Im Acherner "Brachfeld" soll das neue Krankenhaus gebaut werden. Das acht Hektar große Gelände hat die Stadt dem Ortenaukreis bereits übereignet.
Im Acherner "Brachfeld" soll das neue Krankenhaus gebaut werden. Das acht Hektar große Gelände hat die Stadt dem Ortenaukreis bereits übereignet. | Foto: Spether

234 Betten vorgesehen

Neues Krankenhaus in Achern kostet 21 Millionen Euro weniger als geplant

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Für den Neubau des Krankenhauses im Acherner „Brachfeld“ steht eine neue Kostenberechnung im Raum. Christian Keller geht als Geschäftsführer des Ortenau Klinikums mittlerweile von einem Investitionsvolumen von 121 Millionen Euro aus, 21 Millionen Euro weniger als ursprünglich veranschlagt.

Hintergrund ist ein verändertes Raumprogramm, das eine Verringerung der benötigten Flächen um knapp 2.200 Quadratmeter auf nunmehr 17.323 Quadratmeter mit sich bringt.

Das neue Klinikum soll im Jahr 2030 eingeweiht werden. In wenigen Tagen beginnen am Klinik-Standort im „Brachfeld“ die ersten Arbeiten für die Baugrunduntersuchung.

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Über den aktuellen Stand der Planungen informierte Christian Keller Kommunalpolitiker aus der Region im Rahmen einer Sitzung des Acherner Gemeinderats. Bekanntlich sieht die unter dem Stichwort „Agenda 2030“ entwickelte neue Klinik-Struktur im Ortenaukreis die Konzentration auf vier Standorte vor: In Achern und Offenburg will man neue Häuser bauen, hinzu kommen die bisherigen Standorte in Lahr und Wolfach.

In Acherner Klinik sind 234 Betten vorgesehen

Ergänzt werden diese Stationär-Kliniken durch Notfallambulanzen und Nachsorge-Angebote in Oberkirch, Kehl und Ettenheim, wo die bestehenden Häuser in der bisherigen Form nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Für das Gesamtpaket stehen Gesamtkosten von 1,4 Milliarden Euro im Raum.

Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau Klinikums, informierte in Achern über den aktuellen Stand der Planungen für die „Agenda 2030“. | Foto: Michael Moos

Das bisherige Klinik-Konzept im Ortenaukreis bezeichnete Keller als „nicht zukunftsfähig“. Die Zahl der Klinikbetten werde bis zur Realisierung des Konzepts bis 2030 von derzeit rund 1.600 auf 1.459 reduziert. Der Neubau in Offenburg wird mit 724 Betten geplant, in Lahr sind es 431.

Im Neubau in Achern sind 234 Betten vorgesehen, davon 220 in der Allgemeinpflege. Dazu gibt es 14 Intensivplätze – „eine Reaktion auf die Erfahrungen der Corona-Pandemie“, wie Keller betonte.

Klinik mit Hubschrauberlandeplatz aber ohne eigene Küche

Unter dem Zwang zu einer „Spezialisierung der Medizin“ gelte es Synergien zu nutzen. Nach dem vom Keller erläuterten Medizinkonzept wird in Achern eine Geriatrische Abteilung mit 30 Betten neu geschaffen. In der Chirurgie sind 106 Betten geplant, davon 28 in den Bereichen Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, 62 in den Bereich Unfallchirurgie und Orthopädie sowie 16 in der Wirbelsäulenchirurgie.

Hinzu kommen die Innere Medizin mit 85 Planbetten sowie die Frauenklinik mit 13 Betten in den Bereichen Gynäkologie und Geburtshilfe. Abgerundet wird das Neubauprojekt in Achern durch ein Parkhaus sowie Einrichtungen wie Krankenpflegeschule, Wohnungen für Pflegekräfte und einem Hubschrauberlandplatz.

Die Verlegung der Rettungswache ist laut Keller wünschenswert, letztlich aber Sache des zuständigen Bereichsausschusses für den Rettungsdienst.

Wenig Hoffnungen machte Keller den Achernern auf den Erhalt der Krankenhausküche. Diese will er zentral in Offenburg ansiedeln. Dort solle die Speisen nach einem neuen Konzept gefertigt werden: Statt durch „Kochen“ und „Warmhalten“ soll das Essen nach dem Motto „Cook and Chill“ („Kochen und Kühlen“) zubereitet, tiefgefroren und dann vor Ort erwärmt werden.

Ebenso wie die zentrale Küche sollen auch Einrichtungen wie das Labor, die Pathologie, die Apotheke oder die Sterilisation in Offenburg konzentriert werden.

30 Millionen Euro Anteil der Stadt Achern

Im Gegensatz zu der massiven Kritik in den von der Schließung von Klinikstandorten betroffenen Städten kommt aus Achern Rückenwind für die „Agenda 2030“.

Auf „weit mehr als 30 Millionen Euro“ summiert sich der finanzielle Beitrag der Stadt, so Oberbürgermeister Klaus Muttach (CDU). Dabei geht es nicht zuletzt um eine Fläche von gut acht Hektar im „Brachfeld“, das die Stadt dem Ortenaukreis gemäß einem bereits vor gut einem Jahr geschlossenen Vertrag kostenfrei überlasse.

Weitere Kosten entstehen der Stadt durch den Planungsaufwand und den Verzicht auf die Erhebung von Gebühren für das baurechtliche Genehmigungsverfahren. Im Gegenzug werde der Kreis der Stadt Grundstücke und Gebäude am bisherigen Standort in der Josef-Wurzler Straße übertragen. „Was damit geschehen soll, werden wir nach dem ersten Spatenstich für den Neubau diskutieren“, dämpfte Muttach verfrühte Überlegungen.

Muttach möchte Eisenbahnanschluss für Klinik realisieren

Großen Wert legt man in Achern auf die Verkehrserschließung des neuen Krankenhauses. Dabei geht es vor allem um den Bau der sogenannten Nordtangente, aber auch um den Anschluss an den Öffentlichen Personennahverkehr.

Oberbürgermeister Muttach ist optimistisch, dass der vorgesehene Eisenbahnanschluss realisiert werden kann.