Sylvia Kotting-Uhl (Bündnis 90/Die Grünen)
Grünen-Atompolitikerin Sylvia Kotting Uhl ist froh über die nahende Abschaltung des AKW Philippsburg. Foto: dpa | Foto: Britta Pedersen/Archiv

AKW-Abschaltung

Kotting-Uhl: „Jede AKW-Abschaltung ist ein Stück weniger Risiko“

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Die Karlsruher Atomexpertin im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), nennt im Interview mit den BNN die Abschaltung des Atommeilers Philippsburg ein gutes Beispiel für den Atomausstieg in Deutschland.

Der Zeitplan für die Abschaltung des AKW Philippsburg steht: Spätestens zum Jahresende gehen dort die Lichter aus. Ist Philippsburg ein gutes Beispiel für den Atomausstieg?

Kotting-Uhl: Ja, ich sehe dort nichts, was schlecht gemacht wäre. Baden-Württemberg hat eine strenge Atomaufsicht, die über den Rückbau und die Lagerung des Atommülls wacht. Grundsätzlich ist jede Abschaltung ein Stück weniger Risiko und damit ein Erfolg.

Die beiden Kraftwerke Philippsburg und Neckarwestheim decken laut Betreiber EnBW etwa ein Drittel des Stromverbrauchs in Baden-Württemberg ab. Wie ist das Land auf die Abschaltungen beider Meiler binnen drei Jahren vorbereitet?

Kotting-Uhl: Nicht so gut, weil die Energiewende von der Bundesregierung verhunzt wurde. So ist durch die letzte Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes der Windausbau in Baden-Württemberg zum Erliegen gekommen, weil es nur über Ausschreibungen ging. Da unser Land natürlich schlechtere Standorte hat als die Küste, konnte es keine Ausschreibungen gewinnen. Mit dem neuen Klimapaket sollen sich die Bedingungen ändern. Aber der negative Effekt ist da.

Deutschland hat noch kein Endlager, weswegen hochradioaktiver Müll in Philippsburg zwischengelagert wird. Bleibt damit ein großes Sicherheitsproblem jahrzehntelang in der Region?

Kotting-Uhl: Dieser Müll wird in den Castor-Behältern gelagert werden. Sie sind so sicher wie möglich, selbst bei einem Flugzeugabsturz. Aber eine absolute Sicherheit bei Atommüll kann es nie geben. Laut dem Atomgesetz müssen alle nuklearen Anlagen auf dem neuesten Stand von Wissenschaft und Technik gehalten werden. Sollten in Zukunft neuere Sicherheitsstandards in Philippsburg notwendig sein, muss natürlich nachgerüstet werden. Für den extrem gefährlichen, hochradioaktiven Müll brauchen wir am Ende aber die höchste Sorgfaltspflicht und die bestmögliche tiefengeologische Endlagerung. Egal, welche Zeit und Kosten das benötigen wird.