlasten und gleichzeitig den Hotelangestellten eine Chance auf Weiterbeschäftigung zu ermöglichen, an die Behörden in und um Karlsruhe gewandt. Und dort ist man offenbar höchst interessiert.

Mir stehen sechs Hotels zur Verfügung
Hubertus Seidler, Geschäftsführer SWB-Wohnstift

„Durch meine Kontakte zu einem Freund aus der Immobilienbranche stehen mir ab sofort oder ziemlich bald mindestens sechs Hotels zur Verfügung.

Eines davon in Bretten, die anderen auch in der Region“, erklärt Seidler. Diese bereits oder demnächst geschlossenen Häuser will er nutzen, um Corona-Patienten mit leichten bis mittleren Krankheitsverläufen aus den Krankenhäusern zu nehmen.

Zimmerservice für Patienten

"Das sind Hotels mit jeweils 60 bis 70 Betten. Dort könnte man Verdachtsfälle oder auch leicht Erkrankte hervorragend separieren. Die Häuser sind perfekt ausgestattet, haben Einzelzimmer, Reinigung, Rezeption und eine vollständig ausgestattete Küche.“

Auch das Personal sei da. „Die könnte man sofort aus der Kurzarbeit zurückholen“, sagt Seidler.

Aus der Karlsruher Stadtverwaltung habe er bereits positive Signale empfangen. Bei der AOK ist man ebenfalls angetan von der Idee. „Herr Seidler hat uns über diese Möglichkeit informiert, und wir werden natürlich prüfen, ob man sowas machen kann“, bestätigt Harald Röcker, Geschäftsführer der AOK Mittlerer Oberrhein.

Die personelle Ausstattung der Ersatz-Häuser müsse aber unbedingt gesichert sein, sagt Röcker. Und hier sieht er das Hauptproblem der Idee.

Es hängt am Personal

„Wir haben im Moment eine Sondersituation und die Idee von Herrn Seidler ist sehr vorausschauend. Personal ist unser höchstes Gut und derzeit unsere Schwachstelle.“

Schon jetzt würde in Krankenhäusern geprüft, ob man Patienten frühzeitig ins häusliche Umfeld entlassen könne.

Menschen, die aber Angehörigen haben, die die Pflege übernehmen können, könnte die Hotel-Unterbringung tatsächlich helfen, sofern sich ausreichend Personal finden ließe.

Pflegedienstleitung könnte Hotelpersonal anleiten
Hubertus Seidler, Geschäftsführer SWB-Wohnstift

Seidler hat sich für dieses Problem schon eine Lösung ausgedacht. Er geht davon aus, dass die Hauptlast der Betreuung bei den regulären Angestellten der Hotels liegen könnte. „Wir müssten nur in jedes Haus eine oder zwei Fachkräfte in Form einer Pflegedienstleitung bringen. Die könnten dann Anleitung fürs Hotelpersonal bieten.“

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Angesichts steigender Corona-Zahlen sieht er auf die Krankenhäuser eine große Welle von Verdachtsfällen und Erkrankten zu kommen.

Hotels stehen bereits leer

„Die Leute in Bahnhöfen oder Turnhallen unterzubringen ist sicherlich der falsche Weg. Aber einzeln separiert in Hotelzimmern, die ohnehin derzeit leer stehen, das ist für mich ein gangbarer Weg. Die Fachlichkeit kriegt man über die Pflegedienstleitungen da schon rein.“

Und dass er die Pflegedienstleitungen findet, daran zweifelt Seidler nicht.

„Wir betreiben 16 Seniorenheime zwischen Haslach und Heidelberg. Da muss ich eben ein bisschen Personal umschichten.“

Perfekte Lösung für alle?

Von seinem Vorschlag würden die Krankenhäuser, die Pflegeheime, die Hotels, die Beschäftigten und letztlich auch alle Erkrankten und Verdachtsfälle profitieren. Davon ist Seidler überzeugt.

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