Manfred Weber
Manfred Weber (CSU), Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, könnte Nachfolger von Jean-Claude Juncker werden. | Foto: Carsten Rehder

Deutscher unter Favoriten

Kandidaten-Kür vor Europawahl: Wer kann Juncker nachfolgen?

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Brüssel (dpa) – Noch ist EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Amt, doch das Rennen um seine Nachfolge hat längst begonnen.

Nun stehen die Bewerber für die Spitzenkandidatur der beiden größten Parteienfamilien in Europa fest – der konservativen EVP und der sozialdemokratischen SPE. Wer bei der Europawahl am 26. Mai 2019 die größte Fraktion hinter sich vereint, hat gute Chancen auf das mächtigste EU-Amt.

MANFRED WEBER (46), EVP

Er ist der wohl aussichtsreichste Bewerber im Rennen – allein schon, weil der CSU-Mann seit 2014 die größte Fraktion im EU-Parlament anführt. Weber gilt als leiser und akribischer Arbeiter. In den Reihen der Europäischen Volkspartei (EVP), der auch die Unionsparteien angehören, kann der Niederbayer auf breiten Rückhalt zählen. Mehrere Regierungschefs und Oppositionsführer haben sich zudem bereits öffentlich hinter ihn gestellt. Da die Konservativen wohl auch nach der Europawahl stärkste Fraktion bleiben dürften, hätte der verheiratete Katholik beste Aussichten auf das Präsidentenamt. Gegen Weber spricht indes, dass er – anders als frühere Kommissionspräsidenten – nie Regierungschef oder Minister eines Landes war.

ALEXANDER STUBB (50), EVP

Auf den ersten Blick ist der weltgewandte Finne der absolute Gegenentwurf zu Weber. Zwar ist der charismatische Marathonläufer vier Jahre älter als sein Konkurrent, dennoch wirkt er nach außen jugendlicher und frischer – und bedient damit die Hoffnung mancher auf einen echten Aufbruch nach der Ära des EU-Urgesteins Juncker. Zudem ist Stubbs Lebenslauf bereits jetzt reich an verantwortungsvollen Posten: Ex-Regierungschef, Ex-Parteichef, Ex-Außenminister, Ex-Europaminister, Ex-Finanzminister. Politisch unterscheidet sich Stubb, der fließend Deutsch spricht, indes kaum von Weber. Er verortet sich lediglich «ein kleines bisschen weiter mitte-links».

Die Entscheidung zwischen beiden EVP-Bewerbern fällt am 8. November auf einem Parteikongress in Helsinki.

FRANS TIMMERMANS(57), SPE

Vize ist er schon, nun will Frans Timmermans auch die Nummer eins in der EU-Kommission werden. Der Niederländer beherrscht sieben Sprachen und bewegt sich dank seiner großen Erfahrung mühelos im komplexen EU-Gefüge. Der Bilderbuch-Europäer wuchs in Paris, Brüssel, Rom und im niederländischen Heerlen auf. Als erster Stellvertreter Junckers kämpfte er in den vergangenen Jahren – vor allem im Streit mit Polen um die Missachtung von EU-Grundwerten – immer wieder vehement für den Rechtsstaat.

MAROS SEFCOVIC (52), SPE

Nur Außenseiterchancen werden Timmermans‘ innerparteilichem Konkurrenten Maros Sefcovic eingeräumt. Der Slowake ist aktuell ebenfalls Vize-Präsident der Kommission und als solcher vor allem für Energiethemen zuständig. Zuvor war der Vater dreier Kinder unter anderem EU-Botschafter seines Landes in Brüssel sowie Botschafter in Israel. Als Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) – der auch die SPD angehört – wolle er die Spaltung zwischen Arm und Reich, aber auch zwischen Ost und West überwinden und Brücken bauen, sagte Sefcovic: «Alles in allem sehe ich unser Europa als zuversichtlich und stolz, intelligent und grün, sozial gerecht und solidarisch.»

Die Entscheidung, wer für die Sozialdemokraten ins Rennen geht, fällt bei einem Partei-Kongress im Dezember.