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Regierungschefinnen im Fokus

Ist der Erfolg gegen Corona weiblich?

Sind weibliche Regierungschefs erfolgreicher im Kampf gegen das Coronavirus? Haben sie das richtige Herangehen an eine Krise dieses Ausmaßes? Das Wirtschaftsmagazin Forbes stellt diese These auf und erfolgreiche Frauen aus Baden sagen: „Ganz falsch ist das wohl nicht.“

Herzlicher Umgang: Kanzlerin Merkel und die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin. Foto: dpa

Was haben Länder wie Norwegen, Neuseeland, Dänemark, Taiwan, Finnland und Deutschland gemeinsam? Ihre weiblichen Regierungschefs haben die Corona-Pandemie offenbar relativ gut im Griff.

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Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ jedenfalls zieht eine direkte Verbindung zwischen dem Geschlecht des Regierungschefs und dem Erfolg des Landes im Kampf gegen das Virus.

Mit entwaffnender Ehrlichkeit, Entschlossenheit, technischem Verständnis und Liebe hätten vor allem die Ministerpräsidentinnen, Premierministerinnen und die Kanzlerin in der Krise gepunktet.

Jenseits von Verleugnung, Wut und Unaufrichtigkeit

Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen wie Donald Trump, Jair Bolsonaro, Recep Tayyip Erdogan oder Boris Johnson hätten die Frauen an der Staatsspitze die Ruhe weg, handelten überlegt und erfolgreich.

Anders als die männlichen Regierungschefs hätten die weiblichen Staatschefs die Phasen von Verleugnung, Wut und Unaufrichtigkeit im Angesicht der tödlichen Krise einfach übersprungen. „Es ist ernst, nehmen Sie es ernst.“ Der Aufruf der Kanzlerin sei ein Lehrbeispiel für den sachlich-weiblichen Umgang mit der Pandemie.

Männer schießen gerne mal aus der Hüfte.
Nora Schulz-Haring, Headhunterin

Nora Schulz-Haring kann das nur bestätigen. „Männer schießen gerne mal aus der Hüfte. Frauen vereinen generalistisches Know-how mit einem emotionalen Konzept.“

Und die „Headhunterin“ muss es wissen. Sie arbeitet als Personalberaterin und Coach bei der Executive Services Group in Karlsruhe.

Nora Schulz-Haring, Headhunterin aus Karlsruhe Foto: privat

Sie ist gefragt, wenn Unternehmen in den Bereichen IT, Automotive und Gesundheit nach Fach- und Führungskräften suchen. Grundsätzlich, so Schulz-Haring, sei ihr bei der Besetzung einer Position das Geschlecht des Bewerbers völlig egal. „Die Qualifikation ist entscheidend.“

Doch auch sie glaubt, dass Frauen auf eine Herausforderung, wie die Corona-Krise besser vorbereitet sind, als Männer. „Frauen gehen das mit Ausdauer an. Sie haben gelernt, dass sie ihre Karrieren genau planen und sorgfältig aufbauen müssen.“

Pointiert und feinfühlig in der Corona-Krise

Während sich für den männlichen Egozentriker ein schnelles Vorpreschen lohnen kann, müsse die Frau ihre Kompetenz immer aufs Neue beweisen.

So pointiert und feinfühlig, wie Jacinda Ardern aus Neuseeland, so ruhig und treffend wie Angela Merkel: „Das sind Eigenschaften, die in der jetzigen Krise gefragt sind.“

Schulz-Haring besetzt Managerposten – Veronika Laukart  füllt einen aus. Laukart ist Bürgermeisterin von Au am Rhein im Landkreis Rastatt.

Im Widerspruch zum Kollegen Bürgermeister

Und sie bestätigt: „Frauen gehen ganz anders an die Sachen ran.“ Empathie sei ungeheuer wichtig. Immer wieder frage sie sich, wie sieht das für eine Familie aus, wie würde ich es daheim in meiner Familie machen. Konkret habe das auch Auswirkungen auf das Vorgehen in der Corona-Krise.

Veronika Laukart, Bürgermeisterin von Au am Rhein Foto: privat

Der Bürgermeister der Nachbargemeinde habe den Zugang zum Rhein per Allgemeinverordnung

für alle Menschen geschlossen. „Ich habe anders entschieden. Ich weiß, die Menschen wollen an den Rhein. Vielen fällt zu Hause die Decke auf den Kopf.

Solange jeder die Abstandsregeln einhält, muss man das nicht überregulieren“, sagt die Bürgermeisterin.

Dass Frauen weniger den schnellen Erfolg als vielmehr das langfristige Ziel ins Auge fassten, sei naturgegeben. „Wir planen alles längerfristig. Wann will ich heiraten, wann will ich Kinder.“ Planung und Gelassenheit kämen ihr in Krisensituationen zugute.

Frauen haben das nicht nötig
Kinga Golomb, Gleichstellungsbeauftragte Enzkreis

„Dieses Krisenmanager-spielen, dieses noch-eins-drauf-Setzen, das haben Frauen nicht nötig. Ruhig, sachlich, empathisch. Überreaktionen sind in dieser Situation das Falscheste.“

Ist es tatsächlich so einfach? Sind Frauen einfach die besseren Krisenmanager, weil sie Frauen sind? „Es ist sicherlich kein Zufall, dass die besten Ergebnisse in Ländern erzielt werden, die von Frauen regiert werden“, sagt Kinga Golomb, Gleichstellungsbeauftragte des Enzkreises.

Kinga Golomb, Gleichstellungsberauftragte des Enzkreises Foto: privat

Den Führungsstil und damit auch den Erfolg in der Krise aber einzig am Geschlecht fest zu machen, hält sie für „zu eindimensional gedacht“. Der These der Headhunterin Schulz-Haring kann sie aber schon einiges abgewinnen.

„Der Karriereweg von Frauen ist tatsächlich ein anderer als der von Männern. Die Regierungschefinnen mussten sich schon sehr viel mehr anstrengen und vorausplanen, um in die Stellung zu kommen, in der sie jetzt sind. Die Karrieren ihrer männlichen Pendants verliefen sicherlich ganz anders.“

Empathie ist nicht genug

Der Lern- und Entwicklungsprozess auf einem solchen Karriereweg könne dann tatsächlich die Herangehensweise an Probleme und Krisen wie Corona beeinflussen, sagt die Gleichstellungsbeauftragte, die sich während ihres Studiums vor allem mit Geschlechterforschung und Gender Mainstreaming beschäftigt hat.

Doch dass Regierungschefinnen nur deshalb überlegt, empathisch und rational mit der Krise umgehen, weil sie Frauen sind, will sie nicht gelten lassen. „Stellen wir uns doch einfach nur Margret Thatcher in dieser Situation vor.“

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