Skyline von Doha
Skyline von Doha im Nebel. Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten hatten am 5. Juni 2017 die Grenzen zu Katar geschlossen und eine Blockade verhängt. | Foto:  Yoan Valat/EPA/Archiv

Ein Jahr Blockade

Katar wirft Nachbarn Menschenrechtsverstöße vor

Doha (dpa) – Ein Jahr nach Beginn der Blockade von Katar wirft das Emirat seinen Golf-Nachbarn Menschenrechtsverletzungen vor. Saudi-Arabien und andere Staaten «hindern unsere Bürger am Reisen, am Arbeiten und am Studieren», sagte der Botschafter des Emirats in Berlin, Saud bin Abdulrahman Al Thani.

«Die Blockade zerschneidet Verbindungen zwischen Familien in den Ländern, die sich seit einem Jahr nicht gesehen haben. Das sind Menschrechtsverletzungen.»

Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten hatten am 5. Juni 2017 die Grenzen zu Katar geschlossen und eine Blockade verhängt. Die vier Staaten werfen dem Emirat unter anderem Terrorunterstützung und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran vor. Katar weist die Vorwürfe zurück und hat nach eigenen Angaben seinerseits auf Maßnahmen gegen Bürger der Blockade-Staaten verzichtet. Alle diplomatischen Bemühungen um eine Lösung der Krise am Golf waren bisher erfolglos.

Katar selbst könne mit der jetzigen Situation über Jahre leben, auch wenn das nicht das Ziel sei, erklärte Saud bin Abdulrahman. Das Emirat wolle einen Dialog: «Das ist der einzige Weg zu Lösung der Angelegenheit.» Sein Land sei durch die Blockade stärker und unabhängiger geworden: «Katar produziert nun die meisten benötigten Lebensmittel selbst. Wir haben auch den Import breiter aufgestellt.»

Katar ist der weltweit größte Exporteur von Flüssiggas und will die Produktion deutlich steigern. Nach dem Pro-Kopf-Einkommen der Gastgeber der Fußball-WM 2022 das reichste Land der Welt. Die Blockade hatte zunächst zu einem Engpass bei Importwaren geführt. Finanzielle Ausfälle konnte das Emirat aber aus seinem milliardenschweren Staatsfonds ausgleichen. In diesem Jahr rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Wachstum von 2,6 Prozent.